Newsticker
Ukraine meldet schwere russische Raketenangriffe im Osten
  1. Startseite
  2. Panorama
  3. Was sind ABC-Waffen? Erklärung, Gefahren, Unterschiede

Krieg
24.04.2022

Was sind ABC-Waffen? Erklärung, Gefahren, Unterschiede

Nach der Test-Explosion einer französischen Atombombe 1971 schwebt dieser riesige Atompilz über dem Mururoa-Atoll.
Foto: dpa (Symbolbild)

Im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine wird öfters von ABC-Waffen gesprochen. Was sind ABC-Waffen, was macht sie so gefährlich, und welche Unterschiede gibt es?

Seit Russlands Invasion in der Ukraine wird vermehrt über den Einsatz sogenannter ABC-Waffen gesprochen. So wirft etwa die russische Führung

den USA vor, einen russischen Einsatz von ABC-Waffen inszenieren zu wollen, um dann Moskau dafür verantwortlich machen zu wollen. Doch was genau sind ABC-Waffen überhaupt?

ABC-Waffen werden auch als "Massenvernichtungswaffen" bezeichnet. Es handelt sich um bestimmte militärische Waffen oder Kampfstoffe. Ihr Einsatz kann Hunderte, Tausende oder sogar Hunderttausende von Menschen in kurzer Zeit töten.

ABC-Waffen: Wofür steht die Abkürzung?

Die ersten drei Buchstaben des Alphabets stehen für unterschiedliche Waffenarten. Das "A" steht für Atomwaffen. Das "B" steht für biologische Waffen. Das "C" steht für chemische Waffen.

ABC-Waffen: Atomwaffen

Atomwaffen beruhen auf Kernspaltung oder Kernverschmelzung von radioaktiven Materialien. Dabei wird enorme Energie freigesetzt: in Form von Hitze, Druck und Strahlung. Die Atombombe ist die stärkste und gefährlichste Waffe, die jemals entwickelt wurde.

1945 warfen die USA sie über den japanischen Großstädten Hiroshima und Nagasaki ab. Seitdem hat niemand mehr gewagt, Atombomben einzusetzen.

Lesen Sie dazu auch

ABC-Waffen: Biologische Waffen

Biologische Waffen sind Stoffe, die mit natürlichen Stoffen wirken. Hierbei werden etwa Krankheitserreger wie Bakterien und Viren oder natürliche Gifte eingesetzt. Sie können von Flugzeugen oder Raketen aus versprüht werden. Die Menschen, die damit in Berührung kommen, erkranken an Seuchen wie Pest, Cholera, Typhus oder Milzbrand. Derzeit sind rund 200 Erreger bekannt, die als Biowaffen benutzt werden können.

Der Entwicklungsaufwand ist im Vergleich zu Atomwaffen relativ gering, Biowaffen werden aus diesem Grund auch manchmal als die „Atombombe des kleinen Mannes“ bezeichnet.

ABC-Waffen: Chemische Waffen

Chemische Waffen sind Granaten, Raketen oder Flugzeuge, die mit chemischen Mitteln ausgerüstet werden. Das sind zum Beispiel Nervengase, die versprüht werden und viele Menschen töten oder lebensgefährlich verletzen. Die chemischen Kampfstoffe haben eine erstickende, lähmende oder giftige Wirkung. So gibt es Haut-, Lungen-, Nerven- und Blutschädigende Gifte.

Die ersten Chemiewaffen wurden 1915 während des Ersten Weltkriegs eingesetzt und bestanden aus den giftigen Gasen, die aus der chemischen Industrie schon bekannt waren, etwa Chlor oder Phosgen. Später synthetisierte man extra für die Kriegsführung neue chemische Kampfstoffe.

Sind ABC-Waffen verboten?

Bereits der Einsatz chemischer Waffen vor über hundert Jahren, im Ersten Weltkrieg, sorgte für internationale Diskussionen über den Umgang mit solchen Kampfstoffen. 36 Staaten unterzeichneten am 17. Juni 1925 in der Schweiz das Genfer Protokoll über das "Verbot der Verwendung von erstickenden, giftigen oder anderen Gasen sowie von bakteriologischen Mitteln im Kriege". Es verbietet den Einsatz chemischer und biologischer Waffen im Krieg. Aber: Die Waffen zu entwickeln, herzustellen und zu besitzen, ist ebenso erlaubt wie der Einsatz zu Vergeltungszwecken.

Das Protokoll gilt bis heute – hat jedoch Lücken, die erst Jahrzehnte später geschlossen wurden. Die Biowaffenkonvention trat 1975 in Kraft und wurde bis heute von 171 Staaten unterzeichnet. Sie verbietet nicht nur den Einsatz von Biowaffen, sondern auch deren Herstellung, Lagerung, Besitz und Verkauf. Das Verbot von chemischen Waffen kam nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes. Die Chemiewaffenkonvention wurde 1993 von 190 Staaten unterzeichnet und trat 1997 in Kraft.

Wie viele Atomwaffen gibt es?

Auch wenn selbst die Testung einer Atomwaffe vertraglich gesperrt ist, hat das atomare Rüsten auf der Welt seit den verheerenden Atombomben vor knapp 80 Jahren nicht abgenommen. Knapp 13.400 Atomwaffen gibt es weltweit, mehr als 90 Prozent sind im Besitz der beiden militärischen Supermächte USA und Russland mit jeweils rund 6.000 Atomsprengköpfen. Grund dafür ist das jahrzehntelange Wettrüsten während des Kalten Krieges. Etwa 150 US-Atomwaffen befinden sich in Europa, auch in Deutschland.

Als Atommächte gelten neun Länder weltweit:

  • USA
  • Russland
  • Frankreich
  • Großbritannien
  • China
  • Indien
  • Pakistan
  • Israel
  • Nordkorea
Video: dpa

Wie schützt man sich vor ABC-Waffen?

Zum Schutz vor Angriffen mit atomaren, biologischen oder chemischen Kampfstoffen gibt es etwa sogenannte ABC-Masken. Diese Atemschutzmasken bedecken das ganze Gesicht und schützen vor luftgängigen Stoffen wie Giftgase oder Krankheitserreger. Außerdem zählen Bunkeranlagen und Luftschutzräume zur ABC-Abwehr.

In Deutschland sind die Bundeswehr und das Bundesinnenministerium für den ABC-Schutz zuständig. Meistens wird dafür auf die Spezialeinheiten der Feuerwehr und Sicherheitsbehörden zurückgegriffen.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.