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18.11.2017

Von Morden im hohen Norden: Schwedenkrimis sind beliebt

Nils Wendt (Dag Malmberg) kehrt auf die Insel Nordkoster zurück, um Hinweise zum Mord an seiner Freundin zu finden.
Bild: Niklas Maupoix

Kürzlich ist mit „Springflut“ wieder ein Schweden-Krimi bei uns angelaufen. Dass die düsteren Filme so beliebt sind, hat mit einem deutschen Produzenten zu tun.

Eigentlich fallen einem zu Schweden Begriffe ein wie: romantische Seen, Ikea, Volvo, ABBA natürlich, und vielleicht noch das Königshaus. Als Mängel des Alltagslebens im Norden stellt man sich hierzulande höchstens die erschwerte Alkoholabgabe vor. Und so meinen viele in Deutschland, dass in Schweden noch die heile Welt zu Hause ist. Wäre da nicht eine Fernsehgattung, die zeigt, dass hoch im Norden hinter den bunthölzernen Häuserfassaden nicht nur eitel Sonnenschein herrscht: Die Rede ist vom Schweden-Krimi.

Ungesehene Qualität und Dichte

Der Fernsehproduzent Peter Nadermann, Geschäftsführer der Nadcon Film, ist mitverantwortlich dafür, dass diese Filmstoffe nach Deutschland importiert werden. „Mit unserem ersten großen Projekt, ,Kommissarin Lund‘, haben wir schon vor Jahren skandinavische Krimi-Unterhaltung nach Deutschland gebracht“, erzählt er. Das habe damals eine bisher ungesehene Qualität und Dichte gehabt und eine ganz eigene Handschrift.

Der 59-jährige Nadermann räumt gleichwohl ein, dass sein persönlicher Ehrgeiz ebenfalls eine Rolle dabei gespielt hat. Denn: „Solche Programme wollte ich auch in Deutschland sehen können.“ Der Schweden-Krimi habe nämlich einen großen Wiedererkennungswert. Darum gebe es inzwischen eine sehr treue Fangemeinde. Der große Skandinavien-Hype hob an, als der schwedische Theatermacher und Alt-Achtundsechziger Henning Mankell 1991 seinen ersten Roman um den ebenso vergrämten wie empfindsamen, mit den modernen Zeiten hadernden Kommissar Kurt Wallander vorlegte. Zwei Jahre später wurde das Buch ins Deutsche übersetzt – unter dem Titel „Mörder ohne Gesicht“. Peter Nadermann entdeckte den Stoff fürs deutsche Fernsehen.

Einblick in die schwedische Seele

Zuschauer schätzen nach Ansicht des schwedischen Schriftsteller-Paares Cilla und Rolf Börjlind insbesondere die Authentizität der geschilderten Fälle bei Schweden-Krimis: „Ingmar Bergman hat der Welt gezeigt, wie es in der schwedischen Seele wirklich aussieht, die Krimi-Autoren zeigen, wie es um die schwedische Gesellschaft steht. Mit allem, was dazu gehört“, sagt Cilla Börjlind. Schweden-Krimis würden eine andere Seite als die „nationalromantische“ zeigen. Außerdem hätten nordische Kriminalfilme, auch im internationalen Vergleich, oft ein sehr hohes Niveau. Die beiden Autoren entwickelten auch die Drehbücher zur fünfteiligen Krimireihe „Springflut“, die auf ihrem gleichnamigen Roman basieren.

„Springflut“ läuft seit vergangenem Sonntag im ZDF. Darin wird die 25-jährige Olivia Rönning (Julia Ragnarsson) an der Polizeihochschule in Stockholm mit einem ungelösten Mordfall konfrontiert. Am Ufer der schwedischen Insel Nordkoster musste eine schwangere Frau grausam sterben. Im Sand eingegraben, dann kam die Flut… Einer der Produzenten: Peter Nadermann.

Besonders gewaltdarstellend?

Vorwürfe von Kritikern, dass manche der Produktionen durch die Schilderung brutalster Gewaltakte auffallen würden, kann Cilla Börjlind nicht nachvollziehen: „Ich erlebe schwedische Krimis nicht heftiger als andere Filme des Genres. Die Gewalt spiegelt die Gewalt in der Gesellschaft wider.“ Dabei findet sie, dass zu brutale Szenen das Erleben dessen, was man eigentlich erzählen wolle, eher blockierten.

Auch die Vorwürfe, dass sich die Themen im hohen Norden immer mehr verschleißen, kann ihr Mann Rolf nur bedingt nachvollziehen: „Es stimmt aber womöglich, dass nordische Krimiserien sich darauf konzentrieren, die dunkle Seite der Gesellschaft zu zeigen – vielleicht wird das dann empfunden, als würde ein und dasselbe Muster ständig wiederholt“, sagt er.

Und warum kommen Schweden-Krimis wie „Springflut“ meist erst ab 22 Uhr? Das weiß Produzent Nadermann: Der späte Sonntagabend sei beim ZDF das Zuhause von internationalen Krimis. Hier liefen schon „Kommissarin Lund“, „Die Brücke – Transit in den Tod“ oder „Modus – Der Mörder in uns“.

Mitarbeit: Elna Lindgens; Übersetzung aus dem Schwedischen

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