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Nördlingen/Oettingen

08.04.2021

Rieser Jugendliche im Lockdown: „Sie vermissen das lebendige Leben“

Die fehlenden Kontakte können bei Kinder und Jugendlichen zu psychischen Störungen führen
Foto: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Für Kinder und Jugendliche sind die Beschränkungen der Pandemie besonders schwer. Die Oettinger Jugendarbeiterin kann ihrer Arbeit kaum wirklich nachgehen.

Anfang März 2020 konnten Jugendliche noch in Diskotheken und Klubs tanzen gehen. Vielleicht zu dem Elektro-Song Blinding Lights von „The Weeknd“, das Lied stand damals auf Platz eins der deutschen Charts. Kurze Zeit später wurde in keinem Klub mehr Musik gespielt, denn die Pandemie nahm in Deutschland Fahrt auf. Seitdem können nicht nur Jugendliche nicht mehr feiern gehen, auch Kinder dürfen ihre Freunde kaum noch sehen. Welche Folgen hat das für Kinder und Jugendliche?

Für die Oettinger Jugendarbeiterin Nina Thorwart ist das kaum zu beantworten. Lediglich in den Sommer- und Herbstmonaten, als die Zahl der Infektionen noch niedriger war, konnte sie die jungen Menschen treffen. „Die haben es schon so empfunden, dass sie sehr eingeschränkt sind. Man hat die Traurigkeit gespürt und dass sie das lebendige Leben vermissen“, schildert Thorwart. Den Jugendlichen sei langweilig, sie würden sich gerne mit anderen Menschen treffen. Doch das sei kaum noch möglich.

Schwierig, in Kontakt zu bleiben

Aufgrund der Kontaktbeschränkungen ist es für die Jugendarbeiterin schwierig, mit den jungen Menschen in Kontakt zu bleiben, von ihren Problemen und Sorgen zu erfahren. Zwar ist Thorwart auf dem sozialen Netzwerk Instagram sehr aktiv, organisiert Fotowettbewerbe und stellt Basteltüten zur Verfügung, doch ein wirklicher Ersatz für persönlichen Austausch ist das für die Jugendarbeiterin nicht. Die Kommunikation beschränke sich online bei den Projekten doch auf das Wesentliche. Das macht die Arbeit für die Jugendarbeiterin schwierig, die erst im vergangenen Jahr ihre Stelle antrat. „Die Jugendarbeit lebt vom persönlichen Kontakt“, sagt Thorwart. Doch den darf sie zu den Jugendlichen nur haben, wenn die Inzidenz im Landkreis unter 100 liegt. „Da muss man von Woche zu Woche schauen.“

Psychische Auffälligkeiten sind die Folge

Mit den Folgen der Pandemie hat sich auch eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf beschäftigt, die kürzlich veröffentlicht wurde – die nach eigenen Angaben erste bundesweite Längsschnittstudie ihrer Art. Demnach fühlten sich vier von fünf befragten Kindern und Jugendlichen durch die Corona-Pandemie belastet. Auch die Lebensqualität habe sich verschlechtert. Fast jedes dritte Kind leide unter psychischen Auffälligkeiten, Kinder zeigten zudem depressive Symptome oder psychosomatische Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen. In der Studie wurde außerdem festgestellt, dass zehnmal mehr Kinder als vor der Pandemie keinen Sport mehr ausüben. Die Leiterin der Studie, Ulrike Ravens-Sieberer, sagt in der Mitteilung zu der Studie: „Sport ist ganz wesentlich für das psychische und physische Wohlbefinden. Neben der für die gesunde Entwicklung so wichtigen Bewegung treffen Kinder und Jugendliche beim Sport auch ihre Freunde, lernen, sich in eine Mannschaft einzuordnen und mit Konflikten, Siegen und Niederlagen umzugehen.“ Auch das Verhältnis innerhalb der Familie habe sich teilweise verschlechtert. Für die Studie wurden zwischen Dezember 2020 und Mitte Januar 2021 mehr als 1000 Kinder und Jugendliche befragt.

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