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Reinhartshausen

25.01.2020

Café in Reinhartshausen: Hier bringt die Modelleisenbahn den Kuchen

Helga Forster und ihr Mann Michael bringen in Reinhartshausen Modellbau und Gastronomie unter einen Hut. In das Modell des Bahnhofs von Trossingen hat Michael Forster rund 800 Arbeitsstunden investiert.
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Helga Forster und ihr Mann Michael bringen in Reinhartshausen Modellbau und Gastronomie unter einen Hut. In das Modell des Bahnhofs von Trossingen hat Michael Forster rund 800 Arbeitsstunden investiert.
Bild: Siegfried Rupprecht

Plus Helga und Michael Forster aus Reinhartshausen haben einen alten Gasthof zu einem Dorado für Modellbauer umgebaut. So funktioniert ihre Erlebnisgastronomie.

Da haben sich zwei Menschen gefunden, die ihren Traum mit Leidenschaft, Energie und viel Detailliebe verwirklicht haben: Helga und Michael Forster haben im Bobinger Ortsteil Reinhartshausen liebevoll das „Haus der Modellbauer und Sammler“ aufgebaut. Das ist ein ehemaliger Gasthof, in dem das Ehepaar lebt. Und eine große Leidenschaft auslebt: Auf über 400 Quadratmetern präsentieren die Forsters im Erdgeschoss Modelleisenbahnen, Miniaturautos und -flugzeuge sowie filigrane Modelllandschaften und auch Kreationen und Themenwelten von Lego und Playmobil.

"Verrückte Spinnerei" im Ortsteil von Bobingen

Ihre Begeisterung für Raritäten und Seltenes sei eine „verrückte Spinnerei“, sagt Helga Forster. Altes wertzuschätzen sei ihr eine Herzensangelegenheit.

Die Modellbauschätze zeichnen sich vor allem durch viel Liebe zum Detail aus.
Bild: Siegfried Rupprecht

Bei ihr haben Nikoläuse, Weihnachtsmänner, Clowns und Engel aus Materialien wie Holz, Plastik oder Keramik schon in jungen Jahren Enthusiasmus entfacht. Hinzu kamen alte Stoffe, Kaffee- und Teekannen. Ehemann Michael habe sein Herz an Modelleisenbahnen, Lego-Modellen und Modellbauten verloren, berichtet die 55-Jährige, die Feinmechanikerin und Altenpflegerin gelernt hat.

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Café in Reinhartshausen entstand mit Liebe und Geduld

Als sie sich kennenlernten, brauchten sie für ihre Schätze Platz. Den fanden sie schließlich in einem leer stehenden Gasthof in Reinhartshausen. Und so zogen Helga und Michael Forster von der Marktgemeine Dießen am Ammersee in den Bobinger Ortsteil. Hier setzten sie ihre Vorstellungen konsequent um, renovierten zeit- und geldintensiv ein halbes Jahr lang und bauten 48 Fenster und sechs Türen ein. „Uns schwebte eine Art Museum vor, in dem wir unsere Sammlerstücke auch interessierten Besuchern zeigen konnten“, sagt Helga Forster. Wie praktisch, dass es in dem Anwesen eine Kegelbahn gab: Hier und in der benachbarten Gaststube bauten sie die umfangreichen Modelleisenbahnanlagen verschiedener Spurbreiten in mehreren Ebenen auf. Über 600 Meter Gleise wurden dafür verlegt. Dabei zauberten die Forsters mit Kreativität, Muße und Fingerfertigkeit Modelllandschaften und dekorierten sie mit Felsen, Bäumen, Büschen, Straßen, Tieren, Figuren, Stützmauern, Böschungen und vielen ideenreichen Detailszenen.

Die legendäre Londoner Tower Bridge: als Modellbau in Reinhartshausen zu besichtigen.
Bild: rusi

Wer genau hinsieht, entdeckt wartende Bahnreisende, weidende Kühe, parkende Autos, ein Riesenrad, Wälder und Gewässer, hört scheinbar das Zwitschern der Vögel und das Rauschen des Windes in den Baumkronen. „Da steckt Liebe und Geduld drin“, resümiert Helga Forster. Zu sehen gibt es auch Entwürfe und Nullserienmodelle, die in dieser Art nie produziert worden sind.

Selbst Helga Forster ist überrascht, dass der Modellbau noch immer beliebt ist. Ihre Erklärung dazu: „Die vielfältige Welt der Bausätze fasziniert. Hinzu kommen die technische Seite und die Möglichkeit, sich kreativ einzubringen, zusammen.“ Komplexe Fahrzeuge und Maschinen seien sowohl im Modelleisenbahnbau als auch bei Lego teilweise beweglich konstruiert. „Das führt dann bei Technikfans zu interessanten Experimentierfeldern.“

Helga und Michael Forster betreiben einen besonderen Bahnhofsnachbau

Viele Ausstellungstücke der Forsters stammen von Flohmärkten, Nachlässen oder anderen Ankäufen. Manche Exponate hat Michael Forster auch selbst gebaut – etwa einen Turm, der im Original in Freiburg steht. Ihn hat der Hausherr aus Streichhölzern gefertigt. Oder der Bahnhof von Trossingen. Zu der Stadt in Baden-Württemberg hat der Sammler eine besondere Beziehung. Dort wurde der Instrumentenbauer vor 60 Jahren geboren. Rund 800 Arbeitsstunden investierte er in dieses Fachwerkgebäude. Jetzt bildet es den zentralen Bahnhof im Gastraum.

Viele Szenen des täglichen Lebens sind liebevoll nachgebaut und harmonisch zusammengestellt.
Bild: rusi

Wer die dicht an dicht gedrängten Sammlerstücke in den Museumsräumen, in Vitrinen und an Wänden bewundern will, muss Zeit mitbringen. Aus dieser Verweildauer der Gäste entwickelte Helga Forster schließlich die Idee einer Erlebnisgastronomie. Wie sie funktioniert: Eine Lokomotive mit Anhängern bringt Gästen Kaffee, Kuchen, Toast Hawaii, Schnitzel oder Pfannkuchen direkt an den Tisch.

Modelleisenbahn-Café ist einzigartig in Deutschland

Das Genehmigungsverfahren dazu sei allerdings nicht einfach gewesen, erinnert sich Helga Forster. „Es hat zwei Jahre gedauert, bis das Landratsamt seine Zustimmung zu dieser besonderen Servierversion erteilt hat.“ Das lange Warten hat sich gelohnt. Das „Haus der Modellbauer und Sammler“ sei jetzt die einzige Gastronomie dieser Art in ganz Deutschland, berichtet sie stolz. Während der Freiluftsaison steht zusätzlich ein uriger Außenbereich zur Verfügung.

Viel Resonanz erzielte das Haus der Modellbauer und Sammler nach einer Ausstrahlung im Fernsehen im vergangenen Jahr. „Seitdem gibt es keinen Leerlauf mehr“, sagt Helga Forster, die mit ihrem Mann Museum und Café ausschließlich in ihrer Freizeit betreibt. Und so liegt der Wunsch der Forsters auf der Hand: Irgendwann wollen sie sich nur noch um ihr Domizil kümmern, das keinen Stillstand erlaubt. „Die Anlagen werden ständig weiterentwickelt und gebaut“, sagt Helga Forster. Beispielsweise geht der vor mehreren Jahren ruhende Modulnachbau des Bahnhofs Dörzbach im Jagsttal in Spur 0 seiner Fertiggestellung entgegen. Zudem wird fleißig an der Om-Anlage gewerkelt.

Jeder kann eigene Modelle mitbringen

Darüber hinaus richtet sich das Haus der Modellbauer auch an Sammler, die Lokomotiven oder ganze Züge besitzen, aber keine Anlage, um diese zu betreiben. „Sie haben die Möglichkeit, ihre Modelle mitzubringen und sie auf unserer Anlage auszufahren“, erklärt Helga Forster.

Bereits erschienen in unserer Serie "Hausbesuche":

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