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Rechtsradikaler Hass: Aus Worten werden Taten

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Kommentar Von Michael Stifter
18.06.2019

Egal, ob der Mörder des CDU-Politikers Walter Lübcke Einzeltäter war oder Teil eines Netzwerkes: Diese Tat muss unseren Blick auf den rechten Terror verändern.

Der Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke zeigt, wozu Rechtsradikale in ihrem Fanatismus fähig sind. Aus Worten werden Taten – und all jene, die seit Jahren dazu beitragen, dass der Hass in unsere Gesellschaft hineinsickert, tragen eine Mitschuld daran.

Erst jetzt wird sich erweisen, ob Deutschland etwas aus der Mordserie des Nazi-Netzwerkes NSU gelernt hat, das längst wieder aus dem Bewusstsein vieler Menschen verschwunden ist. Der Staat muss den braunen Sumpf, in dem Extremisten wie Stephan E. gedeihen, endlich mit allen legalen Mitteln trockenlegen. Dazu gehört es auch, weggesperrte Informationen aus den NSU-Akten zu nutzen.

Und selbst wenn der Mörder von Walter Lübcke ein Einzeltäter gewesen sein sollte, muss das Verbrechen den Blick auf rechtsextremistischen Terror verändern. Die ständige Verschiebung der Grenzen dessen, was man angeblich noch sagen dürfen muss, führt auch dazu, dass sich Einzelne radikalisieren. Es ist dasselbe Prinzip, das wir von islamistischen Selbstmordattentätern kennen. Jeder von uns kann dazu beitragen, diesem Hass entgegenzutreten, in sozialen Netzwerken, am Stammtisch, im Sportverein.

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23.06.2019

>> Es ist dasselbe Prinzip, das wir von islamistischen Selbstmordattentätern kennen. <<

Eigentlich nicht...

>> Die ständige Verschiebung der Grenzen dessen, was man angeblich noch sagen dürfen muss, führt auch dazu, dass sich Einzelne radikalisieren. <<

Der davor liegende Satz macht es deutlich; der islamistische Kampf gegen Anders- Denkende/Lebende/Glaubende setzt da von Beginn an auf Gewalt gegen Menschen. Klar gibt da Schwellen bei der Tatausübung bzw. der Teilnahme an Kriegshandlungen; aber das hat mE nichts mit Stufen der Radikalisierung zu tun.

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22.06.2019

"Die ständige Verschiebung der Grenzen dessen, was man angeblich noch sagen dürfen muss, führt auch dazu, dass sich Einzelne radikalisieren"
.
Das sehe ich komplett anders! Wenn man mittlerweile jeden Andersdenkenden, der nicht am Bahnhof "Refugees Welcome" ruft, als Nazi bezeichnet, radikalisieren sich auch solche Leute. Wenn ich eh immerzu für jeden Sch..ss als Nazi bezeichnet werde, kann ich irgendwann auch einer sein.....................eh egal!!

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22.06.2019

"Nun haben wir auf vielen Seiten Nein gesagt, Nein aus Mitleid und Nein aus Liebe, Nein aus Haß und Nein aus Leidenschaft - und nun wollen wir auch einmal Ja sagen. Ja -: zu der Landschaft und zu dem Land Deutschland.
Dem Land, in dem wir geboren sind und dessen Sprache wir sprechen.
Der Staat schere sich fort, wenn wir unsere Heimat lieben. Warum gerade sie - warum nicht eins von den anderen Ländern -? Es gibt so schöne.
Ja, aber unser Herz spricht dort nicht ..."

So Kurt Tucholsky in einem Text mit der Überschrift "Heimat" aus dem Jahre 1929. Viel, viel älter noch ist das, was der biblische Prophet Amos verkündet:

"Ich hasse und verwerfe eure Feste (...) Hinweg von mir mit dem Lärm eurer Lieder. Das Spiel eurer Harfen will ich nicht hören. Wie Wasser flute das Recht, und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach" (Am 5, 21 ff).

Ja, wie Wasser flute das Recht! Was aber ist mit dem Haß? Derselbe Gott, von dem es hier heißt "Ich hasse und verwerfe eure Feste ..." ist auch der Gott, der am Berg Sinai hören läßt:

"Du sollst nicht töten" (Ex 20, 1 ff)). Und: "Du sollst nicht als falscher Zeuge gegen deinen Nächsten auftreten".

Im Neuen Testament greift Jesus das 5. Gebot mit den Worten auf: "Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten, wer aber tötet, der soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder der seinem Bruder zürnt, soll dem Gericht verfallen sein. Wer aber zu seinem Bruder sagt: ´Du Dummkopf!´, soll dem Hohen Rat verfallen sein. Und wer sagt ..." (Mt 5, 20 ff).

Ja, der diffamierenden, den Gegner mundtot machenden und zur Strecke bringenden Schlagworte sind viele.

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