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Schwabmünchen

11.06.2019

Azubi-Tour: Eine echte Entscheidungshilfe

Simon Leistle (links) erhält von Werkzeugmechaniker Samuel Kocsner an einer Spritzgussmaschine eine Vorstellung der Tätigkeiten bei der Firma Dittrich.
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Simon Leistle (links) erhält von Werkzeugmechaniker Samuel Kocsner an einer Spritzgussmaschine eine Vorstellung der Tätigkeiten bei der Firma Dittrich.
Bild: Uwe Bolten

Die Azubi-Tour führt zum fünften Mal Schüler und Ausbildungsbetriebe zusammen. Wie Teilnehmer, Lehrer und die Unternehmen die Veranstaltung bewerten

Einen unterrichtsfreien, für die Zukunft möglicherweise wichtigen Tag, erlebten jüngst Schüler der Leonhard-Wagner-Mittel- und Realschule bei der sogenannten Azubi-Tour, die dieses Jahr zum fünften Mal von der Werbegemeinschaft in Zusammenarbeit mit lokalen Gewerbebetrieben und Institutionen veranstaltet. Dabei bestand die Möglichkeit, sich an 36 Stellen über weit mehr als 60 Ausbildungsberufe zu informieren. „Zugleich bietet es die einmalige Gelegenheit, mit den Azubis der Unternehmen ins Gespräch zu kommen. Denn wer kann die Ausbildung besser erläutern als ein Azubi selbst“, schrieb Björn Wilbert dazu in seinem Grußwort.

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Für das Handwerk bleiben immer weniger Auszubildende übrig

Markus Rechner, Schulleiter der Realschule, beleuchtete die Maßnahme aus einem anderen Winkel: „Wir stellen fest, dass die weiterführenden Schulen immer mehr Zulauf haben, für das Handwerk bleiben weniger Auszubildende übrig“, sagte er beim Startpunkt an der Mittelschule. Diese Bereiche stützen jedoch die gesamte Region, fuhr er fort. „Deswegen ist für mich der Stellenwert der Veranstaltung so hoch“, schloss er sein Plädoyer für das Handwerk. Eine Neuerung stellten die Vorträge von dezentralen Anbietern wie beispielsweise Bundeswehr sowie Bundes- und Landespolizei dar. „Wir haben bei den vergangenen Veranstaltungen eine gewisse Scheu festgestellt, die Stände zu besuchen. Die Akzeptanz bei den Vorträgen ist deutlich höher“, stellte Sandra Deschler, Konrektorin der Mittelschule, fest. Auch habe man im Vorfeld mit den teilnehmenden Betrieben besprochen, auf lukrative Geschenke zu verzichten. „Die Erwartungen darauf hat bei den Schülern zum Teil den Grund für einen Unternehmensbesuch gesteuert. Die Informationen über Berufe gerieten in den Hintergrund“, erläuterte sie weiter.

Beim Blick in die Innenstadt fielen im Laufe des Tages die jungen Menschen mit ihren Teilnahmeanhängern auf. Nicht überall konnte eine praktische Tätigkeit ausgeführt werden, wie bei Eliflora mit kleinen Gestecken oder in der Schule für Diätassistenten ein gesundes Müsli. Davon machte die 14-jährige Lea, Schülerin an der Mittelschule, Gebrauch, die von ihrem Vater auf der Tour begleitet wurde. „Ich habe keine Ahnung, was ich werden will. Für mich ist die Veranstaltung eine echte Entscheidungshilfe“, sagte sie während der Wartezeit auf den Bus, der die Schüler zu den einzelnen Bereichen transportierte. „Ich kann den Interessenten leider nur was erzählen“, gestand Hans Grünthaler von der Buchhandlung Schmid. Weiter stellte er fest, dass durch den Rückgang der Buchhandlungen in Deutschland die Zahl der freien Stellen für gelernte Buchhändler ebenfalls rückläufig sei.

Azubi-Tour: Eine echte Entscheidungshilfe

So eine Azubi-Tour ist der Einstieg

Andrea Jordan, Ausbilderin bei der Raiffeisenbank, stand den an einer Ausbildung zum Bankkaufmann interessierten Schülern mit einer Handvoll Auszubildenden zur Verfügung. „Wir haben für das Jahr 2020 zwei Ausbildungsplätze zu vergeben“, sagte sie und verwies, wie andere Unternehmen auch, auf die möglichen Praktika. „So eine Azubi-Tour ist der Einstieg, im Praktikum lernt der Schüler, worum es wirklich geht. Wir vom Betrieb können uns ebenfalls ein besseres Bild vom möglichen Bewerber machen“, sagte sie. Überrascht zeigte sich Sandra Ohnes von der Metzgerei Nauman in der Filiale an der Fuggerstraße. „So viele Interessenten für den Bereich Fleischerei-Fachverkäufer wie heuer hatten wir noch nie. Für den Beruf des Metzgers sieht es immer noch schlecht aus“, berichtete sie und erläuterte den fünf Schülerinnen, dass das Formen von Rosen aus Butter ebenfalls zu den Aufgaben in der Fleischerei mit Büffetservice gehört. „Nur Wurst verkaufen, geht nicht“, sagte sie.

Einblick in die Firmen

Neben den Betrieben in der Innenstadt, gehörten auch größere an den Rändern der Stadt zum großen Portfolio der Tour. Bei Mercedes Medele-Schäfer erwartete die Schüler neben umfassender Information über die Berufe im Kfz-Handwerk ein Sportwagen des 10Q Racing Teams. Daniel Kramer, Personalleiter der Firma Ritter, bewertete die Aktion ebenfalls als Erfolg. „Wir können Kontakte zu möglichen Bewerbern herstellen und Ausbildungsplätze in der Region anbieten. Rund Dreiviertel unserer Auszubildenden haben uns bei der Azubi-Tour kennengelernt“, sagte er zufrieden. Der 15-jährige Mittelschüler Simon Leistle bringt es beim Besuch der Firma Dittrich an der Krumbacher Straße auf den Punkt. „Es ist einfach interessant, einen Einblick in so viele Firmen zu bekommen“, sagte er zu Werkzeugmechaniker Samuel Koscner, der den Schüler auf dem Weg entlang der vielfältigen Spritzgussmaschinen begleitete.

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