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Nördlingen

03.08.2016

Strenesse hat einen Investor gefunden

Der Sitz des Mode-Herstellers Strenesse in Nördlingen. Ein Investor hat mitgeteilt, den Geschäftsbetrieb des insolventen Unternehmens übernommen zu haben – und auch alle verbliebenen 240 Mitarbeiter.
Bild: Martina Bachmann

Eine niederländische Holding hat das Nördlinger Mode-Unternehmen gekauft. Für die Mitarbeiter ist das eine gute Nachricht. Die Gründer-Familie wird fortan wohl keine Rolle mehr spielen

Nein, die Sektkorken sollen nicht geknallt haben, als die Mitarbeiter von Strenesse gestern davon erfuhren, wie es mit dem Unternehmen weitergeht. Dass es, nach mehr als zwei Jahren in der Insolvenz, einen Käufer gibt für den Mode-Hersteller. Einen Investor. Eine Zukunftsperspektive.

Die Mitarbeiter, sagt Betriebsratschef Rainer Dirrheimer, müssten die Nachricht erst einmal verarbeiten. Und dennoch. „Das ist eine gute Sache für Strenesse“, sagt Dirrheimer. „Eine sehr gute.“ Denn der Käufer will alle 240 Mitarbeiter übernehmen. Jeden einzelnen. Der Käufer, das ist konkret: Eine niederländische Holding namens Maeg, die ihren Sitz in Amsterdam hat. Die Menschen hinter dem Investor bevorzugen die Anonymität; im Internet findet man zu Maeg nichts, die Namen der konkreten Investoren sickerten gestern auch nicht durch. Ein „Family Office“ sei die Holding, heißt es von Strenesse, was konkret bedeutet: die Vermögensverwaltung wohlhabender Familien. Im Fall des Strenesse-Käufers steckt hinter dem Family Office offenbar nur eine wohlhabende Familie, die aus dem europäischen Ausland stammen soll.

Für Strenesse endet mit ihrem Einstieg jedenfalls eine Hängepartie. Das Unternehmen hat bewegte Zeiten hinter sich. Nachdem Strenesse im April 2014 Insolvenz in Eigenverwaltung anmeldete, wurde zunächst der Sanierer Michael Pluta in den Vorstand beordert, der tat, was Sanierer eben so tun: Kosten einsparen, Prozesse verschlanken. Mit dem damaligen Vorstand Luca Strehle verstand er sich nicht wirklich. Strehle verließ das Unternehmen im November 2014. Pluta führte Strenesse wieder in die schwarzen Zahlen, doch die Suche nach einem Investor dauerte an. 2015 platzte der Einstieg einer Finanzgesellschaft unter Beteiligung des S.Oliver-Gründers Bernd Freier, offenbar auch am Widerstand von Aufsichtsratschef Gerd Strehle, der das Unternehmen bis 2012 zuvor 45 Jahre geleitet hatte. Der Aufsichtsrat fasste den Beschluss, den Sanierer abzusetzen, Sachwalter Hans-Jörg Nerlich stimmte zu. Seitdem leitet Finanzchef Gerhard Geuder die AG als alleiniger Vorstand.

Nun wird die Marke Strenesse unter einer neu gegründeten GmbH fortgeführt und bekommt einen neuen Chef. Reiner Unkel heißt der Mann, der in Zukunft die Geschicke des Mode-Herstellers leiten soll. Er hat mit Strenesse viel vor und will die Marke „zu den Wurzeln zurück führen“. Eine Marke, die Trends setze und den Nerv der Zeit treffe, die klassisch und sexy sei. Unter anderem, heißt es von Strenesse, sollen wieder zunehmend eigene Stoffe für die Kollektionen entwickelt werden. Zudem wolle man mit der Wiedereinführung der Linie „Strenesse Blue“ jüngere, moderne Kunden an die Marke heranführen.

Gerd Strehle, der Aufsichtsratsvorsitzende der AG, teilt mit, Strenesse habe „eine solide finanzielle Basis für die Rückkehr zu internationalem Wachstum“. Er begrüße, dass alle Mitarbeiter übernommen werden. Es könnte das letzte Statement gewesen sein, dass Strehle für Strenesse abgibt. Denn in der neuen GmbH spielt die Familie, die das Unternehmen gründete, leitete, beaufsichtigte, offenbar keine Rolle mehr. Vom Aufsichtsrat der AG war gestern nur der Münchner Berater Hubert Kahl zu erreichen. Kahl, muss man wissen, war 2014 dagegen, dass Luca Strehle das Unternehmen verlässt. Er befürchtete, dass es nicht gerade positiv für Strenesse ist, wenn das Unternehmen nur von Zahlenmenschen geleitet wird, ohne dass jemand im Vorstand sitzt, der sich auch mit Mode auskennt. Vom neuen Geschäftsführer Unkel spricht Kahl nun äußerst positiv. Ein Mode-Unternehmen müsse von einem Mode- und Marketingmann geführt werden, und so einer sei Unkel.

Bei Strenesse, das zuletzt einen Jahresumsatz von 35 Millionen Euro machte, hebt man auch die Arbeit vom bisherigen Vorstand Gerhard Geuder und dem Sanierungsexperten Marcus Katholing hervor, die in der kommenden Zeit noch für die Abwicklung der AG zuständig sein werden und in der neuen GmbH wohl auch keine Funktion mehr übernehmen. Diese hätten eine „Vorwärtsstrategie“ eingeleitet, die Bestellungen der Händler seien gestiegen. Zwei Prozent für die kommende Herbst- und Wintersaison gegenüber dem Vorjahr, acht Prozent bei den Vorbestellungen für den Sommer 2017.

Darauf, so die Botschaft, könne der neue Investor aufbauen.

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