Newsticker

Rekord bei Corona-Zahlen: 14.714 Neuinfektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Panorama
  3. Kölner Sängerin Hozan Cane nach mehr als zwei Jahren Haft in Türkei frei

Justiz

01.10.2020

Kölner Sängerin Hozan Cane nach mehr als zwei Jahren Haft in Türkei frei

Die deutsch-kurdische Sängerin Hozan Cane ist nach mehr als zwei Jahren Haft in Türkei frei.
Bild: Management, dpa

Nach zwei Jahren Gefängnis in der Türkei kommt die Kölner Sängerin Hozan Cane frei. Ihre ebenfalls dort angeklagte Tochter darf das Land aber nach wie vor nicht verlassen.

Nach mehr als zwei Jahren Haft in der Türkei ist die Kölner Sängerin mit dem Künstlernamen Hozan Cane frei. Ihre Mandantin habe das Frauengefängnis im Istanbuler Stadtteil Bakirköy in der Nacht zum Donnerstag verlassen, sagte die Anwältin Newroz Akalan der Deutschen Presse-Agentur. Ein Gericht habe zuvor dem Einspruch der Verteidigung, dass die lange Haftzeit unverhältnismäßig sei, stattgegeben und die Freilassung Canes angeordnet. Es sei allerdings eine Ausreisesperre verhängt worden, sagte Akalan.

Canes Tochter, Gönül Örs, die in der Türkei ebenfalls wegen Terrorvorwürfen angeklagt ist, zeigte sich erleichtert über die Freilassung ihrer Mutter. Sie sei schon im Bett gewesen, als die Anwältin sie informiert habe, erzählte Örs. "Ich bin mit meinem Pyjama ins Taxi und habe sie abgeholt."

Hozan Cane wurde im Juni 2018 festgenommen

Der Prozess gegen Örs wurde am Donnerstag in Istanbul fortgesetzt. Das Gericht entschied, dass die Ausreisesperre und die Pflicht, sich einmal wöchentlich bei der Polizei zu melden, bestehen bleibe. Örs' Anwältin Ayse Celik kündigte an, sie wolle die Entscheidung anfechten und kritisierte, dass der Vorsitzende Richter ausgetauscht worden sei. "Ich denke nicht, dass er sich die Akte angesehen hat", sagte sie nach dem Gerichtstermin vor Journalisten. Er habe seine Entscheidung zu schnell getroffen "und uns noch nicht mal ins Gesicht gesehen". Auch Örs äußerte sich enttäuscht. Sie habe gehofft, dass die Entlassung ihrer Mutter ein gutes Zeichen sei.

Die Sängerin Hozan Cane war kurz vor den Präsidenten- und Parlamentswahlen im Juni 2018 in Edirne festgenommen worden. Im November desselben Jahres wurde sie zu sechs Jahren und drei Monaten Haft wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation verurteilt. Im August 2020 wurde das Verfahren neu aufgerollt, nachdem das höchste Berufungsgericht das Urteil nicht bestätigt hatte.

Es gebe keine klaren Beweise für die unterstellte Mitgliedschaft in der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, hieß es zur Begründung. Die Anklage hatte sich unter anderem auf Inhalte von Facebook- und Twitter-Profilen gestützt. Der Fall hatte die deutsch-türkischen Beziehungen belastet.

Der menschenrechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Frank Schwabe, der das Verfahren gegen Cane beobachtet, sagte der dpa: "Hozan Cane war zu Unrecht im Gefängnis. Sie ist eine Sängerin, die sich mit ihrer Kunst politisch engagiert hat. Das ist aber kein Verbrechen."

Cane besitzt allein die deutsche Staatsbürgerschaft

Beim vergangenen Verhandlungstag im August hatte das Gericht im westtürkischen Edirne die Freilassung der Sängerin noch abgelehnt. Die Sängerin hatte angegeben, dass sie unter schwerem Asthma und Bluthochdruck leide und sich ihr gesundheitlicher Zustand in der Haft verschlechtert habe. Örs sagte, ihrer Mutter gehe es nach wie vor gesundheitlich nicht gut. Sie versuche, für sie stark zu sein, ihr selbst ginge aber langsam die Kraft aus.

Cane hat kurdische Wurzeln und besitzt allein die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihr Prozess wird am 20. Oktober fortgesetzt. Ihrer Tochter Örs wird der Anklageschrift zufolge Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, Freiheitsberaubung unter Gewaltanwendung oder Täuschung und "Entführung oder Beschlagnahmung" von Beförderungsmitteln vorgeworfen.

Hintergrund der Anklage gegen Örs war eine Protestaktion im Jahr 2012 auf einem Schiff in Köln. In Deutschland wurden nach Angaben ihrer Anwältin Ermittlungen gegen Örs in diesem Fall eingestellt. Im Juni war ein Hausarrest gegen die Kölnerin aufgehoben worden, sie darf das Land aber noch immer nicht verlassen. Der Prozess gegen Örs wird am 21. Januar fortgesetzt. Dann wird ein Urteil erwartet. (dpa)

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

 

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren