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Wallerstein: Erbprinz zu Oettingen-Wallerstein: „Der Tod darf kein Tabu sein“

Wallerstein

Erbprinz zu Oettingen-Wallerstein: „Der Tod darf kein Tabu sein“

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    Carl Eugen zu Oettingen-Wallerstein am Eingang zum Ruhebaum-Wald Harburg. Die Idee, einen Wald als letzte Ruhestätte zu nutzen, kam dem Erbprinzen zuerst abwegig vor.
    Carl Eugen zu Oettingen-Wallerstein am Eingang zum Ruhebaum-Wald Harburg. Die Idee, einen Wald als letzte Ruhestätte zu nutzen, kam dem Erbprinzen zuerst abwegig vor. Foto: Oettingen-Wallerstein

    Herr zu Oettingen-Wallerstein, was war Ihre erste Begegnung mit dem Tod?

    Der Tod meines Großvaters – den habe ich noch in Erinnerung. Damals habe ich erstmals richtig verstanden, dass der Tod ein generationsübergreifendes Thema ist.

    "Die Natur ist ein verbindendes Element für alle Glaubensarten"

    Wie kam es dann zu der Idee eines Ruhewaldes?

    Ich komme aus einer katholischen Familie, doch meine Urgroßeltern und Großeltern haben sich schon am Waldrand beerdigen lassen, statt in der Familiengruft. Für mich war ein Begräbniswald erst ein abwegiges Thema. Aber als ich mir mal selbst einen solchen Wald angeschaut habe, hab ich gedacht, das hat was Schönes.

    Und wieso eignet sich ein Wald als letzter Ruheort?

    Hier können die Menschen ankommen, durchatmen und nachdenken. Es gibt es keine Grabpflege, die sie erledigen müssen. Die Leute verbringen mehr Zeit in ihrem Leben im Wald, nicht auf dem Friedhof. Ich kenn es von mir selbst. Gerade wenn ich aus Stuttgart oder München komme, dann mache ich einen Stopp und verbringe ein wenig Zeit in unserem Ruhebaum-Wald. Schau nach dem Rechten. Es hat was Beruhigendes. Es gibt wenig auf der Welt, dass so für den Wandel im Lebenszyklus steht, wie ein Baum. Die Natur ist ein verbindendes Element für alle Glaubensarten und Konfessionen.

    Warum ist es wichtig, dass es einen Ort gibt, an den Hinterbliebene kommen können?

    Viele Menschen haben keinen Heimatfriedhof mehr. Dabei geht es vor allem darum, dass es auch im digitalen Zeitalter einen physischen Ort zum Trauern gibt, und sei es nur eine Gedenktafel. So ein Baum für Hinterbliebene ein kraftvoller Ort. Die Menschen haben einen Raum und Platz.

    "Wichtig ist, dass die Menschen sich mit dem Thema auseinandersetzen"

    Ist das Begräbnis im Wald nicht ein Eingriff der Menschen in den Naturraum?

    Im Gegenteil. Eine Urnenbestattung unter dem eigenen Ruhebaum ist die grüne und nachhaltige Alternative zur klassischen Beisetzung auf dem Friedhof. Die Urnen sind selbstverständlich biologisch abbaubar. So werden im Ruhewald die Verstorbenen eins mit der Natur. Es entsteht ein kleiner Mikrokosmos für Pflanzen und Tiere, weil das Gebiet weder forstlich genutzt noch bejagt wird. Trotz der Waldarbeiter, die regelmäßig für die Verkehrssicherung und Pflege sorgen, bleibt es ein Wald.

    Wie schützen sie den Ruhewald vor Klimakrise und Schädlingen?

    Der Ruhewald ist nicht vor allen Gefahren geschützt. Wir haben aber die Orte ausgesucht, wo der Baumbestand gut durchmischt ist und hoffentlich lange stabil ist. Wir können nur so gut wie möglich Plätze auswählen. Ob das in Zukunft reicht, wissen wir natürlich nicht.

    Was passiert, wenn ein Baum abstirbt oder umkippt?

    Den Fall hatten wir noch nicht. Wir haben eine ganz klare Regelung: wenn ein Baum ausfällt, und bis dahin noch keine Urne gesetzt wurde, dürfen sich die Menschen einen anderen Baum aussuchen. Ansonsten wird ein kleiner, neuer Baum an der Stelle gepflanzt.

    Wie geht man mit dem Thema Bestattung Ihrer Meinung nach richtig um?

    Der Tod darf kein Tabu sein. Wichtig ist, dass die Menschen sich mit dem Thema auseinandersetzen und die bewusste Entscheidung noch zu Lebzeiten treffen – bei vollem Bewusstsein. Frauen gehen damit meist sehr viel pragmatischer um, während Männer das häufig verdrängen. Für die Hinterbliebenen ist es eine enorme Hilfe im Moment des Schocks und der Trauer, zu wissen was im Sinne des geliebten Verstorbenen ist. Selbst wenn es nicht bis ins Detail geplant ist.

    Carl Eugen zu Oettingen-Wallerstein hat Respekt vor dem Tod

    Also kommen junge Menschen auf Sie zu und fragen, ob sie einen Platz reservieren können?

    60 Prozent unserer Interessenten sind Vorsorgekäufe: Menschen die mitten im Leben stehen, gesund sind und es für sich regeln wollen. Wir haben gelegentlich sogar sehr junge Menschen, die Ende zwanzig, Anfang dreißig sind, nicht mehr am Geburtsort leben und das Thema Familienbaum proaktiv mit ihren Eltern ansprechen – und nicht umgekehrt. Es ist jedenfalls wichtig zu klären und offen darüber zu sprechen.

    Wie stehen Sie selbst zum Tod? Macht das Thema Ihnen Angst?

    Angst ist das falsche Wort. Angst, das lähmt. Aber ich bin jetzt 51 Jahre alt, habe Kinder und Enkel. Man wird nachdenklicher und entwickelt so etwas wie Respekt vor dem Tod. Dieser Respekt führt zur bewussten Wertschätzung des Lebens. Als Familienvater und Unternehmer habe ich mich früh mit rechtlichen Themen des eigenen Todes auseinandersetzen müssen. Es ist ein mühsamer innerer Prozess, aber wenn es mal erledigt ist, dann kann man es auch beruhigt zur Seite legen und hoffentlich lange und gesund leben.

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