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Kirchentag
21.06.2019

Wie der evangelische Kirchentag über Migration diskutiert

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier während seiner Rede beim Eröffnungsgottesdienst.
Foto: Guido Kirchner, dpa

Beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund werden viele Themen diskutiert. Dabei geht es auch um die Frage, wie Integration aussehen muss.

Es gibt einen Teilnehmer auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund, dessen Name man nennt, obwohl er nicht mehr unter uns ist: der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke, ermordet durch einen Kopfschuss aus nächster Nähe, den mutmaßlich ein Täter aus dem rechtsextremen Umfeld abgegeben hat. Zur Eröffnung holte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den toten CDU-Politiker in die Mitte: Schon der Verdacht sei „furchtbar und unerträglich“, dass jemand in einem Land mit dieser Geschichte, der für die Demokratie gearbeitet hat, „hingerichtet wird durch einen politischen Mord, mutmaßlich begangen von einem überzeugten Rechtsextremisten, dem im Netz Beifall geklatscht wird.“

Erschüttert über den gewaltsamen Tod Lübckes äußerte sich auch Kirchentagspräsident Hans Leyendecker: „Ein Staatsdiener wurde hingerichtet, weil er sich für andere Menschen eingesetzt hat.“ Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) rief zu mehr Wachsamkeit gegenüber Rechtsextremismus auf: „Nie wieder dürfen wir so wegschauen, wie wir das in den letzten Jahrzehnten beim Rechtsterrorismus gemacht haben.“ Auch der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) räumte mit Blick auf die Migrantenmorde des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) staatliche Versäumnisse bei der Einschätzung rechtsextremer Gefährder ein.

Mit seiner Rede von der deutschen Leitkultur, die Migranten zu achten hätten, hat sich de Maiziere allerdings selbst auf einen schmalen Grat begeben, der eine konservative Haltung vom ausgrenzenden Nationalismus trennt. Auf einem Podium des Kirchentags erklärte er vor Migranten, was sein Artikel „Wir sind nicht Burka“ in der Bild-Zeitung wollte. Migranten sollten begreifen, was für uns Auschwitz bedeutet. „Wir haben eine Geschichte, eine Herkunft“, betonte de Maiziere.

Kirchentag: Eine Journalistin widersprach dem Ex-Minister

Sollten die Regeln für Integration allerdings nur von „Biodeutschen“ aufgestellt werden? Die Journalistin Ferda Ataman widersprach: Daran müsste die ganze Migrationsgesellschaft beteiligt werden. „Alle müssen miteinander ins Gespräch kommen und den Platz tauschen“, sagte die Spiegel-Online-Kolumnistin.

Der Soziologe Aladin El-Mafaalani, Referatsleiter im nordrein-westfälischen Integrationsministerium, beschrieb Deutschland als einen Tisch, an den sich inzwischen ganz unterschiedliche Menschen gesetzt haben. Sie wollen nicht nur ein Stück vom Kuchen, sondern auch Kuchen, die nicht nach Einheitsrezept gebacken werden. Dass dabei Konflikte aufbrechen, bedeute nicht, dass die offene Gesellschaft sich nicht bewährt hat. „Vielmehr entstehen Konflikte, weil sie funktioniert“, sagte El-Mafaalani. Aus Konflikten aber entstehe Neues - freilich in einer „verdichteten“ Gesellschaft, die vielen zu sehr auf die Pelle rückt und Abwehr erzeugt.

Auch aus dem Kirchentagspublikum kamen durchaus kritische Anfragen an die Migrationsexperten. Reicht es aus, deutsch zu sprechen, um integriert zu sein, oder sollte Integration nicht auch darin bestehen, die deutsche Lebensweise anzuerkennen? Es wurden Befürchtungen geäußert, dass christliche Traditionen und Feiertage in einer vielkulturellen Gesellschaft untergehen könnten: „Ist Christsein noch typisch deutsch?“

Der Soziologe kritisierte den Kreuzerlass der bayerischen Regierung

An den Muslimen sollte es nicht liegen, beteuerte El-Mafaalani. „Sie sind Ihre Verbündeten, denn Migranten konservieren.“ Sie verstünden auch nicht, warum die Deutschen mit ihrer christlichen Tradition so nachlässig umgehen. Einen Seitenhieb erlaubte sich der Düsseldorfer Soziologe allerdings in Richtung der bayerischen Staatsregierung: „Das Kreuz ist Leitkultur für 2,2 Milliarden Christen weltweit und nicht exklusiv für ein Bundesland“, sagte er.

Keineswegs sicher scheint auch, ob Ausländerfeindlichkeit eine bestimmte Heimat in Deutschland hat. Der schwarzhäutige SPD-Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby aus Sachsen-Anhalt musste erfahren: „Ob ich für den Deutschen Bundestag kandiere, darüber redet man bei mir in Halle nicht. Aber der Spiegel titelte, es sei ein Experiment, dass ein Schwarzer in einer Nazi-Hochburg kandidiert.“ Das sei ein Armutszeugnis für jemanden, der 30 Jahre in Halle lebt, „dass wir nicht selbstverständlich Teil dieser Gesellschaft sind.“ Migranten müssten den Platz in Deutschland bekommen, der ihnen zusteht; nur sechs Prozent der Abgeordneten im Bundestag seien zu wenig.

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26.06.2019

Es steht dem evangelischen Kirchentag freilich gut an, über Migration zu diskutieren. Und ebenso Herrn Knoller, darüber zu berichten, wie dieser Kirchentag darüber diskutiert. Die Frage wäre nur, ob dabei auch das zur Sprache kommt, was dazu in den biblischen Schriften steht.
Etwa die Worte des Propheten Jeremia:

"Mich fürchtet ihr nicht? spricht Jahwe. Vor meinem Angesicht erbebt ihr nicht? Und ich habe doch dem Meer die Düne als Grenze gesetzt, als ewige Schranke, die es nicht überschreiten darf. Mag es auch toben, es vermag nichts dagegen (...) Aber dieses Volk hat einen trotzigen und widerspenstigen Sinn. Sie sind abgefallen: das bringen sie fertig!" (Jr 5, 20 ff ).

Oder die Worte - Stichwort Pfingsten - aus der Apostelgeschichte im Hinblick auf jene Fremden, die die Apostel plötzlich in ihre eigenen Sprache reden hören:

"Wir Parther und Meder und Elamiter, wir Bewohner von Mesopotamien, von Judäa und Kappadozien (...) wir hier weilenden Römer, wir Juden und Proselyten, , Kreter und Araber: wir hören sie in unseren Zungen die Großtaten Gottes reden (Apg 2, 1 ff).

Wir Bewohner von Mesopotamien, von Judäa usw. Wir hier weilenden Römer! Weilend, wohlgemerkt, nicht bleibend! Oder teilt uns Generalsekretärin Julia Helmke, die promovierte Pfarrerin, auch diesbezüglich mit: "Das brauchen wir nicht hören"?

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