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Österreich

13.12.2013

27-jähriger Sebastian Kurz: Vom "Geil-O-Mobil" zu Österreichs Außenminister

Wegen seines Alters wird Sebastian Kurz im Parlament auch "der Abiturient" genannt.
Foto: Dieter Nagl

Österreich stellt mit dem 27-jährigen Sebastian Kurz den jüngsten Außenminister innerhalb der EU. Der junge Politiker machte einst mit anstößigen Kampagnen auf sich aufmerksam.

Das Gesicht Österreichs im Ausland ist künftig ein 27-Jähriger aus Wien. Sebastian Kurz, bisher Integrationsstaatssekretär, ist der jüngste Außenminister, den Österreich je hatte.

Der einst belächelte Jungspund der konservativen ÖVP ist nun parteiintern der neue Hoffnungsträger der Volkspartei. Wie Sebastian Kurz das gewichtige Amt schultern wird, bleibt abzuwarten. In diplomatischen Kreisen in Wien nennt man ihn wegen seines Alters auch den "Abiturienten". Im Parlament sitzt er erst seit wenigen Wochen.

Sebastian Kurz bekommt mehr Erststimmen als die Parteichefs

Bei der Wahl Ende September bekam er dennoch mehr Erststimmen als die Parteichefs. Sebastian Kurz wirkt in Interviews souverän, spricht druckreif, ist nach außen stets freundlich und auf Twitter und Facebook aktiv. Auf Society-Veranstaltungen ist der 27-Jährige ein gern gesehener Gast, achtet auf gute Manieren und perfekte Kleidung. Seine nach hinten gegelten Haare wurden zu seinem Markenzeichen.

Sein Alter und jugendliches Auftreten könnte ihm auf dem internationalen Parkett aber auch Probleme bereiten. Unter den aktuellen Außenministern der EU-Staaten ist er der Jüngste. Kritiker meinen, Kurz sei noch nicht reif genug, Österreich in der Welt zu repräsentieren. Seine Fremdsprachenkenntnisse sind begrenzt: Sein Englisch sei gut, sein Französisch eher eingerostet, sagt sein Sprecher.

Kurz international ein Risiko für Österreich?

Politikberater Thomas Hofer sieht in der Bestellung von Kurz kein Risiko für Österreich. "Das Positive ist, dass die österreichische Außenpolitik ohnehin nicht dominant aufgestellt war", so Hofer. Vizekanzler Michael Spindelegger, der bisher das Amt vertrat, habe keine allzu große Fallhöhe hinterlassen.

Sebastian Kurz ist Sohn einer Lehrerin und eines Technikers. Nach dem Abitur 2004 war er beim Militär. Noch während seines Jura-Studiums, das immer noch ohne Abschluss auf Eis liegt, wurde er Chef der Jungen ÖVP. Dabei sorgte er vor allem mit seiner "Geil-O-Mobil"-Kampagne für unvergessene Aufregung. Er kämpfte 2010 in Wien mit dem Slogan "Schwarz macht geil" um Wählerstimmen und verteilte dabei Kondome.

Sebastian Kurz mit 24 Integrationsstaatssekretär

Mit nur 24 Jahren gelang Kurz sein bislang größter Karrieresprung: Begleitet von hämischen Kommentaren wurde er zum Integrationsstaatssekretär ernannt. Damit wurde er zum jüngsten Regierungsmitglied der Geschichte. Viele Skeptiker konnte er bald überzeugen. Granden aus seinen eigenen Reihen, denen seine Bestellung anfänglich missfiel, fördern Kurz in der Zwischenzeit.

Er versachlichte die in Österreich oft sehr harsche und von der rechten FPÖ diktierte Ausländerdebatte, so der einhellige Tenor. Kurz propagierte das Motto: "Integration durch Leistung". Seit einer Reform des Staatsbürgerschaftsrechts können gut integrierte Ausländer künftig schneller die österreichische Staatsbürgerschaft erlangen.

Kurz spannt heimische Prominente mit Migrationshintergrund ein

Für seine Ziele spannte er auch heimische Prominente mit Migrationshintergrund ein, die Schulen besuchen und dort ihre Erfolgsgeschichten erzählen. Vorgeworfen wird ihm allerdings, dass er allzu schwierige Themen lieber nicht anpackt. Bei Familienabschiebungen oder strittigen Asylbescheiden hält er sich zurück und verweist auf das Innenministerium.

Als Berufspolitiker will Kurz jedenfalls nicht alt werden. In Interviews sagte er bereits, dass er sich in zehn Jahren nicht mehr im Parlament sehe. Es gebe noch viele andere schöne Dinge im Leben. dpa/ AZ

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