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Brüssel
23.03.2016

Ablauf, Opfer, Täter: Was über die Anschläge von Brüssel bekannt ist

Bilder des TV-Senders RTL TVI direkt nach dem Anschlag am Flughafen in Brüssel.
Foto: Stringer/RTL TVI, afp

Brüssel unter Schock: Bei einer Terrorserie in der belgischen Hauptstadt werden am Dienstag mehr als 30 Menschen getötet. Der IS hat sich zu den Anschlägen bekannt. Die Fakten.

Wieder hat ein Terroranschlag Europa getroffen. Wenige Monate nach den Attentaten von Paris sterben in Brüssel erneut Dutzende Menschen. Was bislang über die Hintergründe bekannt ist:

Die Anschläge

Kurz nach 8 Uhr fallen in der Abflughalle des Flughafens Brüssel-Zaventem zunächst Schüsse, dann ereignen sich zwei Explosionen. Augenzeugen berichteten, am Counter der US-Airline American Airlines habe ein Mann eine Bombe gezündet. Die Wucht der Explosion sprengt hunderte von Fensterscheiben, Teile der Deckenkonstruktion stürzen herunter.

Nach Paris jetzt Brüssel: Terroristen haben Sprengsätze am Flughafen und in der U-Bahn der EU-Hauptstadt gezündet. Es gibt zahlreiche Tote und Verletzte.
24 Bilder
Terroranschlägen erschüttern Brüssel
Foto: Stringer

Um 9.11 Uhr gibt es in der Metro-Station Maelbeek im EU-Viertel einen weiteren Anschlag. In einer stehenden U-Bahn detoniert in einem der mittleren Wagen eine Bombe.

Der öffentliche Nahverkehr in der belgischen Hauptstadt kommt nach den Anschlägen komplett zum Erliegen. Alle U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse stehen still, der Flughafen wird gesperrt. Es gilt die höchste Terrorwarnstufe. Das belgische Krisenzentrum appelliert an alle: "Bleiben Sie, wo Sie sind."

Am Nachmittag entschärfen Spezialisten am Flughafen einen dritten Sprengsatz, der nicht explodiert ist.

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Die Opfer

Abschließende Zahlen gibt es am Dienstag nicht. Die Behörden gehen von über 30 Toten und etwa 230 Verletzten aus. Ob Deutsche unter den Opfern sind, ist nicht bekannt.

Die Täter

Am Dienstagnachmittag bekennt sich der IS in einer Stellungnahme zu den Angriffen. "Soldaten des Kalifats" hätten mit den Anschlägen auf den Brüsseler Flughafen Zaventem und eine U-Bahnstation "den Kreuzfahrerstaat Belgien" angegriffen, heißt es in der im Internet veröffentlichten Erklärung.

Übersicht zu den Terroranschlägen in Brüssel.
Foto: Dpa-infografik Gmbh

Zuvor nennt bereits die IS-nahe Nachrichtenagentur Aamak Details zu den Anschlägen. Demnach hätten IS-Kämpfer zunächst am Flughafen Zaventem das Feuer eröffnet, "bevor mehrere von ihnen ihre Sprengstoffgürtel zündeten". Ein weiterer Selbstmordattentäter habe in der U-Bahnstation Maelbeek in die Luft gesprengt. Als Grund für die Anschläge wird die Beteiligung Belgiens an der internationalen Koalition gegen den IS genannt.

Zwei der Flughafen-Attentäter gelten mittlerweile als identifiziert. Wie der Sender RTBF am Mittwoch unter Berufung auf Polizeiquellen meldete, wurden die Brüder Khalid und Brahim El Bakraoui als Täter identifiziert. Sie sollen etliche Menschen mit in den Tod gerissen haben. Noch ist allerdings unklar, ob beide am Flughafen waren, oder für die Anschläge am Airport und in der Metro verantwortlich waren.

Khalid El Bakraoui hatte demnach unter falscher Identität auch eine Wohnung im Brüsseler Stadtteil Forest angemietet, wo es bereits am Dienstag vergangener Woche bei einer Hausdurchsuchung zu einer Schießerei mit der Polizei kam. Ein mutmaßlicher Terrorist kam dabei ums Leben, zwei Verdächtige flüchteten. Die beiden identifizierten Brüder waren der Polizei laut RTBF bereits als Schwerkriminelle bekannt, standen bisher jedoch nicht unter Terrorverdacht.

Zuvor hatte die Zeitung "La Dernière Heure" die beiden Brüder mit dem am Freitag nach der Hausdurchsuchung festgenommenen Salah Abdeslam in Verbindung gebracht. Abdeslam wird eine Beteiligung an den Pariser Anschlägen vom 13. November mit 130 Toten vorgeworfen.

Der noch flüchtige Terrorverdächtige vom Brüsseler Flughafen könnte nach belgischen Medienangaben einer der Drahtzieher der Attentate in Paris mit 130 Toten vom 13. November sein. Bei dem gesuchten Verdächtigen, den eine Überwachungskamera am Brüsseler Flughafen aufnahm, könnte es sich nach Angaben des Radiosenders RTBF um den 24 Jahre alten Dschihadisten Najim Laachraoui handeln, wie die Nachrichtenagentur Belga am Mittwoch meldete.

Die Fahndung

Direkt nach den Anschlägen laufen die Ermittlungen an. An mehreren Orten in Belgien finden Razzien statt. Bei Hausdurchsuchungen in Brüssel finden Fahnder eine Flagge des IS, einen Sprengsatz mit Nägeln und chemische Substanzen.

Am Nachmittag veröffentlichen die belgischen Behörden dann ein Bild einer Überwachungskamera, das die drei mutmaßlichen Verdächtigen am Flughafen zeigt. Bei den Männern links und in der Mitte auf dem Bild soll es sich um die beiden Brüder handeln. Sie sprengten sich in die Luft und rissen Mneschen mit in den Tod. Der dritte Mann (helle Jacke, rechts) wird zur Fahndung ausgeschrieben. Sein Sprengsatz zündete nicht.

Nach den Bombenanschlägen in Brüssel haben die belgischen Behörden ein Bild einer Überwachungskamera von mutmaßlichen Verdächtigen am Flughafen der Stadt veröffentlicht.
Foto: Belgian Federal Police, afp

Die mutmaßlichen Terroristen sollen die Bomben in ihrem Gepäck in die Abflughalle gebracht haben. "Sie kamen per Taxi mit ihren Koffern, darin waren die Bomben versteckt", sagt der Bürgermeister der Gemeinde Zaventem, Francis Vermeiren, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Sie hätten die Taschen dann auf Gepäckwagen gelegt und seien in das Flughafengebäude gegangen. "Die ersten beiden Bomben explodierten", so Vermeiren. Der dritte Täter habe seinen Sprengsatz nicht zur Detonation gebracht. "Er muss in Panik geraten sein", fügte der Bürgermeister hinzu.

Darüber hinaus werden auch Verbindungen zu den Terroristen von Paris um Salah Abdeslam geprüft. Zwei seiner Komplizen, Najim Laachraoui (24) und Mohamed Abrini (31), werden namentlich gesucht. Erst am Freitag war Abdeslam im Problem-Stadtteil Molenbeek gefasst worden. Experten sehen in den Anschlägen eine Racheaktion für die Festnahme. drs

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