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Nördlingen

10.04.2019

So lebt der Eremitenkäfer im Ries

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2 Bilder
Die Größe des Eremitenkäfers lässt sich mit einem Zwei-Euro-Stück anschaulich darstellen.
Bild: Kurt Kroepelin

In Nördlingen unterstützt die Glücksspirale-Lotterie ein besonderes Naturschutz-Projekt. Wissenschaftler untersuchen nun, warum sich der Käfer hier besonders wohl fühlt.

Die Glücksspirale-Lotterie unterstützt mit ihren Einnahmen ausgewählte Verbände; ein großer Teil fließt in den Bayerischen Naturschutzfonds. Der wiederum stellt Anträge zur Unterstützung einzelner Naturschutzprojekte. So entstand im Austausch zwischen Heideallianz Donau-Ries und dem Bund Naturschutz die Idee, das Vorkommen der Eremitenkäfer in Nördlingen genauer zu untersuchen. Naturschützer hatten im Stadtgebiet einige Exemplare entdeckt, was die Frage aufwarf, ob Nördlingen vielleicht ein Lebensraum dieser seltenen Käferart sein könnte – die nächsten Vorkommen sind erst in Heidenheim an der Brenz, im Landkreis Ansbach oder in Neuburg zu finden.

Der Juchtenkäfer ist ein Indikator für intakte Natur

Der schwarz schillernde, etwa vier Zentimeter große Eremitenkäfer ist auch unter dem Namen Juchtenkäfer bekannt, der Furore machte, weil er auf dem Baugelände des Bahnhofs Stuttgart 21 entdeckt wurde. Bei der Vorstellung des Projekts freute sich Alexander Helber, Vorsitzender der Kreisgruppe Donau-Ries im Bund Naturschutz, über den günstigen Zeitpunkt der Bewerbung, da Arten- und vor allem Insektenschutz gerade topaktuell sei, nicht zuletzt in Kommunen. Der Eremitenkäfer sei eine „Leitart“, also ein Indikator für eine intakte Natur, da er sehr hohe Ansprüche stellt, die automatisch auch anderen Arten eine gute Basis bieten. Projektleiterin Renate Michel vom Kreisverband des Bund Naturschutz erläuterte, dass der Käfer mächtige, alte Laubbäume brauche, die sich innen zum Teil schon zersetzen. Dadurch entstehen die Höhlen, in denen er sein gesamtes Leben verbringt und Pilzschichten, von denen er sich ernährt. Das aktuelle Projekt, für das die Glücksspirale rund 15000 Euro bereitstellt, läuft das ganze Jahr über. Die Biologin Andrea Jarzabek-Müller werde zunächst in Flugfensterfallen, für die sie eigens eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung bekam, einzelne Käfer fangen, um Rückschlüsse über die ganze Population zu erhalten. Dann untersucht sie systematisch Höhlen in Bäumen, die vom Rieser Naturschutzverein gezielt ausgewählt wurden. Dessen Vorsitzender Johannes Ruf erläuterte, warum Nördlingen möglicherweise eine „Pionierstadt“ für den Eremitenkäfer ist: Etwa zur gleichen Zeit wurden im 19. Jahrhundert mit Marienhöhe und Bäumlesgraben, Lindenallee und Friedhof in großem Umfang Laubbäume gepflanzt, die noch in großer Anzahl stehen und genau das richtige Alter für den Eremitenkäfer haben. Ruf sah Möglichkeiten für den Spagat zwischen Verkehrssicherung und Erhaltung der uralten Bäume, indem man die Kronen beispielsweise in fünf Metern Höhe kappt. Auch ein „Baumfriedhof“ auf der Marienhöhe aus abgeholzten Bäumen könne den Larven des Eremitenkäfers das Überleben sichern.

Alte Bäume werden nicht vorzeitig erneuert

Oberbürgermeister Faul reihte die Aktion in mehrere Naturschutzprojekte der Stadt ein, zum Beispiel zur Bachmuschel im Goldbach. Beim Bäumlesgraben habe man sich schon vor zehn Jahren entschieden, alte Bäume nicht vorzeitig zu erneuern; bei der Verkehrssicherungs-Maßnahme am Berger Graben sei das Fällen einiger sturzgefährdeter Bäume nötig gewesen, andere habe man lediglich zurückgeschnitten. Für den stadteigenen Baumpfleger erhielt Faul großes Lob von Renate Michel. Ein Prospekt des Bund Naturschutz erläutert das Projekt; er wird in den Wohngebieten im Bereich der Untersuchungen verteilt.

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