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Istanbul

15.10.2018

Erdogans Flughafen-Vorzeigeprojekt bekommt immer mehr Kratzer

Am neuen Istanbuler Flughafen wird mit Hochdruck gewerkelt. Arbeiter müssen bis zu 100 Stunden pro Woche auf der Baustelle schaffen.
Bild: Mirjam Schmitt, dpa

Der Schein trügt am Bosporus: An Erdogans Vorzeigeprojekt, dem neuen Istanbuler Airport, machen sich immer mehr Kratzer bemerkbar.

Seit Monaten kündigt die türkische Regierung stolz den bevorstehenden Start für eines der wichtigsten Prestigeprojekte des Landes an: Am Nationalfeiertag am 29. Oktober soll der neue Istanbuler Großflughafen offiziell den Betrieb aufnehmen. Präsident Recep Tayyip Erdogan persönlich will den Airport einweihen. Doch jetzt mussten die Flughafen-Betreiber einräumen, dass der reguläre Flugbetrieb erst Ende Dezember aufgenommen wird. Zugleich bestätigten sie eine schwere Panne bei den Bauarbeiten.

Airport soll der größte der Welt werden

Mehr als 20 Milliarden Dollar kostet die Errichtung des Mega-Flughafens, der im Endausbau mit einer Kapazität von rund 150 Millionen Passagieren im Jahr der größte der Welt werden soll und möglicherweise Erdogans Namen tragen wird. Landebahnen und ein riesiges Terminal haben zehntausende Arbeiter seit dem Baubeginn vor dreieinhalb Jahren im Auftrag eines Konsortiums aus regierungsnahen Baufirmen aus dem Boden gestampft. Während sich Deutschland mit den immer neuen Verzögerungen am geplanten Berliner Hauptstadtflughafen blamiere, zeige die Türkei, wie es gemacht wird – so lautet die Botschaft der Regierung in Ankara. Der neue Flughafen am Schwarzen Meer nördlich von Istanbul wird so zum Symbol von Erdogans „neuer Türkei“.

Doch der schöne Schein trügt. Erst vor kurzem brachen an der Baustelle heftige Proteste von Arbeitern aus, die gegen eine menschenunwürdige Unterbringung und gefährliche Arbeitsbedingungen demonstrierten – nach Recherchen einer Oppositionszeitung sind bei Arbeitsunfällen am Flughafen bisher mehr als 400 Menschen ums Leben gekommen. Die Regierung ließ die Proteste niederschlagen, die Justiz geht gegen Gewerkschaftsvertreter vor.

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Da die Betreiber Geld verdienen wollen und auch die Regierung auf einen baldigen Abschluss der Arbeiten dringt, herrscht ein laut Kritikern unverantwortlicher Zeitdruck. Angeblich schuften Arbeiter bis zu 100 Stunden pro Woche. Selbst der Sonntag sei als einziger arbeitsfreier Tag der Woche gestrichen worden.

Eröffnung nun nur noch „teilweise“

Trotzdem musste der ursprüngliche Plan aufgegeben werden, den Istanbuler Flugverkehr am 29. Oktober über Nacht auf den neuen Airport umzustellen, wie Flughafenchef Kadri Samsunlu nun einräumen musste. In gut zwei Wochen werde der Flughafen lediglich „teilweise eröffnet“, sagte Samsunlu. Der eigentliche Umzug des Flugverkehrs vom bisherigen Atatürk-Flughafen zum neuen Airport sei auf den 31. Dezember verschoben worden. Um den Schein zu wahren, nimmt die halbstaatliche Fluglinie Turkish Airlines zwei Tage nach der Eröffnungsfeier vom 29. Oktober einige wenige Linienflüge vom neuen Airport aus auf. Und ob es Ende des Jahres dann richtig losgehen kann, ist auch nicht völlig sicher. Aktuell gab es einen weiteren Rückschlag: Ein Regenschauer setzte Teile des Terminals unter Wasser.

Zudem sind wichtige Zufahrtswege aus Istanbul zum 35 Kilometer entfernten Airport noch im Bau, die U-Bahnverbindung soll erst im nächsten Sommer eröffnet werden. Schon frühere Aussagen der Betreiber haben sich als unhaltbar erwiesen. Im August machten in Oppositionsmedien dramatische Bilder eines riesigen Kraters nahe des Terminals die Runde. Die Baufirmen erklärten damals, das Loch sei absichtlich ausgehoben worden.

Doch nun bestätigte Flughafenchef Samsunlu, dass Arbeiten an der U-Bahn damals den Asphalt einstürzen ließen. Die Start- und Landebahnen seien jedoch sicher. Flughafengegner warnen dagegen, die Bodenverhältnisse seien instabil und potenziell gefährlich.

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