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Coronavirus

25.03.2020

Kampf gegen Corona: An diesen Mitteln forschen Wissenschaftler

Bei CureVac in Tübingen wird an einem Corona-Impfstoff geforscht.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Das Coronavirus hat die ganze Welt aus dem Gleichgewicht gebracht. Mit Hochdruck suchen Wissenschaftler weltweit nach einem Gegenmittel. Ein Überblick.

Forscher auf der ganzen Welt suchen derzeit mit Hochdruck nach einem Impfstoff, der gegen das Coronavirus immun machen soll. Oder aber nach einem Wirkstoff, der hilft, wenn man sich bereits infiziert hat. Besonders diskutiert wird in Fachkreisen derzeit der Einsatz von Remdesivir. Das Mittel war eigentlich für den Einsatz gegen das Ebolavirus entwickelt worden, hatte dabei jedoch nicht die gewünschte Wirkung gezeigt. Erste Labor- und Tierversuche lassen aber vermuten, dass es Coronaviren hemmen kann. Außerdem gibt es Berichte von positiven Anwendungen an Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten. Dabei handelt es sich bislang allerdings um Einzelfälle. Darum sind Studien nötig. Die erste ist jetzt angelaufen – unter anderem in München.

Ingmar Hoerr sagt, ab wann der Coronavirus-Impfstoff am Menschen getestet wird.
Video: Axel Hechelmann

Das Mittel wird an rund 1000 Patienten in etwa 50 Kliniken rund um die Welt erprobt, teilt Chefarzt Clemens Wendtner von der Klinik für Infektiologie am Schwabinger Krankenhaus mit. Das Medikament soll an 600 Patienten mit moderaten und an 400 mit schweren Symptomen erprobt werden. Wendtner verfügt in Deutschland über die bisher wohl längste Erfahrung mit der neuen Lungenerkrankung. Er hatte in Schwabing Ende Januar die bundesweit ersten infizierten Patienten behandelt. Die Klinik gehört neben dem Hamburger Uniklinikum Eppendorf und dem Uniklinikum Düsseldorf zu den Zentren, an denen die Wirkung des Ebolapräparates in Deutschland untersucht wird.

 

Corona-Krise: Remdesivir wird in verschiedenen Kliniken untersucht

Problematisch sei aber, dass das Medikament nirgends zugelassen ist. Die Haftung bei Anwendung der Substanz – außerhalb dieser Studie – liege sonst voll bei dem behandelnden Arzt, erläutert Wendtner. Die Regierung von Oberbayern hatte deshalb kürzlich eine Sondergenehmigung zur Einfuhr des Medikaments für einen 80-jährigen Patienten in Weilheim erlassen müssen. Nicht öffentlich bekannt ist, wie es dort gewirkt hat.

„Es gibt beim Coronavirus Labordaten, die darauf hinweisen, dass Remdesivir sehr gut wirkt“, sagt Wendtner. Sollte die Studie Erfolge bringen, könnte das Mittel bis frühestens Ende 2020 auf den Markt kommen, meint der Mediziner.

Auch das inzwischen recht bekannt gewordene Tübinger Biotec-Unternehmen CureVac ist möglicherweise dicht vor einem Durchbruch. Es handelt sich um jene Firma, die US-Präsident Trump dazu bringen wollte, exklusiv für den amerikanischen Markt zu forschen – letztlich vergebens.

Nach Angaben des Tübinger Unternehmens CureVac gab es kein Angebot von Donald Trump.
Bild: Sebastian Gollnow/dpa

CureVac will im Sommer mit der Erprobung an Menschen beginnen

In präklinischen Tests habe CureVac inzwischen „erfolgversprechendste Impfstoffkandidaten“ entwickelt, erläutert Franz-Werner Haas, Vorstandschef von CureVac. „Daher sind wir optimistisch, im Frühsommer die klinischen Phase-1-Studien an gesunden Menschen beginnen zu können, um zu testen, ob unser Impfstoff sicher sowie gut verträglich ist und Menschen vor dem Virus schützt.“ Phase 1 bedeutet die Erprobung an bis zu 100 Menschen, Phase 2 an wenigen 100 Menschen und Phase 3 an vielen tausend Menschen.

Ingmar Hoerr erzählt, wie sein Unternehmen am Impfstoff gegen das Coronavirus arbeitet.
Video: Axel Hechelmann

Am weitesten fortgeschritten auf der Welt sind derzeit zwei weitere Forschungsprojekte, eines in den USA und eines in China. So hat das US-Unternehmen Moderna, ein direkter Konkurrent von CureVac, die klinische Phase-1-Studie für einen Impfstoff an 45 freiwilligen gesunden Probanden in Seattle gestartet. Nun wird geschaut, ob diese Menschen Antikörper entwickeln. Experten zufolge wird es aber zwölf bis 18 Monate dauern, bis man exakt bewerten könne, ob das Mittel dann als Impfstoff verwendet werden kann. Ebenfalls zugelassen für die klinische Phase 1 ist ein Mittel des chinesischen Unternehmens CanSinoBIO. Ergebnisse stehen aber auch dort noch aus.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus informieren wir Sie in unserem Live-Blog.

Lesen Sie zu diesem Thema auch:

Wie verändert sich die Arbeit von Journalisten in Zeiten des Coronavirus? In einer neuen Folge unseres Podcasts geben wir einen Einblick.

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