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Porträt
31.08.2021

Michel Barnier ist "Monsieur Brexit" – jetzt will er französischer Präsident werden

Michel Barnier ist Chefunterhändler der Europäischen Union für den Brexit.
Foto: Olivier Hoslet, dpa

Der frühere EU-Kommissar und Brexit-Verhandler Michel Barnier steigt in Frankreich in den Ring um die Präsidentschaft. Zuvor muss er jedoch seine eigene Partei überzeugen.

Die Nachricht hat in Frankreich keine großen Wellen geschlagen. Es heißt sogar, am Ende der Rede beim Sommerparteitag der konservativen Republikaner hätten sich gerade einmal zwei Personen von ihren Stühlen erhoben, um dem Kandidaten zu applaudieren: Michel Barnier konnte mit seiner Ankündigung, bei der nächsten Präsidentschaftswahl im April 2022 ins Rennen zu gehen, bis jetzt keine Begeisterungsstürme auslösen. Und doch glaubt der elegant auftretende, groß gewachsene 70-Jährige offensichtlich an seine Chancen. Tatsächlich hat sich in der Vergangenheit oft getäuscht, wer acht Monate vor einer französischen Präsidentschaftswahl den Sieger oder die Siegerin voraussagen wollte.

Barniers größter Trumpf ist seine politische Erfahrung auch auf der europäischen Bühne: Er war unter anderem Abgeordneter und Senator, Umweltminister, beigeordneter Minister für Europa, Außen- und Agrarminister sowie in Brüssel EU-Kommissar für Struktur- und Regionalpolitik, Binnenmarkt und Dienstleistungen und zuletzt Chefunterhändler für den Brexit. Mit seiner Bewerbung für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten 2014 scheiterte er zwar an seinem Rivalen Jean-Claude Juncker, dennoch arbeitete er auch im Anschluss eng mit diesem zusammen.

Michel Barnier mit dem Brexit-Handelsabkommen.
Foto: Olivier Hoslet/Pool EPA/AP, dpa

Michel Barnier verhandelt mit den Briten über den "Brexit"

Barnier gilt als teamfähig, kompromissbereit und zäh. Letzteres hat er bei den langwierigen Verhandlungen um den Austritt Großbritanniens aus der EU unter Beweis gestellt: Als „Monsieur Brexit“ erreichte er europaweit Bekanntheit, verhandelte mit Staats- und Regierungschefs auf Augenhöhe.

Von der Innenpolitik in seinem eigenen Land entfernte er sich dadurch aber, im Gegensatz zu den Konkurrenten in seiner eigenen Partei. Noch haben die Republikaner nicht entschieden, ob sie Vorwahlen abhalten, um sich auf eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu einigen. Zu den chancenreichsten Bewerbern gehören Ex-Budgetministerin Valérie Pécresse und Ex-Arbeitsminister Xavier Bertrand – beide sind Mittfünfziger und damit eine Generation jünger als Barnier.

Barnier setzt auf einen klassischen Wahlkampf, wie schon sein Wahlkampfauftakt zeigte: Er ließ sich in den Hauptnachrichten des einflussreichen Privatsenders TF1 interviewen, während er sich vor dem Lac du Bourget, dem größten natürlichen See des Landes in seiner Heimatregion Savoyen in Ostfrankreich, befand. Damit wollte der Politiker, der nach der Schulzeit in Albertville und Lyon auf einer renommierten Handelsschule in Paris studierte, seine lokale Verwurzelung zeigen. Auch privat schätzt Barnier, der verheiratet ist und drei Kinder hat, die Natur, liebt das Bergwandern, Skifahren und Wassersport.

Neuer Konkurrent: Michel Barnier fordert Amtsinhaber Emmanuel Macron heraus

Seine ersten Vorschläge sollen offensichtlich eine konservative Wählerschaft ansprechen. So will Barnier die Einwanderungspolitik neu aufstellen. Außerdem setzt er sich dafür ein, dass Arbeit sich mehr auszahlt als das Leben von staatlichen Hilfen.

Um sich von Staatschef Emmanuel Macron abzuheben, der ebenfalls eher das bürgerlich-rechte Lager anspricht, kritisierte Barnier dessen "Mangel an Demut“ und seine Neigung zu Alleingängen: "Frankreich darf nicht arrogant sein, es muss professionell, entschlossen, kreativ sein“, sagte der Herausforderer. Nun muss Barnier nur noch die Franzosen davon überzeugen, dass er dazu in der Lage ist.

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