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Mallorca

16.01.2020

Skandal um missbrauchte Heimkinder erschüttert Mallorca

Auf der Ferieninsel Mallorca sollen in den vergangenen Jahren zahlreiche Heimkinder sexuell missbraucht und zur Prostitution gezwungen worden sein.
Bild: Clara Margais, dpa (Symbol)

Wurden zahlreiche Heimkinder auf Mallorca jahrelang zum Sex gezwungen und zur Prostitution verleitet? Sozialarbeiter machen den Behörden schwere Vorwürfe.

Drogen, kleine Geschenke, Geld: So werden auf Mallorca offenbar viele Heimkinder gefügig gemacht, um Pädophilen sexuell zu Diensten zu sein. „Wenn ein Mädchen eine Nacht wegbleibt und am nächsten Tag mit Markenkleidung, neuen Schuhen oder 20 Euro wiederkommt, dann wissen wir, was passiert ist“, sagte ein Sozialarbeiter. In den insgesamt 30 Kinder- und Jugendheimen, die eigentlich rund 360 Minderjährigen Schutz bieten sollten, gebe es „keinerlei Kontrolle“, zitierte ihn die Inselzeitung Diario de Mallorca.

Es sind schockierende Aussagen über einen Missbrauchsskandal, der gerade nicht nur die Ferieninsel Mallorca, sondern ganz Spanien erschüttert. Und der mit heftiger Kritik an den Behörden einhergeht. „Seit mehr als drei Jahren zeigen wir diese Zustände an. Aber das IMAS hat keine Maßnahmen ergriffen“, erklärten Sozialarbeiter. Das IMAS ist das Institut für soziale Angelegenheiten von Mallorca, jene Behörde, die die Aufsicht über die Heime hat. Erst am Dienstag – nach Anzeigen und Medienberichten – räumte sie ein, Kenntnis von mehreren Fällen zu haben. 15 Mädchen und ein Junge seien ihren Erkenntnissen zufolge zur Prostitution verleitet worden, sagte ein Sprecher.

Sexueller Missbrauch: Sozialarbeiter werfen Behörden auf Mallorca Untätigkeit vor

Der Skandal flog auf, nachdem eine 13-Jährige berichtet hatte, dass sie an Heiligabend von Jugendlichen vergewaltigt worden sei. Sie erstattete Anzeige. Die Ermittlungen brachten dann zum Vorschein, dass das Heimkind bereits mehrmals von Übergriffen erzählte, ohne dass dies Konsequenzen hatte. Die 13-Jährige sagte bei der Polizei auch aus, sie habe vor der Vergewaltigung Angebote erhalten, sich zu prostituieren. Bisher wurden im Zusammenhang mit ihrer Anzeige sieben Jugendliche und ein Erwachsener festgenommen.

Skandal um missbrauchte Heimkinder erschüttert Mallorca

Der Fall der 13-Jährigen soll kein Einzelfall sein. Sozialarbeiter berichteten davon, dass es „nicht um einige Dutzend Opfer“, sondern um viele mehr gehe. In manchen Heimen würden fast alle minderjährigen Heimbewohnerinnen zur Prostitution verleitet. Betroffen seien vorwiegend 13- bis 17-Jährige. Sie alle haben keine Eltern mehr oder stammen aus schwierigen Verhältnissen – und seien daher für Ausbeutung und Manipulation anfällig. Häufig betätigten sich andere minderjährige Mitbewohner als „Kuppler“, um an kleine Geldbeträge oder an Drogen zu kommen, hieß es. Aber auch Erwachsene sollen nicht nur als Kunden, sondern auch als Organisatoren in den Skandal verwickelt sein, den die Zeitung Diario de Mallorca aufdeckte.

Mädchen auf Mallorca wurden wohl zur Prostitution gezwungen

Demnach gibt es in der Inselhauptstadt Palma mehrere illegale Bordelle und einschlägige Bars, in denen die Sexdienste der Heimkinder angeboten werden. Auch am sogenannten Ballermann, der Playa de Palma, wo vor allem deutsche Touristen gerne Urlaub machen, wurden in den vergangenen Jahren immer wieder minderjährige Prostituierte aufgegriffen. Zudem gilt die Umgebung rund um den unterirdischen Bahnhof der Stadt als Treffpunkt der minderjährigen Prostituierten mit ihren Kunden.

Nach einer Studie des staatlichen Instituts für Gerichtsmedizin und Sicherheit von 2019 hat nur die Nordafrika-Exklave Melilla bei sexuellem Missbrauch in Spanien eine höhere Quote als die Balearen. Ob ein organisierter Verbrecherring hinter dem Missbrauchsskandal auf Mallorca steckt, ist noch nicht bekannt. Dass Mädchen nicht nur zur Prostitution verführt, sondern dazu auch unter Androhung von Gewalt gezwungen wurden, gilt als wahrscheinlich.

Bereits vor einigen Jahren war durch einen Korruptionsskandal auf Mallorca herausgekommen, dass Politiker, Polizisten und Behördenmitarbeiter mit Sexpartys und Geld bestochen wurden, um illegale Geschäfte im mallorquinischen Nachtleben zu tolerieren. (mit dpa)

Lesen Sie dazu auch: Gibt es sie immer häufiger? Sexualstraftaten im Faktencheck

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