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Kirche
23.09.2021

Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche: „Kehrt um! Denkt neu!“

Bischof Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, predigte: „Kehrt um! Denkt neu!“
Foto: Sebastian Gollnow, dpa

Die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz wird vom Missbrauchsskandal und den Fällen Woelki und Heße überschattet. Auf große Fortschritte wartet man vergebens.

Angesichts der tiefen Krise, in der die katholische Kirche wegen des Missbrauchsskandals steckt, fand der Limburger Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, besonders drastische Worte. In seiner Predigt zum Auftakt der Herbst-Vollversammlung der Bischöfe in Fulda rief er seinen Mitbrüdern am Dienstag zu: „Kehrt um! Denkt neu!“ Alles darunter werde „der Wucht des auslösenden Skandals und der Dramatik der Entkirchlichung nicht gerecht“. Dann wurden seine Mitbrüder Stefan Heße und Rainer Maria Woelki zu Vorsitzenden nicht unwichtiger bischöflicher Kommissionen gewählt. Als sei nichts gewesen.

Zuvor war es zu einem öffentlichen wie innerkirchlichen Aufschrei gekommen, nachdem der Papst den Hamburger Erzbischof Heße trotz festgestellter Pflichtverletzungen im Umgang mit Missbrauchsfällen im Amt belassen hatte. Über die Zukunft des ebenfalls umstrittenen Kölner Erzbischofs Woelki ist nach wie vor nichts bekannt. Zudem bleibt der Trierer Bischof Stephan Ackermann Missbrauchsbeauftragter. Seit Jahren steht er als „ungeeignet“ in der Kritik, kürzlich forderte ihn eine Betroffenenvereinigung zum Rücktritt auf.

Bischof Bätzing: „Nach Überlebenskampf war die Stimmung jetzt nicht“

Umso bemerkenswerter die Antwort Bätzings am Donnerstag auf eine Journalistenfrage. „Nach Überlebenskampf war die Stimmung jetzt nicht“, sagte er. Und: „Köln“, die Causa Woelki, sei kein Thema gewesen, weil es nichts Neues gebe. So blieb in Sachen Missbrauchsaufarbeitung der Beschluss, die Personalaktenführung von Klerikern zu standardisieren. Die Ankündigung, „ein Konzept zur Weiterentwicklung“ von Ackermanns Aufgabenbereich als Missbrauchsbeauftragter zu erarbeiten. Sowie: Mitte Oktober solle, einmal mehr, über das kirchliche „Verfahren zur Anerkennung des Leids“ gesprochen werden.

Die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz haben sich bei ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda getroffen. Sie endete am Donnerstag. Der Augsburger Bischof Bertram Meier wurde zum neuen Vorsitzenden der Kommission Weltkirche gewählt.
Foto: Ralph Sondermann, dpa

Im Vorfeld der Versammlung gab es massive Kritik des Betroffenenbeirates bei der Deutschen Bischofskonferenz. In zwei Briefen warf er den Bischöfen vor, dass das erst zu Jahresbeginn in Kraft getretene Verfahren „erneutes Leid“ verursache und einer „Intervention“ bedürfe. Statt auf unkomplizierte Weise höhere Summen von bis zu 50.000 Euro zu erhalten, klagten Missbrauchsopfer unter anderem über retraumatisierend lange Bearbeitungszeiten oder Beträge, die bei weitem nicht an die 50.000 Euro heranreichten – selbst in Fällen schwerer sexualisierter Gewalt.

Missbrauchsbetroffene beklagen Retraumatisierung und kritisieren Verfahren der Anerkennungsleistungen

Bätzing lehnte am Donnerstagnachmittag bei einer Pressekonferenz eine Aussetzung des Verfahrens, mit dessen Durchführung die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen betraut wurde, ab. Im Oktober wolle man aber über die drei Alternativvorschläge des Betroffenenbeirats reden. Darunter ist der eines Stufenmodells, das Pauschalzahlungen von 20.000, 50.000 und 125.000 Euro je nach Schwere des Missbrauchs vorsieht.

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Am Morgen hatte Kardinal Woelki gepredigt. Er sprach von Sensationslust und Spekulationen. „Geredet wurde und wird zu allen Zeiten immer schon viel. Gestimmt hat zumeist nichts, bestenfalls wenig.“ Es klang nach Selbstverteidigung.

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