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Porträt
24.06.2016

Boris Johnson: Wer ist der Mister Brexit?

Boris Johnson hat sich bei der Brexit-Abstimmung durchgesetzt.
Foto: Will Oliver (dpa)

Boris Johnson im Porträt: Der Brexit-Verfechter hat gesiegt. Strebt der beliebteste Politiker des Landes in England jetzt nach Höherem?

Boris Johnson kam, sah und siegte mit dem Brexit. Das Votum der Briten für einen Austritt aus der EU geht zu einem nicht unerheblichen Teil wohl auch auf das Konto des ehemaligen Bürgermeisters von London. Dabei ist es noch nicht lange her, dass sich Boris Johnson entschied, für einen Austritt Großbritanniens aus der EU zu werben.

An einem Sonntag im Februar trat er mit gesenktem Kopf vor die Kameras vor seinem Haus im Norden Londons. Johnson war damals noch Bürgermeister der britischen Hauptstadt. Er stammelte etwas von schwerem Herzen, und dass er nichts gegen Premierminister David Cameron und die Regierung unternehmen wolle. Aber er habe, dem Volk zuliebe, keine andere Wahl.

Boris Johnson kämpfte für den Brexit

einen konservativen Parteifreund Cameron soll er erst wenige Minuten vorher per SMS über den Schritt informiert haben. Der Mann mit dem verstrubbelten Haarschopf ist nicht irgendjemand. Immer wieder wurde er in Umfragen zum beliebtesten Politiker Großbritanniens gekürt. Wäre er noch einmal angetreten, er hätte wohl kaum Schwierigkeiten gehabt, die Bürgermeisterwahl in London für sich zu entscheiden. Doch Johnson, so glauben viele, strebt nach Höherem.

Dass er sein Gewicht in die Waagschale der Brexit-Befürworter warf, dürfte wohl kaum ohne Hintergedanken geschehen sein. Der 52-jährige Johnson gehört wie Cameron zum Establishment, seit ihrer gemeinsamen Schulzeit auf dem Elite-Internat Eton gelten die beiden als Rivalen. Anders als der stets gepflegt auftretende Premier versteht es Johnson, den einfachen Mann anzusprechen. Er schneidet Grimassen auf Fotos, kleckert unbeholfen mit Speiseeis, stolpert, stürzt und pöbelt.

Größter Ausrutscher Johnsons aus deutscher Sicht war seine Behauptung, die EU wolle einen Superstaat errichten – wie einst Napoleon und Hitler. Doch all das scheint ihm nicht zu schaden. Im Gegenteil, Umfragen zufolge schenken die Briten Johnson sehr viel mehr Glauben als dem Premier. Das hat sich nun ausgezahlt. Johnson hat nun gute Chancen, nach dem Amt des Regierungschefs zu greifen.

Brexit: Boris Johnson hatte immer große Ambitionen

Dem blonden Hünen, der 1964 in New York als Alexander Boris de Pfeffel Johnson zur Welt kam, war der Machthunger in die Wiege gelegt. Schon als kleiner Junge habe er danach getrachtet, „König der Welt“ zu werden, vertraute seine Schwester Rachel dem Biografen Andrew Gimson an. An der Elite-Universität in Oxford habe Johnson dann einen derartigen Eindruck hinterlassen, „dass niemand daran zweifelte, er werde eines Tages Premier“.

Johnson stammt aus einer wohlhabenden Politikerfamilie. Sein Vater war als Konservativer Mitglied im Europäischen Parlament, sein Bruder Jo ist Minister in Camerons Kabinett und seine Schwester Rachel arbeitet als Journalistin. Alle drei sprachen sich für den Verbleib in der EU aus. Johnson selbst begann seine politische Karriere 2001 als Abgeordneter, bevor er 2008 zum Bürgermeister von London gewählt wurde – eine Stadt, die traditionell eher links wählt. (dpa, afp)

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