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Familiennachzug
29.08.2021

UNHCR drängt Berlin zu Erleichterungen für afghanische Flüchtlinge

Binnenvertriebene aus den nördlichen Provinzen, die aufgrund von Kämpfen zwischen den Taliban und afghanischen Sicherheitskräften aus ihrer Heimat geflohen sind, warten in einem öffentlichen Park auf kostenlose Lebensmittel.
Foto: Rahmat Gul, dpa

Exklusiv Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR drängt angesichts der Eskalation in Afghanistan die Bundesregierung zu Erleichterungen bei Asylverfahren und Familiennachzug.

„Unser Anliegen ist, dass angesichts des Risikos von Menschenrechtsverletzungen, diejenigen, die sich in Gefahr befinden, die Möglichkeit haben sollen, Asyl zu suchen und Zugang zu Schutz zu haben“, sagte die UNHCR-Vertreterin in Deutschland, Katharina Lumpp im Interview mit unserer Redaktion. „Wir hoffen auch, dass Deutschland jetzt auch Verfahren für die Aufnahme, insbesondere beim Familiennachzug vereinfacht“, erklärt Lumpp.

„Wenn man schon mehr als ein Jahr warten muss, nur um einen Termin bei der deutschen Botschaft zum Zwecke des Familiennachzuges zu bekommen, verkennt das die Lebensrealität von Flüchtlingen, nicht nur angesichts der jetzigen Situation in Afghanistan“, mahnte die UNHCR-Vertreterin. Asyl für afghanische Flüchtlinge treffe derzeit aber nicht Europa, sondern zunächst die Nachbarländer, in denen schon seit Jahrzehnten 90 Prozent aller afghanischen Flüchtlinge lebten, sagte Lumpp. „Daher ist es auch so wichtig, sich solidarisch zu zeigen, in Worten und Taten“, fügte sie hinzu.

Über dreieinhalb Millionen Vertriebene innerhalb Afghanistan

„Unsere Sorge gilt vor allem den vielen Binnenvertriebenen in Afghanistan, die dringend Hilfe und Unterstützung benötigen“, betonte die UNHCR-Vertreterin. „Fluchtbewegungen und die humanitäre Krise finden derzeit vor allem innerhalb Afghanistans statt, innerhalb des Landes wurden allein in diesem Jahr über eine halbe Million Menschen zur Flucht gezwungen“, betonte sie. „Insgesamt sind damit derzeit über dreieinhalb Millionen Menschen als Binnenvertriebene in Afghanistan auf humanitäre Hilfe angewiesen und noch viele andere Afghanen mehr“, sagte Lumpp.

Fluchtbewegungen ins Ausland seien schwer vorherzusagen. Hier seien jedoch angesichts Warnungen vor wachsenden Hungerproblemen ernst zu nehmen. „Afghanistan ist von einer Dürre betroffen und, was angesichts der jüngsten Entwicklungen in den Hintergrund getreten ist, natürlich auch von der Corona-Pandemie. Hilfe ist daher umso dringender.“

UNHCR-Vertreterin kritisiert fehlende europäische Asylpolitik

Lumpp äußerte sich kritisch darüber, dass in einigen europäischen Ländern Rufe nach mehr Abschottung erklingen und sich Länder wie Österreich weigerten, Flüchtlinge aufzunehmen. „Es ist ein Problem, dass es die Europäische Union bisher noch nicht geschafft hat, sich auf ein gemeinsames solidarischeres europäisches Asylsystem zu einigen“, kritisierte die UNHCR-Vertreterin. „Es bedarf der Solidarität, der besseren Verantwortungsteilung, nicht nur innerhalb der Europäischen Union, sondern weltweit.“

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"Genfer Flüchtlingskonvention steht unter Druck"

Die Genfer Flüchtlingskonvention sei nach aktueller denn je und rette jeden Tag seit ihrer Verabschiedung vor 70 Jahren Menschenleben. „Und ja sie ist unter Druck, durch Versuche von Staaten, sich ihrer völkerrechtlichen Verantwortung zu entziehen und sie an andere Staaten auszulagern, durch Pushbacks an Grenzen und vor allem auch durch mangelnde internationale Solidarität zwischen Staaten im Flüchtlingsschutz“, warnte Lumpp. „Es ist daher wichtig, mit Nachdruck an der Umsetzung des Globalen Pakts für Flüchtlinge zu arbeiten, auf den sich 181 Länder geeinigt haben und der vorsieht, die Verantwortung für den Flüchtlingsschutz gerechter zu teilen.

Der UNHCR hoffe weiter seine Arbeit in Afghanistan fortzusetzen, sagte Lumpp. „Die Situation ist nicht gänzlich neu für uns“, erklärte sie. „Die humanitäre Arbeit von UNHCR und anderen UN und nichtstaatlichen Organisationen ist auch den Taliban bekannt. Wir und unsere Partnerorganisationen sind weiter in fast zwei Dritteln der Distrikte Afghanistans tätig, auch wenn Zugang zu den innerhalb des Landes Vertriebenen aufgrund der Sicherheitslage in einigen Gegenden in den letzten Wochen eingeschränkt war.“

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