Fastenzeit, eine voll besetzte Megesheimer Mehrzweckhalle und ausgelassene Stimmung bei den Besuchern – so ist es seit fast zwei Jahrzehnten Tradition. Bereits in 19. Auflage lud die Kraterkultur Megesheim zum Rieser Starkbieranstich, bei dem das politische und gesellschaftliche Leben in der Region wieder einmal einer satirischen Nabelschau unterzogen wurde.
So stand zunächst auf das große „D’rblecken“ im Fokus, das bereits zum vierten Mal von den „Zwoi Riasern im Himmel“ vorgenommen wurde. Von ihren Wolken aus blicken dabei die beiden Freunde Schorsch (Thomas Hertle) und Heiner (Erwin Zwickel) sowie das „Engale“ (Martina Müller) auf ihre Rieser Heimat.
Tempo 20 in Nördlingen findet sich beim Derblecken in Megesheim wieder
Bei der humorvollen Würdigung der aktuellen Geschehnisse kann sich das Trio einmal mehr aus einem reichhaltigen Fundus bedienen. So geht es zunächst um die „unauffindbaren“ Erdkabel in Deiningen und die Bewegungsmelder im Landratsamt, bevor man sich ausführlich dem Tempolimit von 20 Kilometer pro Stunde in der Nördlinger Innenstadt und den Reaktionen der Autofahrer widmet: „Wenn’s Tempo nuntergeht, geht da Bluatdruck nauf!“
Beharrlich und mit reichlich Witz und Humor arbeiten sich Heiner, Schorsch und das Englein durch das aktuelle Zeitgeschehen mit seinen zahlreichen Absonderlichkeiten. Denn Michael Eßmann hat mit scharfem satirischem Blick reichlich Material gesammelt und mit seiner Textvorlage den Grundstein für eine gelungenes „D’rblecken“ gelegt. Das beschränkt sich zunächst auf das Ries („von A bis Z, von Auhausen bis Ziswingen“), wobei unter anderem das Herkheimer Feuerwehrhaus, die Bauernproteste auf der Kaiserwiese, das geplante Megesheimer Baugebiet, der Lauber Kindergarten oder der Aiwanger-Auftritt in Fessenheim zur Sprache kommen.
Starkbieranstich: Darsteller wachsen zunehmend in ihre Rollen hinein
Doch auch die Bundespolitik bekommt ihr Fett ab: „Wenn alle drei Lichter einer Ampel gleichzeitig brennen, geht gar nix mehr!“ Lautstarker Applaus brandet auf, als Freiwillige und Ehrenamtliche wie Feuerwehrleute, Gemeinderäte und Vereinsvorsitzende als die wahren Leistungsträger der Gesellschaft benannt werden, die „den Laden am Laufen halten“ („Do wird koi Arbeitskreis gründet – da langt ma‘ na!“). An die Adresse des Alerheimer Bundestagsabgeordneten Christoph Schmid wird der Appell gerichtet, sich in Berlin mehr Gehör zu verschaffen: „Chrischtoph, horcha de do oba net auf di?“
Lobend darf erwähnt werden, dass die drei Darsteller bei ihrem kabarettistischen Streifzug durch das Ries zunehmend in ihre Rollen hineinwachsen. Erwin Zwickel teilt als scharfer und leidenschaftlicher Ankläger von Missständen kräftig aus, während sich Thomas Hertle mit einer herrlichen Stoiber-Parodie spontanen Szenenapplaus abholt. Martina Müller wiederum wertet die Show mit ihrem Akkordeon musikalisch auf: Als am Ende das bayerische Volkslied „Drunt in da greana Au“ auf ein Rieser Dorf umgetextet wird („Mitta in Loob, steht a Boom voller Loob“), gibt es im Publikum kein Halten mehr.
Trio aus Niederbayern begeistert auch musikalisch beim Derblecken
Für den Schlussakkord sorgt das niederbayerische Trio Watschnbaam, neuerdings verstärkt durch Matthias Meier (ehemals Mitglied von DaHuawadaMeierundI). Mit einer Hymne auf das bayerische Bier und dem Running-Gag vom Holzbein der Ursula Lämmer-Geier bringen die vier Musiker das Publikum sofort wieder auf Betriebstemperatur. Mit ihren Liedern und Geschichten – von E-Bikes bis zu Toilettenschüsseln – sorgen der Dammerl (Thomas Hantke), der Flore (Florian Kuchler) und der Wingei (Seppe Geiger) für ständige Highscores am Applausometer. Am Ende biegen sich die Besucher nur noch vor Lachen und entlassen die Musik-Kabarettisten erst nach dem Zugabenlied vom „Duwaggl“ (Schnupftabak). Wer danach noch in Ruhe austrinken wollte, konnte sich an den volkstümlichen Stücken der Megesheimer Dorfmusikanten erfreuen, die in bewährter Weise den musikalischen Rahmen des Abends gestalteten.