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Wald-Krise

29.08.2019

Forste und Felder trocknen in Deutschland aus

Trockenheit wird in den deutschen Wäldern zunehmend zum Problem.
Bild: Patrick Pleul, dpa

Ministerin Klöckner spricht über Tanne, Birke und die Ernte-Bilanz. Um das Thema Klimaschutz kommt sie dabei nicht herum. So will sie den Wald retten.

Birken mit gelben Blättern. Buchen, die austrocknen. Und das im August. Der Klimawandel hat den Wald mit voller Wucht erfasst, schlägt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner Alarm. „Wir haben eine Zäsur draußen im Wald. Und jeder, der Augen und Ohren hat, der sieht das“, sagt die CDU-Politikerin und hat deshalb für den 25. September zu einem Wald-Gipfel eingeladen. Das Thema ist kompliziert, es gibt verschiedene Interessen. Am Donnerstag hatte Klöckner deshalb schon mal einige Fachleute eingeladen.

Die Ministerin mahnt schon seit Monaten Hilfen für die rund elf Millionen Hektar Wald in Deutschland an. Während ihre Rufe zu Anfang noch vielerorts verhallten, setzt sich nun die Einsicht durch, dass es ohne Hilfen nicht mehr geht. Die von Klöckner vorgestellten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Durch Waldbrände allein ging Forstfläche verloren, die der Größe von 3300 Fußballfeldern entspricht. Hinzu kommen die Stürme der letzten Zeit und natürlich die Trockenheit. Insgesamt gingen Deutschland so 110.000 Hektar Wald verloren. Damit sind nicht nur wirtschaftliche Verluste verbunden. In Gefahr ist „ein Mitkämpfer beim Klimaschutz“, beklagt die Ministerin.

Julia Klöckner will mit Experten und viel Geld dem deutschen Wald helfen.
Bild: dpa

Setzlinge sind genügend da, aber das Anpflanzen ist nicht ganz einfach

Tausende solcher „Mitkämpfer“ müssen gepflanzt werden. Genügend Setzlinge gibt es, wurde bei dem Treffen im Ministerium geklärt. Das Problem ist eher, dass die jungen Pflanzen wieder verdorren. Und es gibt den Experten zufolge ein zweites Manko: In den deutschen Wäldern liegt sehr viel Schadholz herum, das erst einmal abtransportiert werden muss. Die Arbeit ist mühsam, vor allem ist sie derzeit wenig lukrativ. Denn die Preise für Schadholz sind im Keller.

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Gleichwohl: „Der Baum, den wir heute nicht pflanzen, der wird den kommenden Generationen fehlen“, sagt Klöckner, die für einen „Waldumbau“ plädiert. Dabei geht es beispielsweise darum, herkömmliche Arten mit neuen Sorten zu kombinieren. Mit Bäumen also, die sich dem Klima besser anpassen.

Beim Wald-Gipfel will die Politik dann weiter mit den Praktikern reden. Mit Andreas Bolte, dem Leiter des Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde, war solch ein Praktiker bei dem Treffen am Donnerstag schon dabei. „Der Wald wird nicht sterben. Aber der Wald wird sich verändern“, sagt Bolte. Wer dabei nur zuschaue, riskiere ein ungewisses Ende. Die Alternative sei, zu versuchen, auf die Entwicklung Einfluss zu nehmen.

Bolte hat eine „aktive Wiederbewaldung“ im Sinn. Zu der gehören eine Kombination aus Naturverjüngung und die Anpflanzung neuer Arten sowie ein „adaptives Waldmanagement“. Anpflanzungen müssten viel öfter auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden.

Die Ernte ist durchwachsen, aber besser als im „Katastrophenjahr“ zuvor

Der Klimawandel hat auch gravierende Auswirkungen auf die Ernte. „Die Erträge sind erfreulicherweise besser als im Vorjahr“, sagt die Ministerin und ergänzt: „Alles andere wäre aber auch schwierig. Denn das vergangene Jahr war ein Katastrophenjahr.“

Die Ernte bei Getreide und Raps fällt im Vergleich zum Fünf-Jahres-Schnitt von 2013 bis 2018 aber unterdurchschnittlich aus. Während Getreide (einschließlich Körnermais) mit knapp 45 Millionen Tonnen immerhin 18 Prozent mehr als im Vorjahr hergibt, hat es den Raps besonders hart erwischt: knapp drei Millionen Tonnen und somit fast 22 Prozent weniger als im vorangegangenen „Katastrophenjahr.“

Das stellt vielerorts Betriebe mit Viehhaltung vor große Probleme beim Grundfutter. Die Rapsanbaufläche war 2019 die kleinste seit 1996. „Die Niederschläge reichten nicht aus, um die Wasserdefizite des Vorjahres auszugleichen. Landwirte müssen sich verstärkt auf den Klimawandel einstellen“, sagt Klöckner. Hierzu möchte sie noch in diesem Jahr eine nationale Ackerbaustrategie vorstellen. Dürrehilfen wird es in diesem Jahr aber keine geben: „Da entscheiden wir nicht nach Intuition, sondern nach Daten und Fakten.“

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