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Landwirtschaft

02.06.2015

Bei den Milchbauern brennt es lichterloh

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Roland und Susanne Mairhörmann zählen sich zu den Milchbauern, die als Erzeuger bei großem Einsatz und hohem Risiko nicht auf ihre Kosten kommen. Sie fordern mehr Geld von den Molkereien. An einem Mahnfeuer bei Langerringen klagten Miclhbauern über unzureichende Erträge.

Erzeuger klagen mit Mahnfeuern über Verluste. Ihr Verband fordert neue Regeln, um Überschussmengen zu vermeiden. Warum sie sich nicht auf ihre Kosten kommen.

Von Hieronymus Schneider

Langerringen  Im Stall des Mondscheinhofes der Familie Mairhörmann stehen 50 Kühe. Die tägliche Milchleistung liegt zwischen 900 und 950 Litern. Die Stallarbeit wird von beiden Eheleuten gemacht, natürlich helfen auch die Kinder fleißig mit. Für einen Liter Milch erhalten die Erzeuger derzeit etwas mehr als 30 Cent. „Das reicht gerade mal aus, um die Kosten zu decken, verdient ist damit nichts“, sagt Roland Mairhörmann. Bei einem Preisrückgang um 10 Cent fehlen dem Hof am Monatsende etwa 3.000 Euro Einkommen.

Der Milch-Marker-Index weise aus, dass der aktuelle Preis von 31,03 Cent pro Liter um 20 Prozent niedriger liegt als der Durchschnitt des Jahres 2014 mit 38,78 Cent. In den Jahren 2011 bis 2013 lag der Durchschnittspreis über 40 Cent. Auf diese enormen Wertschöpfungsverluste machte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) zum „Tag der Milch“ am 1. Juni aufmerksam. In Schwaben wurden Mahnfeuer an sieben Bauernhöfen in allen Landkreisen veranstaltet.

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Mahnfeuer auf dem Mondscheinhof in Falkenberg

Für den Landkreis Augsburg wurde der Mondscheinhof in Falkenberg ausgewählt, wo sich etwa 50 Milchbauern versammelten. Wally Meitinger vom BDM-Vorstand Augsburg wies eindringlich darauf hin, dass der Verband bereits beim Milchlieferstopp im Jahre 2008 vor einer katastrophalen Milchmarktentwicklung gewarnt habe. Nun befinde man sich bereits in der dritten Milchkrise innerhalb von sechs Jahren. Trotz Stimmen aus der Politik, dass man so etwas wie 2008, als viele Bauern die Milch wegschütteten, nicht mehr erleben möchte, fühlt sich der BDM von der Politik und den Verbänden der Molkereiwirtschaft „verraten und verkauft“.

Wally Meitinger klagt: „Wir sind diejenigen, auf die die Molkereiwirtschaft das Marktrisiko abwälzen kann und die die immensen Wertschöpfungsverluste tragen müssen. Wir sind diejenigen, die nicht mehr in der Lage sind, unsere Betriebe wirtschaftlich nachhaltig weiter zu entwickeln.“

Milchpreis habe sich seit Herbst 2013 nach unten entwickelt

Die zum 1. April diesen Jahres abgeschaffte Milchquotenregelung war nach Ansicht des BDM nie in der Lage, das Problem weltweit gestiegener Milchmengen bei gleichzeitigem Nachfragerückgang zu lösen. So habe sich der Milchpreis seit dem Herbst 2013 bis heute kontinuierlich nach unten entwickelt. Der BDM habe deshalb ein Konzept für ein Milchmarkt-Krisenmanagement vorgelegt und fordere darin ein innovatives Management von Marktkrisen mit Hilfe einer Milchmarkt-Monitoringstelle. Die wichtigsten Sofortmaßnahmen dieses Konzepts sollen zu hohe Milchmengen verhindern, da die Molkereien den Preis sonst drücken können, gleichzeitig soll die Abnahme der Liefermenge zu einem kostendeckenden gesichert sein.

Die Milchanlieferung sei dazu zeitlich befristet im Minimum zu deckeln.

Ein Anreizprogramm für zeitlich befristete freiwillige Rücknahme der Milchanlieferungsmenge sei zu installieren.

Das Interventionspreisniveau auf über 30 Cent/Liter als „Feuerwehrmaßnahme“ sei deutlich anzuheben.

Mit diesem Konzept will der BDM größere überschüssige Mengen vermeiden, die in einem gesättigten Markt auf den Milchpreis drücken. Der BDM fordert die zuständigen Agrarminister, den Bauernverband und die Molkereiwirtschaft dazu auf, den Widerstand gegen dieses Konzept aufzugeben und sich gemeinsam, konstruktiv um eine Problemlösung zu bemühen.

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