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Gesundheit

09.02.2018

Pflege: Wenig Hoffnung auf die Politik

Nicht nur im Landkreis Donau-Ries ist die Pflegesituation kritisch. Sollte eine Bundesregierung aus SPD und Union zustande kommen, sollen 8000 neue Pflegestellen geschaffen werden – deutschlandweit. Nicht annähernd genug, sagen Kritiker.

Sollte die Große Koalition zustande kommen, verspricht sie eine Verbesserung der Situation in Pflegeeinrichtungen. Erneute Kritik von Krankenschwestern des gKU

Die Verantwortlichen von Krankenhäusern und Altenheimen verweisen gerne auf die große Politik, wenn sie wieder einmal von Arbeitnehmervertretern oder ganz einfachen Mitbürgern wegen der Personalmisere im Pflegebereich kritisiert werden. Die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen, nicht zuletzt die Fallpauschalen in den Kliniken, ließen es kaum zu, mehr Personal einzustellen und damit bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter zu schaffen, lautet in den meisten Fällen die Antwort. Und die Hoffnung, dass es mit einer neuen Großen Koalition aus Union und SPD besser werden könnte, scheint nicht ausgeprägt.

Das gilt auch für das gemeinsame Kommunalunternehmen im Landkreis Donau-Ries (gKU), in dem bekanntlich die Kliniken und Altenheime zusammengefasst sind. Selbst der oberste Repräsentant des gKU, Landrat Stefan Rößle, äußert sich zurückhaltend. Zwar hätten offensichtlich die möglichen Großkoalitionäre in Berlin das Problem des Personalmangels mit der Absicht, in einem ersten Schritt 8000 neue Stellen in den Pflegeheimen zu schaffen, erkannt. In Deutschland, so Rößle, gebe es aber über 13000 Altenpflege-Einrichtungen. Somit bedeute die Zahl 8000, dass es nicht einmal für eine Stelle in jeder Einrichtung reiche. „Deshalb plädiere ich für Realismus in diesem Zusammenhang“, sagte der Landrat gegenüber unserer Zeitung. Positiv bewerte er demgegenüber die Absicht, künftig nur noch ab 100000 Euro auf das Einkommen der Kinder von pflegebedürftigen Eltern bei der Finanzierung des jeweiligen Pflegeplatzes zurückzugreifen.

Auf die Personalsituation im gKU bezogen meinte Rößle, seitens des Vorstandes sei man stetig bemüht, neues Personal zu finden, was alles andere als einfach sei.

Der Vorstandsvorsitzende des gKU, Jürgen Busse machte es konkret. Seit der Entscheidung des Verwaltungsrates, die Personalgewinnung künftig stärker in den Fokus zu rücken und eine Million Euro für die Schaffung neuer Stellen zur Verfügung zu stellen (wir berichteten), seien beispielsweise an der Donau-Ries-Klinik Donauwörth 16 neue Schwestern eingestellt worden. Bis auf eine alle in Vollzeit. Zur Frage, ob er sich durch eine neue Bundesregierung noch mehr Spielräume für die Krankenhausträger erhoffe, meinte Busse knapp: „Meine Hoffnung ist da nicht allzu groß.“

Sonja Kuban, Vorsitzende des gKU-Gesamtpersonalrates, betonte, dass man erst Mitte 2018 verlässliche Aussagen darüber treffen könne, wie sich die angespannte Personalsituation im Kommunalunternehmen entwickle. Kuban verwies auf eine Vereinbarung mit dem Vorstand. Darin sei eine sukzessive Verbesserung der personellen Situation enthalten. Mittlerweile seien auch Bemühungen der gKU-Verantwortlichen zu erkennen, frei werdende Stellen im Pflegebereich so schnell wie möglich neu zu besetzen.

Einen anderen Eindruck vermitteln allerdings einige Krankenschwestern im Donauwörther Krankenhaus, das am stärksten unter der Personalmisere zu leiden habe. Nach den Presseveröffentlichungen, dem Besuch des Landrats auf den Stationen und dem Verwaltungsratsbeschluss, zusätzliches Geld für Personal locker zu machen, habe man inzwischen den Eindruck, dass „der alte Trott“ wieder einkehre. Zwar gebe es die eine oder andere neue Kollegin, hieß es auf Anfrage. Aber die drängenden Probleme durch die permanente Unterbesetzung der Stationen seien nach wie vor nicht einmal ansatzweise gelöst. Besonders im Nachtdienst, wo sich eine Schwester bisweilen um mehr als 30 Patienten zu kümmern habe. Nach wie vor schreibe das Pflegepersonal „haufenweise“ Gefährdungsanzeigen, weil man mit der Arbeit hinten und vorne nicht nachkomme. Eine Beschäftigte macht die Situation anschaulich: „Mit den Anzeigen könnte man eine kilometerlange Straße pflastern.“ Viele Pflegekräfte hätten das Gefühl, ihre Anliegen würden in der Verwaltung nicht mit dem Ernst behandelt, der angesichts der schwierigen Situation angebracht wäre.

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