Konzert

06.06.2018

Rosetti macht Spaß

Ein gemeinsames Konzert der Internationalen Rosetti-Gesellschaft und der Oettinger Residenzkonzerte mit dem Trompeter Gábor Boldoczki und dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim begeisterte im voll besetzten Festsaal in Schloss Oettingen.
Bild: Ernst Mayer

Zwei Reihen ziehen die Zuschauer in den Festsaal des Oettinger Schlosses. Dort spielt das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim – es ist ein Hörgenuss

Die beiden traditionsreichsten Konzertreihen im Ries luden während der Internationalen Rosetti-Festtage in diesem Jahr wieder einmal zu einem gemeinsamen Konzertabend ein und brachten damit den Festsaal des Oettinger Schlosses an die Grenzen seiner Fassungsmöglichkeit. Damit wurde der Rahmen der über das Jahr verteilten „Oettinger Residenzkonzerte“ erheblich erweitert und vor allem einem überregionalen Publikum vermittelt. Dazu kam noch, dass der Solist und das Orchester in ihrer Güte sich dafür als die besten Werbeträger erwiesen.

Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim, das bereits in vergangenen Jahren in Oettingen konzertierte, stellte an den Anfang zwei Werke von Komponisten, die eine besondere Beziehung zum Fürstenhaus Oettingen und Wallerstein hatten: Joseph Haydn war der Lieblingskomponist des musikbegeisterten Kraft-Ernst, dem Gründer von Rosettis Hofkapelle, wo Wolfgang Amadeus Mozart vor fast genau 240 Jahren vergeblich auf der Suche nach einer festen Stelle vorstellig wurde. Haydns „Sinfonie A-Dur Nr. 21“ ging als „Kirchensinfonie“ in die Musikgeschichte ein, da sie mit einem langsamen, besonders ausdrucksvollen Satz begann, was damals sehr ungewöhnlich war. Nach diesem ruhigen Beginn kam im zweiten Satz die besondere Stärke des Pforzheimer Orchesters zur Geltung: die exakte transparente Spielweise in brillantem Tempo, mit fliegenden Sechzehntelläufen und markanten Bläsereinwürfen. Darauf ein tänzerisches, fast ländlerisches Menuett, das im zweiten Teil lieblicher gestaltet wurde, schließlich aber wieder die kraftvolle Art des Anfangs wieder aufgriff. Im Abschlusssatz konnten die Musiker ihrem Temperament freien Lauf lassen.

Ein Streichquartett in Orchesterstärke zu spielen, kann zwar ein höheres Klangvolumen bringen, unter dem möglichen Verlust an Individualität der Einzelstimmen. Durch die durchgängige Virtuosität aller Spieler fiel das bei Mozarts „Streichquartett D-Dur KV155“ nicht ins Gewicht. Mozarts arienhafte Melodiengebung und tänzerische Leichtigkeit blieb auch durch das exakte und unspektakuläre Dirigat von Timo Handschuh erhalten.

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Das war auch eine Voraussetzung für den erfolgreichen Auftritt des Ausnahmekönners auf der Trompete, Gabor Boldoczki, der mit seiner absolut souveränen Spieltechnik, einem weichen Ansatz und klaren Ton, mit dem „Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur“ des Johann Baptist Georg Neruda das Publikum verzückte, bevor Boldoczki gar mit drei Trompeten das Podium betrat.

Als er das größere und dunkel klingende Instrument ansetzte, wussten die Zuhörer, dass dieses an „Introduktion, Thema und Variationen für Flügelhorn und Orchester“ von Johann Nepomuk Hummel den Namen vergeben hat. Bei den sieben Teilen wechselte der Trompeter noch das „Corno di Caccia“ (eine Art Jagdhorn) ein und zeigte seine außerordentlichen Trompetenkünste. Mit der Zugabe eines Lieds von Antonin Dvorak demonstrierte er die einschmeichelnden Töne des Flügelhorns.

Die zum Abschluss vorgesehene „Sinfonie C-Dur A1“ bewies den Zuhörern, wie Rosetti in einer spritzigen und temperamentvollen Spielweise Spaß machen kann: ein zupackender Eröffnungssatz, mit Oboen- und Hörnerklang garniert, ein apartes Andante mit geheimnisvollen Klängen, ein tänzerisches Oboensolo zu feinem Streicherpizzikato. Das schwungvolle, von der Bassgruppe entfachte Finale animierte das Publikum zu lang anhaltendem Beifall.

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