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Justiz

18.11.2016

25-jährige Frau wird in Schwabmünchen gefoltert

In Schwabmünchen wurde vor zwei Jahren eine Frau im Keller schwer misshandelt. Zwei Frauen standen nun vor Gericht.
Bild: Symbolbild: Alexander Kaya

Affäre mit einem Familienvater endet mit schweren Verletzungen. Strafe für zwei Angeklagte fällt gering aus.

Sie hatte ein Verhältnis mit einem Ehemann, einem dreifachen Familienvater. Die damals 25-jährige Frau hatte den Mann geliebt, sich eine gemeinsame Zukunft vorgestellt. Doch daraus wurde nichts, stattdessen wurde sie in einem Keller gefoltert – von Familienmitgliedern des Ehebrechers und der betrogenen Ehefrau. Vier Täter wurden bereits zu zum Teil mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Strafen für zwei weitere Mitglieder der rumänischstämmigen Großfamilie fielen gestern vom Augsburger Jugendschöffengericht geringer aus. Sie waren nach Ansicht von Richterin Ortrun Jelinek nur Randfiguren bei einer Racheaktion in Schwabmünchen, die für eine 25-Jährige schlimm endete. Die Frau wurde laut Anklage im Oktober 2014 bei einer Zigarettenpause vor der Wohnung von mehreren Personen eingekesselt und aufgefordert, das Verhältnis zu dem Mann zu beenden.

Abreibung der Geliebten endet mit Folter

 Als sie dem nicht zustimmte, lief die geplante Abreibung aus dem Ruder – so formulierten es die Verteidiger Wolfgang Bendler und Christian Fröba während der Verhandlung immer wieder. Die Frau wurde beleidigt, an den Haaren zu Boden gezogen, geschlagen und in ein Auto gezerrt. Am Steuer saß die 55-jährige Mutter des Ehebrechers, sie fuhr ihre mitangeklagte 19-jährige Enkelin, die inzwischen in Ulm lebt, sowie weitere bereits rechtskräftig verurteilte Familienangehörige zu einem Haus im Schwabmünchner Norden. Dort wurde die 25-jährige Geliebte im Keller auf übelste Art und Weise misshandelt: Die Angreifer zogen die Frau laut Anklage nackt aus, übergossen sie mit heißem Wasser, rissen ihr Haare aus, schlugen mit Alustangen auf sie ein und verletzten sie mit einem fast zehn Zentimeter langen Schnitt quer über das Gesicht. Ihr soll mit dem Tod gedroht worden sein, auch ihre Brustimplantate drohte der rumänischstämmige Familienclan herauszuschneiden.

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Weil Passanten die Entführung beobachtet und die Polizei alarmiert hatten, konnten Einsatzkräfte die stark blutende Frau befreien und ins Klinikum Augsburg bringen. Im Rahmen eines sogenannten Täter-Opfer-Ausgleichs sollen die bereits verurteilten Personen der misshandelten Frau 30000 Euro als Entschädigung bezahlt haben. Nach Informationen unserer Zeitung ist allerdings nur ein geringer vierstelliger Betrag tatsächlich an die Geschädigte übergeben worden. Sie befindet sich wegen Depressionen in Behandlung, hat einen Suizidversuch hinter sich und lebt in Rumänien – das Verhältnis zu dem Ehebrecher ist längst beendet.

Angeklagte legen Geständnis ab

Bei der gestrigen Verhandlung in Augsburg kam es zu einem Deal zwischen Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Die 55-jährige Mutter der betrogenen Ehefrau legte über ihren Verteidiger Bendler ein Geständnis ab. Sie habe von der „Abreibung“ gewusst, fuhr aber lediglich den Wagen und nahm nicht aktiv an der Misshandlung teil. Ihr Verteidiger regte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 40 Euro an, Staatsanwältin Alexandra Körner beantragte 150 Tagessätze. Verurteilt wurde die Angeklagte wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu einer Geldstrafe von 4800 Euro.

Die zum Tatzeitpunkt 17-jährige Enkelin legte ebenfalls ein Geständnis ab. Sie gab zu, das Opfer im Keller geschlagen und getreten zu haben. Sie habe sich von der Gruppendynamik mitreißen lassen, sei aber – als die Situation eskalierte – aus dem Keller gegangen und zu ihren jüngeren Geschwistern ins Zimmer. Die arbeitslose junge Frau wurde wegen des „nicht so hohen aktiven Tatbeitrags“ verwarnt; sie muss 96 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

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