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Allgäu

20.02.2021

Er baute die "geilste Skisprungarena der Welt"

Hans-Martin Renn ist ein weltweit gefragter Schanzenbauer.
Bild: Ralf Lienert

Plus Der Allgäuer Hans-Martin Renn gilt als erfolgreichster Sprungschanzen-Planer der Welt. Was seine Arbeit erschwert.

Nein, selbst gesprungen, sagt Hans-Martin Renn, sei er noch nie. „Und ich werde es ganz bestimmt auch nicht nachholen“, meint der 54-Jährige. Dabei bestimmen Skisprungschanzen den Alltag in seinem Architektenbüro in Fischen im Oberallgäu. Nur knapp sechs Kilometer sind es von hier in Richtung Süden noch bis zum Wintersportort Oberstdorf. Dort hat im Jahr 2003 alles angefangen. Bis zu diesem Zeitpunkt beschäftigten sich Renn und seine Mitarbeiter mit scheinbar ganz normalen Dingen. Mit der Planung von Wohn- und Geschäftshäusern zum Beispiel. Für die meisten seiner Kollegen ist das auch heute noch das Kerngeschäft. Renn hingegen sagt: „Mittlerweile machen die Planungen von Schanzen 65 bis 70 Prozent unseres Auftragsvolumens aus.“

Renn baut auch Schanzen für Olympia in Peking

Vor 18 Jahren fand der erste Umbau der Schattenbergschanze in Oberstdorf statt. Zwei Jahre vor der Nordischen Ski-WM 2005 sollte die Sportstätte den damaligen Anforderungen angepasst werden. Renn wagte den Quereinstieg und erhielt den Zuschlag. Vor allem das Stadion wurde damals grundlegend erneuert. „So sind wir in dieses Metier gerutscht und sofort auf den Geschmack gekommen“, sagt der Oberallgäuer, generell ein großer Wintersport-Fan. Ziemlich viel Fachwissen hat er sich seitdem angeeignet, viel Theorie über das Sprung- und Flugsystem gepaukt und zahlreiche Gespräche mit Athleten und Trainern geführt. Über die Antwort eines österreichischen Spitzenspringers lacht der Allgäuer auch heute noch herzhaft: „Auf die Frage, was eine gute Schanze denn ausmache, hat er mir geantwortet: Wenn i gwinn, is se guat. Wenn i verlier, is se a Schoaß.“

So sieht die Skisprungschanze in Oberstdorf von oben aus.
Bild: Angelika Warmuth, dpa

Inzwischen gilt Renn – ähnlich wie Rennstrecken-Ingenieur Hermann Tilke in der Formel 1 – als internationaler Top-Experte. Er ist erfolgreichster Schanzen-Architekt der Welt. Renn hat unter anderem die Olympia-Schanzen in Sotschi geplant, zu seinen aktuellen Projekten zählen die Sprunganlagen in Trondheim, dem WM-Ort von 2025, und am nächsten Olympia-Schauplatz Peking. Auch der Internationale Skiverband Fis baut auf seine fachliche Expertise: Der Allgäuer ist seit 2013 Vorsitzender des Subkomitees für Skisprungschanzen. Ein Modell, sagt Renn, sei vergleichsweise schnell gebaut. Ob eine Schanze tatsächlich etwas taugt, sehen die Planer aber erst, wenn der erste Sportler springt.

Günther Jauch: "Das ist die geilste Skisprungarena der Welt"

Zur Nordischen Ski-WM, die in wenigen Tagen beginnt, haben Renn und seine Mitarbeiter die Schanzen in der Oberstdorfer Audi-Arena ein weiteres Mal umgebaut. Es ging um mehr Sicherheit für die Sportler und die nachhaltige Nutzung der Sportstätte. Denn auch Skispringen ist ständig im Wandel. Die Technik wird ausgefeilter, das Equipment immer moderner und die Sportler werden athletischer. Renn erklärt: „Sie benötigen einen immer kürzeren Anlauf, um weit zu springen.“ Das heißt: Es muss bei einer Schanze nach unten hin genügend Startstufen geben, um das Tempo in der Anlaufspur drosseln zu können.

Für einen Architekten sei es zwar verlockend, beim Neubau nur auf Ästhetik und optische Einzigartigkeit zu schauen. Doch das sei verkehrt. „Das ist ein Sportgerät, das in erster Linie funktionieren muss“, sagt er. Form folgt Funktionalität. Dennoch hat Renn für seine Projekte schon so manchen Architektenpreis gewonnen. Für den Umbau der Heini-Klopfer-Skiflugschanze in Oberstdorf zum Beispiel oder für die Erneuerung der Sprungschanze in Garmisch-Partenkirchen. Fast noch mehr wert ist für ihn aber das Lob eines Showmasters. Renn erzählt: „Nach dem Umbau des Stadions in Oberstdorf hat Günther Jauch, damals noch als RTL-Sportmoderator, beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee Anfang der 2000er Jahre vor laufenden Kameras gesagt: Das ist die geilste Skisprungarena der Welt. Dieser Satz macht mich noch immer unglaublich stolz.“

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