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Terror in Paris

17.11.2015

Experte warnt vor überzogenen Hoffnungen im Anti-Terror-Kampf

Französische Kampfjets fliegen Angriffe gegen IS-Terroristen in Syrien.
Bild: Amboise/Ecpad/Sirpa Air/Handout (dpa)

Die Terrorgefahr in Europa zwingt zum Handeln. Doch militärische Interventionen sind aus Sicht von Sicherheitsexperten kein Allheilmittel. Vor allem in einer Konstellation.

Auch eine Ausweitung der Militäroperationen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wird die Terrorgefahr nach Ansicht des Sicherheitsexperten Karl-Heinz Kamp nicht bannen. "Dass Frankreich jetzt seine Luftangriffe ausgeweitet hat, ist nachvollziehbar, aber dies muss nicht zwingend Nato-Aktivitäten nach sich ziehen", sagte der Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (Baks) der Deutschen Presse-Agentur.

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Die Terror-Nacht von Paris
Bild: Kenzo Tribouillard

Im Nahen und Mittleren Osten sei derzeit ein Zerfall von Staaten zu beobachten. Die Bereitschaft einzelner Nato-Staaten, dort militärisch einzugreifen, sei unterschiedlich. "In unseren Gesellschaften ist - auch als Folge des Afghanistan-Einsatzes - eine gewisse Interventionsmüdigkeit zu erkennen", stellte Kamp fest. Zu glauben, man könne wieder zu den alten Verhältnissen in der arabischen Welt zurückkehren, sei ohnehin unrealistisch.

Luftangriffe gegen IS nur begrenzt sinnvoll

Begrenzte Luftangriffe gegen den IS sind seiner Meinung nach dennoch sinnvoll, weil sie die Organisation zwängen, sich zu verstecken. "Alle, die mit einem Jeep und einer schwarzen Fahne durch die Wüste gefahren sind, die sind jetzt tot", sagte Kamp. Damit seien die Terroristen aber noch nicht handlungsunfähig. "Wir werden mit dem Problem des islamistischen Terrors noch sehr lange Jahre zu tun haben", prognostizierte der Baks-Präsident. Daher sei es wichtig, unsere Gesellschaften gegenüber diesem Phänomen widerstandsfähig zu machen. Auch zusätzliche Maßnahmen im Bereich der inneren Sicherheit seien notwendig.

Zur Frage nach regionalen Partnern im Kampf gegen den Terror sagte er: "Die Türkei ist ein schwieriger, und Saudi-Arabien ist ein noch schwierigerer Partner." Russland habe sein Ziel, durch eine Intervention in Syrien das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu stützen, bisher nur teilweise erreicht. Dies liegt laut Kamp unter anderem daran, dass die Golfmonarchie Katar Assads Gegner erneut aufgerüstet habe. "Russland hat seinen Einsatz in Syrien rasch begonnen, aber es könnte schwierig werden, diesen wieder zu beenden", fügte Kamp hinzu. Dass Russland in Syrien nicht nur die Terrormiliz IS bekämpfen wolle, sei schon daran zu erkennen, dass Moskau auch Radaranlagen nach Syrien verlegt habe. Dabei verfüge der IS gar nicht über Flugzeuge. AZ/dpa

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