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60 Jahre Flensburg-Kartei

02.01.2018

Känguru statt Führerschein: So kurios können Verkehrsverstöße sein

Bei einem spektakulären Unfall ist am 26. Januar 2009 ein damals 23-Jähriger mit seinem Auto im Dach der Kirche von Limbach-Oberfrohna (Sachsen) gelandet.
Bild: Michael Pape, dpa

Zu schnell, zu vergesslich, zu betrunken: Am 2. Januar feiert die Verkehrssünderkartei in Flensburg 60. Geburtstag. Neun Fälle zeigen, wie kurios Verkehrsverstöße sein können.

Alkohol am Steuer, Parken im Halteverbot oder Überschreiten des Tempolimits: Für falsches Verhalten im Straßenverkehr drohen Punkte in Flensburg. Erfasst werden diese im Verkehrszentralregister (VZR) des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Die Einrichtung - im Volksmund besser bekannt als "Verkehrssünderkartei" - feiert am 2. Januar 2018 60-jähriges Jubiläum.   

Die berühmt-berüchtigten Punkte gibt es aber erst seit 1974. Seitdem landen immer wieder Punktesammler mit kuriosen Aktionen in den Schlagzeilen. Neun ungewöhnliche Fälle.

Am 4.12.2017 ging einer Polizeistreife in Duisburg ein besonders dreister Autofahrer ins Netz. Der 24-Jährige war mit einem nicht zugelassenen Ford unterwegs. Statt des amtlichen Siegels hatte der Mann einfach ein Laubblatt auf das vordere Kennzeichen geklebt. Damit nicht genug: Vor der Fahrt dröhnte sich der Fahrer mit Drogen zu, einen Führerschein besaß er auch nicht.

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Ohne Führerschein und Zulassung, dafür mit Kängurus unterwegs

Passauer Polizisten trauten am 13. Dezember 2017 ihren Augen nicht, als sie einen 31 Jährigen in der Drei-Flüsse-Stadt kontrollierten. Der Fahrer war mit zwei Kängurus unterwegs, die er in Transportboxen chauffierte. Daran hatten die Beamten nichts auszusetzen. Wohl aber daran, dass der Tierchauffeur weder einen Führerschein noch eine Zulassung für seinen Wagen vorweisen konnte. Daraufhin wurde der Mann vorläufig festgenommen, die Kängurus im Passauer Tierheim abgeliefert.

Am 4. Januar 2017 wollte ein 40-Jähriger das noch junge Jahr mit einem Schäferstündchen in einem Landshuter Bordell einläuten. Zu diesem Zweck parkte der Freier seinen Wagen im Rotlichtviertel - obwohl ein Fahrverbot gegen ihn bestand. Die Polizei kam dem Schwerenöter auf die Schliche, weil er mit roten Kennzeichen unterwegs war. Damit dürfen Autofahrer nur Probe-, Prüfungs- oder Überführungsfahrten durchführen - ein Abstecher im Rotlichtmillieu ist nicht erlaubt. Der Polizei fiel der Wagen auf, die anschließende Überprüfung überführte den Übeltäter.

Am 3. September machte ein Berliner Bekanntschaft mit deutscher Gründlichkeit. Er kassierte einen Strafzettel, weil an seinem Auto mit Kurzzeitkennzeichen keine Umweltplakette angebracht war. Der Strafzettel landete an seinem Wagen, als er gerade auf Zulassungspapiere und besagte Umweltplakette in der Zulassungsbehörde wartete. Um keine Strafe zu kassieren hätte der Hauptstädter sein Auto außerhalb der Umweltzone parken müssen.

Keinem Umweltsünder, dafür einem Führerschein-Scheuen kam die Polizei am 21. November 2017 auf die Schliche. 56 Jahre kurvte der heute 74-Jährige über die Straßen von Moosfelde bei Arnsberg. Dann ließ ihn ein simpler Auffahrunfall ohne Verletzte auffliegen. Die herbeigerufene Polizei musste feststellen, dass der Rentner keinen Führerschein besitzt. Den Beamten erklärte der Senior den Grund: Während seiner Lehrzeit fing er mit dem Führerschein an. Dann musste er zur Bundeswehr und konnte den Schein nicht beenden. Als er seinen Wehrdienst beendet hatte, entschloss er, sich ohne Fahrerlaubnis hinters Steuer zu klemmen.

Marco Reus erhielt wohl den teuersten Strafzettel Deutschlands

Marco Reus bretterte jahrelang ebenfalls ohne Lappen über Deutschlands Straßen und Autobahnen. Dem Fußball-Nationalspieler kam seine Popularität zugute. Denn eigentlich hätte sein Gasfuß-Treiben schon viel früher auffallen müssen. Insgesamt fünfmal wurde der Stürmer wegen zu hoher Geschwindigkeit geblitzt. Nach seinem Führerschein fragte keiner. Bis zum 18. März 2014.

Damals war der Kicker mit seinem Aston Martin unterwegs. Als eine Streifenwagen-Besatzung ihn kontrollierte, ergab eine Überprüfung der Daten das fehlende Dokument. Als Quittung gab es für Reus den wohl teuersten Strafzettel Deutschlands. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe über 540.000 Euro! "Ich habe meine Lehren daraus gezogen. So etwas passiert mir nie wieder", resümmierte der Profi von Borussia Dortmund nach dem Urteil.

BVB-Stürmer Marco Reus raste jahrelang ohne Führerschein mit seinen Sportwagen durch die Gegend. Am 18. März 2014 flog der Schwindel auf, Reus musste 540.000 Euro Strafe bezahlen.
Bild: Friso Gentsch, dpa

Zu hohe Geschwindigkeit wurde auch einem 27-jährigen Fahrer zum Verhängnis. Am 10. August 2017 raste er in Hamburg mit seinem Audi A5 mit 204 km/h bei erlaubten 80 km/h über die Bundesautobahn A1. An ein Anhalten des Fahrzeuges war zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken. Darum wurde in einem späteren Abschnitt eine erneute Messung durchgeführt. Dieses hatte der Fahrer 214 km/h bei erlaubten 120 km/h Höchstgeschwindigkeit auf dem Messgerät. Die Strafe fällt entsprechend hoch aus: 1200 Euro, drei Monate Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg.

Rentner ging lieber ins Gefängnis als seine Knöllchen zu bezahlen

Vom Zahlen von Strafen hielt ein Rentner im September 2011 nicht viel. Jahrelang zahlte der damals 66-Jährige aus Düren keine Bußgelder wegen Falschparkens. Mehrfach ging er lieber ins Gefängnis, als zu berappen.  Über 57 Mal bekam er dafür Knöllchen. Anfangs für 15 bis 25 Euro, dann als notorischer Falschparker über 40 Euro. Mahnungen und Vollziehungsbeamte ignorierte Günther Küpper. 14 Mal saß er lieber ein bis zwei Tage Erzwingungshaft ab, als zu zahlen. Er empfand die Unterbringung "ein wenig wie Urlaub".

Ob ein damals 23-Jähriger mit seinem Auto in den Urlaub fliegen wollte, bleibt zu bezweifeln. Sicher ist, dass er am 26. Januar 2009 mit viel zu hoher Geschwindigkeit durch das sächsische Limbach-Oberfrohna nahe Chemnitz brauste. Eine Steigung wirkte bei dem hohen Tempo als Sprungschanze. 35 Meter flog der Fahrer mit seinem Skoda durch die Luft und blieb schließlich in sieben Meter Höhe im Dach der evangelischen Stadtkirche stecken. Der spektakuläre Unfall ereignete sich direkt vor den Augen von zwei Streifenpolizisten. Der Fahrer erlitt schwere Verletzungen und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.

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