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Studie
11.10.2021

Folgen der Pandemie: Deutsche sitzen zu viel und sind im Dauerstress

Im Alltag der meisten Deutschen kommt die regelmäßige Bewegung zu kurz. Die Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen hat diese Tendenz noch verstärkt.
Foto: Finn Winkler, dpa

Die Einschränkungen der Corona-Pandemie wirken sich auf die Gesundheit aus: Wer im Homeoffice arbeitet, bewegt sich weniger. Gerade Jüngere trifft das zunehmend.

Die Corona-Krise hat den Lebensstil vieler Menschen in Deutschland maßgeblich verändert – und das hat Auswirkungen auf die Gesundheit. Einer Studie der Sporthochschule Köln und der Deutschen Krankenversicherung (DKV) zufolge haben sich gleich zwei wichtige Faktoren verschlechtert: durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie und die veränderten Arbeitsbedingungen sitzen viele Deutsche noch mehr als früher.

Und auch der Stress und damit psychische Druck ist gestiegen. Nur noch 11 Prozent der Bundesbürger erfüllen inzwischen alle Voraussetzungen für ein wirklich gesundes Leben – das ist das niedrigste Niveau seit Beginn der Befragung im Jahr 2010. Zu diesen Voraussetzungen zählen etwa Sport, Ernährung oder der Verzicht auf Nikotin und übermäßigen Alkohol.

DKV-Report 2021: Homeoffice wird in der Corona-Pandemie zum Risikofaktor

Besonders ein Punkt fällt bei der Studie auf: Die Deutschen verbringen werktags im Schnitt 8,5 Stunden sitzend – eine Stunde mehr als noch 2018. Vor allem bei jungen Erwachsenen sei der Anstieg stark. Junge Menschen sitzen im Schnitt 10,5 Stunden. Nicht immer gelingt der Ausgleich: Insgesamt rund 70 Prozent der Befragten sind zwar gemäß Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation mehr als 300 Minuten pro Woche körperlich aktiv – 2010 waren das aber noch 83 Prozent. Zudem gaben viele der Befragten an, dass sie während der Pandemie häufiger Spaziergänge unternommen haben, doch die Zwangspause in den Fitnessstudios und Sportvereinen, aber auch der Wegfall der Fahrradtour zur Arbeit durch vermehrtes Homeoffice machten sich bemerkbar.

Bewegungsmangel gilt als der zentrale Risikofaktor für viele Krankheiten. „Der Zusammenhang zwischen wiederkehrend häufigen und längeren Sitzzeiten am Stück und der Entstehung von Zivilisationskrankheiten wie zum Beispiel Diabetes Typ 2, Adipositas, Bluthochdruck sowie Herz- und Gefäßkrankheiten ist bereits seit Jahren wissenschaftlich erwiesen und gewinnt immer mehr an Bedeutung“, stellen die Autoren unter Studienleiter Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln heraus. Deutschland sei auf dem Weg zur Vielsitzer-Nation. „Der Trend, dass wir immer träger werden, setzt sich fort“, sagte der Vorstandschef der DKV Deutschen Krankenversicherung, Clemens Muth.

Am längsten sitzen die Bundesbürger während der Arbeit und beim Fernsehen. „Arbeiten die Deutschen im Homeoffice, gönnen sie sich kaum Sitzpausen“, so die Studie. „Menschen, die gänzlich von zu Hause aus arbeiten, geben an, 72 Prozent ihrer Arbeitszeit im Sitzen zu vollbringen. Personen, die teilweise im Homeoffice und im Büro arbeiten, sitzen dabei zu 65 Prozent.“

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Stressbewältigung funktioniert bei vielen im Alltag nicht mehr

Auffällig ist zudem, dass das auch Stresslevel der Befragten deutlich zugenommen hat. „Nur noch 40 Prozent der Bundesbürger können ihren Alltagsstress gut kompensieren – 2018 schafften dies noch über die Hälfte der Befragten“, schreiben die Autoren. 60 Prozent stehen hingegen dauerhaft unter Strom. Das sei das bisher höchste gemessene Stressniveau, mahnte der Sportwissenschaftler Froböse. „Die Mehrheit schafft es nicht, ihre Akkus wieder aufzuladen.“ Auch hier war es die Pandemie, die sich ungünstig ausgewirkt hat: Die Vereinbarung von Homeoffice und Kinderbetreuung, der fehlende Kontakt zu Familie und die wirtschaftlichen Sorgen verstärkten das Stresslevel.

Zumindest das Homeoffice dürfte vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern erhalten bleiben. Jedes fünfte Unternehmen will einer Erhebung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge die Möglichkeiten für mobiles Arbeiten längerfristig ausbauen. Zwei Drittel der Betriebe wollen es wieder auf das Niveau vor der Pandemie zurückfahren.

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12.10.2021

Ich habe schon zu Beginn der Pandemie, nachdem die Einsperrer/Wegsperrer/Aussperrer die Oberhand gewonnen haben, daß sich dies in einigen Jahren mit Milliardenausgaben bzgl. der Volksgesundheit rächen wird.

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