Newsticker

Merkel betont Notwendigkeit weiterer Corona-Beschränkungen

Nördlingen

03.11.2017

Traumberuf Türmer

Dominique Rauh geht es als Türmer auf dem Daniel wie seinen Gästen dort oben – er lässt die alltägliche Bodenhaftung hinter sich.
Bild: Hummel

Dominique Rauh ist neu in der Turmwächter-Mannschaft. Schon als kleiner Bub träumte er davon, in der Stube hoch über der Stadt zu arbeiten. Was ihn beeindruckt.

Als Dominique Rauh seinen Freunden erzählte, dass er im Sommer als Neben-Turmwächter auf dem Nördlinger Daniel angestellt wurde, glaubten sie an einen Scherz– für die meisten Rieser gilt dieser Posten auf dem Wahrzeichen Nördlingens zwischen Himmel und Erde als Traumberuf, als absoluter Glücksfall. Umso mehr waren sie begeistert, als er ihnen klar machte, dass es kein Scherz war. Für den Berufssoldaten, der am Mittwoch übrigens seinen 45. Geburtstag feierte, begann dieser Traum schon in der Kindheit: Er wuchs in Wallerstein auf, und an jedem Sonntag umrundete er mit dem Vater und den zwei Brüdern die Nördlinger Stadtmauer. „Damals prägte sich mir die Faszination der Stadt ein“, sagt er. Und egal, aus welcher Perspektive, der Daniel bildete immer den Mittelpunkt. Dort oben als Wächter zu sitzen, musste doch im wahrsten Wortsinn das Höchste sein. Als Soldat kam er viel herum, und wo immer er gerade war, machte er Werbung für die Stadt, ihre Wehranlage, das Stadtmauerfest.

Heuer wurde der Traum für Dominique Rauh wahr. Schon vor einigen Jahren hatte er einem der Türmer gegenüber erwähnt: „Dort oben möchte ich auch einmal als Wächter sitzen.“ Vor ein paar Monaten kam quasi die Antwort: „Die Stadt sucht noch einen Neben-Türmer.“ Das ließ er sich nicht zweimal sagen und gehört jetzt zu der Mannschaft um die Haupttürmer Günter „Brösel“ Burger und Horst „Hottle“ Lenner sowie den Neben-Türmern Wilfried „Groovy“ Rangette, Ralf „Ralla“ Kluge, Wolfgang „Louy“ Ziegler und Herbert Türk. „Eine coole Crew“, sagt Dominique Rauh, „einmal im Monat ist Türmertreffen, dann gehen wir zusammen essen.“ Und oft bringt er dem diensthabenden Kollegen spontan eine Butterbreze hoch, trinkt oben eine Tasse Kaffee mit ihm.

Die Erfüllung des Traumes blieb kein Stück hinter den Erwartungen zurück: „Ich meine, dort oben ist eine andere Welt, man schaltet völlig ab von Stress und Alltag“, schwärmt er. Dieses Gefühl verstärke sich, zumal es den bis zu 350 Gästen pro Tag in der Hauptsaison genau so gehe. Sie kommen meist völlig außer Atem an und sind schon einmal froh, wenn sie auf der Bank beim Türmer ausruhen können oder erfahren, dass sie nur noch 18 Stufen zu bewältigen haben. Kommen sie dann von der Aussichtsplattform zurück, sind sie allesamt völlig fasziniert: „Habt ihr eine schöne Stadt!“, bekommt Rauh dann zu hören – oft auf Englisch, denn es ist ja die ganze Welt zu Gast. Der Blick von oben hat neugierig gemacht, es kommen Fragen zu Mittelalter, Ries, Meteoriteneinschlag. Von der romantischen Türmerstube sind die Besucher begeistert, wollen manchmal wissen, ob der Türmer hier wohnt, ob es einen Aufzug gibt, wie oft am Tag er herauf und herunter muss. Da sie denn Weg herauf kennen, sind sie beeindruckt, wenn er erzählt, dass er morgens die Stufen nimmt, um zehn Uhr oben ist, um 18 Uhr wieder herunter und um 22 Uhr abermals hinauf steigt, um dann halbstündlich sein „So G’sell so“ zu rufen. „Ich habe als Oberstabsfeldwebel schon viele Vorträge vor 50 Zuhörern und mehr gehalten, aber vor meinem ersten Türmerruf hatte ich mächtiges Lampenfieber“, erinnert er sich.

In die allgegenwärtige Turmkatze „Wendelstein“ sind vor allem die asiatischen Besucher vernarrt, bei ihnen gelten Katzen als Glücksbringer. „Einer hat einmal mehr als 100 Fotos von ihr geschossen“, sagt Rauh und lacht. Besonders beeindruckt ist er von einem „Stammgast“, der jede Woche einmal kommt: „Er hat eine Behinderung und kann nicht gut gehen, sagt aber, das Hinaufsteigen tut ihm körperlich sehr gut.“ Wenn sich die Besucher auf den Rückweg machen, ist Dominique Rauh längst nicht vergessen: „Wir freuen uns schon, heute Nacht von ihnen zu hören“, verabschieden sie sich oft.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren