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Kommunikation

22.08.2014

Die App "Yo" sagt manchmal mehr als tausend Worte

Die App "Yo" ist beliebt, hat aber auch viele Kritiker.
Bild: Wyme.de

Mit der Smartphone-App „Yo“ kann man nur ein Wort verschicken. Millionen Menschen gefällt das, aber Kritiker machen sich Sorgen. Kommunizieren wir wieder wie in der Steinzeit?

Was man nicht alles mit einem Wort mitteilen kann, wenn der Zusammenhang stimmt. Statt „Ich mag dich“, einfach: „Yo“. Statt „Ich teile deine Meinung“, einfach: „Yo“. Für viele solcher Situationen reiche ein Wort vollkommen aus – sagt Or Arbel, Erfinder der minimalistischen App „Yo“, ein Programm für Android und iOS.

Die App "Yo" war als Aprilscherz gedacht und wurde zum Erfolgsmodell

Nutzer können damit nichts anderes machen, als einander das Wort „Yo“ als Text- und als Sprachnachricht zu schicken. Das war’s. Arbel hat die App im April innerhalb von acht Stunden programmiert, sie war als Aprilscherz gedacht. Nun ist sie ein Erfolgsmodell. Investoren haben etwa 1,5 Millionen US-Dollar Risikokapital bereitgestellt, die App wurde mittlerweile von zwei Millionen Menschen heruntergeladen. Der 32-jährige Israeli Arbel hat seinen Job als Technischer Leiter einer Aktienhandelsfirma gekündigt, ein Unternehmen gegründet und sucht derzeit unter anderem via Twitter nach Personal. Zehn Mitarbeiter hat er bereits. Die App ist angeblich bis zu 10 Millionen US-Dollar wert. Aus dem Aprilscherz ist eine ernste Sache geworden. Der Erfinder preist seine Entwicklung daher an: „Die Leute denken, es ist nur eine App, die ,Yo‘ sagt, aber das stimmt gar nicht“, sagt Arbel. Schließlich mache der jeweilige Kontext klar, was gemeint sei. Viele Unternehmen nutzen das bereits. Zur Fußball-Weltmeisterschaft konnten User sich mit „Yo“ darüber informieren lassen, wann ein Tor fiel. Die Washington Post verschickt ein „Yo“ bei jedem neuen Artikel über die NSA an Nutzer, die über die App mit der Zeitung verbunden sind.

Diese Form der Kommunikation kommt zugleich nicht überall gut an. In sozialen Netzwerken und Blogs entbrannte schnell eine Diskussion über Sinn oder Unsinn der App. Im Blog „wyme.de“ heißt es, das Wort „Yo“ reiche nicht aus, um zu beschreiben, wie beschränkt diese App sei. Die Anwendung sei eine „Momentaufnahme unseres verstörten Zeitgeists“, der verzweifelt auf der Suche nach ständig neuen Hypes sei. Selbst der Homo erectus habe sich bereits zivilisierter und gewählter ausgedrückt, als es Nutzer mit der App je könnten.

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Die App hat auch viele Kritiker

Der App-Experte Markus Burgdorf kann „Yo“ ebenfalls nichts abgewinnen. Burgdorf, der mit seiner Agentur auch selbst Apps für Firmen entwickelt, hat mehr als 5000 Anwendungen getestet und online bewertet, die Ein-Wort-App hat er sich gespart. „Wofür brauche ich die?“, fragt er. Es bleibe einfach zu viel auf der Strecke, wenn man Kommunikation auf ein Wort reduziere. Den Erfolg von „Yo“ kann er sich hingegen schon erklären: Manchmal seien Ideen schlicht so blödsinnig oder ungewöhnlich, dass es einen kurzfristigen Hype darum gebe. „Für so eine App Millionen Dollar einzusammeln, ist wie ein Lottogewinn“, sagt er. Und jedes Mal, wenn jemand einen solchen Lottogewinn lande, gebe es Nachahmer.

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Skurille Apps für das iPhone
Bild: dpa

So auch dieses Mal. Schnell tauchten die Apps „Yo, Hodor“, „Yolo“ sowie „Hey“ auf. Wie lange sich die minimalistischen Anwendungen halten werden und welches Potenzial sie tatsächlich haben, wird sich erst noch zeigen müssen. „Yo“ scheint die Konkurrenz nicht zu gefallen: Ihre Macher gehen aktuell gegen andere Ein-Wort-Apps vor und beschwerten sich bei Apple, da sie ihre Rechte auf geistiges Eigentum verletzt sehen. Möglicherweise wird Apple die Klone nun aus dem App-Store nehmen – was wohl ein klares „No“ wäre.

Bald soll es möglich sein, zu einem "Yo" Links zu verschicken

Die Macher von „Yo“ wollen es in den kommenden Wochen mit einem Update möglich machen, zusätzlich zum „Yo“ Links zu verschicken – etwa zu einem Video oder einem Artikel. Dadurch könnte der ehemalige Aprilscherz zu einer Messaging-Plattform wie WhatsApp werden, nur einfacher gehalten. Und es dürfte erheblich leichter werden, schwierige Zusammenhänge hinter einem „Yo“ zu verstehen.

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