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Wirtschaft Nördlingen

19.05.2020

Thermo Natur: Jobverluste trotz Rettung

Mark Reinders ist Gesellschafter und Geschäftsführer der HempFlax Group. Sie lässt auf 2500 Hektar Industriehanf anbauen und stellt daraus Lebensmittel und Werkstoffe her. Die Unternehmensgruppe hat das Thermo Natur-Werk in Nördlingen gekauft und beschäftigt dort künftig 20 Mitarbeiter.
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Mark Reinders ist Gesellschafter und Geschäftsführer der HempFlax Group. Sie lässt auf 2500 Hektar Industriehanf anbauen und stellt daraus Lebensmittel und Werkstoffe her. Die Unternehmensgruppe hat das Thermo Natur-Werk in Nördlingen gekauft und beschäftigt dort künftig 20 Mitarbeiter.

Plus Anfang April hieß es, die Anlage schließe. Nun hat sich ein holländisches Hanf-Unternehmen als Käufer gefunden. Warum viele Arbeitsplätze dennoch wegfallen.

Noch vor wenigen Wochen hatte es geheißen: Thermo Natur ist Geschichte, endgültig. Etwa 55 Mitarbeiter würden ihren Job verlieren. Nun hat sich doch ein Käufer gefunden. Einige Mitarbeiter können aufatmen – aber nur ein kleiner Teil.

Die niederländische HempFlax Group hat das Werk und ein Markenrecht der Nördlinger Thermo Natur GmbH gekauft. Die neue Firma heißt HempFlax Building Solutions GmbH. Sie beschäftigt 20 der bisher rund 55 Mitarbeiter weiter. Neuer Geschäftsführer ist der Niederländer Mark Reinders. Derzeit testet er die Anlage in Nördlingen. Der studierte Landwirt ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Unternehmensgruppe, die das Werk gekauft hat.

Hanf in Luxussportwagen

Die Gruppe lässt auf 2500 Hektar in Holland, Deutschland und Rumänien Industriehanf produzieren. Die Blüten und Blätter verarbeitet die Firma zu Lebensmitteln weiter, aus den Stängeln werden Fasern gewonnen. Diese werden zum Beispiel in der Automobilindustrie in faserverstärkten Werkstoffen eingesetzt. Ihr Rohstoff werde in Autos von Mercedes und BMW verbaut, aber auch im Bugatti Veyron, sagt Reinders. Das spreche für den Werkstoff – denn in einem solchen Luxussportwagen stecke Hanf nicht wegen seiner Nachhaltigkeit, sondern wegen seiner guten Eigenschaften.

Thermo Natur: Jobverluste trotz Rettung

Im Nördlinger Werk lagert bereits etwas Hanf-Rohmaterial aus eigener Produktion, das Reinders bringen ließ. Gerade optimiere man damit die Anlage auf den neuen Rohstoff. Bisher wurden dort hauptsächlich Fasern verarbeitet, die aus Jutesäcken zum Kakaotransport stammten.

Die Hanffasern von HempFlax (rechts) sollen weniger Störungen verursachen.

Dabei hat es häufig Störungen in der Anlage gegeben, was die Kosten steigerte – und ein Mitgrund für die Schließung war. Reinders hält in der einen Hand etwas Faser seines eigenen Unternehmens, in der anderen die Jutefaser. Das mitgebrachte Material ist wesentlich feiner – der neue Geschäftsführer erhofft sich dadurch einen reibungsloseren Betrieb.

Thermo Natur ist Geschichte

Nach Informationen unserer Zeitung hatte Alfred Ritter, Eigentümer des Schokoladenherstellers Ritter Sport und der bisherigen Firma Thermo Natur, einen Spezialisten beauftragt, der Investoren für die Firma suchen sollte. Reinders sagt auf Nachfrage, er sei nicht kontaktiert worden. Ende April habe er in der Branche von der Betriebsschließung erfahren. In den vergangenen drei Wochen habe es Gespräche mit Ritter gegeben, am Freitag wurde der Kaufvertrag unterzeichnet.

Den Produktnamen Thermo Hanf verwendet die neue Firma weiter, der alte Firmenname Thermo Natur hingegen ist Geschichte. Ab Juni soll die Produktion anlaufen. Die Kunden hätten Aufträge abzuarbeiten, sagt Reinders. Ein Oettinger Holzbauunternehmen, bislang einer der wichtigsten Kunden, wird dem Vernehmen nach weiter Produkte des Nördlinger Werks abnehmen.

Umzug kein Thema

Reinders sagt, das Werk an die holländische Grenze umzuziehen, sei kein Thema gewesen. Das sei viel zu kompliziert, außerdem ist der süddeutsche Raum ein guter Markt für unser Produkt.

Im Norden Deutschlands werde kaum mit Holz gebaut. Der Bereich des nachhaltigen Bauens biete große Chancen, insbesondere weil sich dort große Mengen Kohlenstoffdioxid einsparen ließen. Reinders plant, in den nächsten Monaten mehrere hunderttausend Euro in den Nördlinger Standort zu investieren.

Fast 40 der Mitarbeiter verlieren nichtsdestotrotz ihren Arbeitsplatz. Er habe großes Verständnis für die Sorgen der Mitarbeiter, aber die Umstrukturierung sei unternehmerisch notwendig. Deutliche Einschnitte wird es im Vertrieb geben. Das großflächige Netz von Außendienstlern will Reinders abbauen. Die 20 Arbeitsplätze seien alle in Nördlingen.

Neben Reinders steht hinter der Gruppe ein Hauptgesellschafter, der dem Werk ein stabiles Fundament bieten soll: der niederländische Unternehmer Ben Dronkers, Eigentümer des weltgrößten Herstellers von Cannabissamen Sensi Seeds.

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