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Bobingen

08.06.2018

Die Stadt will keine neue Moschee in Bobingen

Nur ein Leuchtschild in einer Hofeinfahrt in Bobingen markiert den Standort der Moschee der islamischen IGMG-Gemeinde. Sie möchte hier ausziehen und sich mit mehr Platz im Gewerbegebiet-Ost niederlassen.

Die islamische Gemeinschaft Milli Görüs hat eine Moschee, die kaum einer kennt. Ihr Wunsch auf Umzug scheitert nun am Baurecht. Nur einer sieht das anders.

Die islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) ist erneut mit einem Vorstoß gescheitert, sich mit Kultur- und Gebetsräumen im Gewerbegebiet Ost niederzulassen. Seit 20 Jahren versucht sie immer wieder, ihre Mini-Moschee im Zentrum der Stadt zu verlassen. Bei etwa 70 Mitgliedern sei diese zu klein, sagen Vertreter der IGMG Bobingen.

Diese Gemeinschaft hat sich nach der Einwanderung türkischer Landsleute als Gastarbeiter in ganz Deutschland verbreitet. Doch obwohl schon lange auch in Bobingen ansässig, ist die kleine Religionsgemeinschaft hier kaum bekannt. Direkt im Stadtzentrum, etwas zurückgesetzt an einem Wohn- und Geschäftshaus am Beginn der Lindauer Straße, befindet sich die Eingangstür zu einem Treppenhaus, welches Zugang zu den Räumen über einem früheren Videoladen und heutigen Tattoo-Studio bietet. Ein Schild über der Tür ist einziger Hinweis, wer hier residiert.

Mitglieder wollen mehr Platz

Hicret Camii steht darauf. Das bedeutet Auswanderungsmoschee und erinnert an die Auswanderung Mohammeds von Mekka nach Medina im Jahr 622. Viele Moscheen in der Welt tragen diesen Namen. Große, prächtige Bauten zählen dazu. Die Moschee der IGMG in Bobingen tritt weniger in Erscheinung. Es kämen jeweils nur etwa 40 der 70 Mitglieder zu den Gebeten und Veranstaltungen, sagt einer ihrer Vertreter. Aber bereits dabei werde es sehr voll, zumal wenn man bedenke, dass bei Familientreffen natürlich auch Kinder ihren Platz brauchen.

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Auch wenn die Adresse klein und unauffällig wirkt, sie dient der IGMG im einfachsten Sinne tatsächlich als Moschee mit Kultur- und Gebetsraum. Im Abstand von mehreren Jahren tritt sie immer wieder mit Anträgen an die Öffentlichkeit, einen Gewerbebau in Bobingen zum Kulturzentrum umwandeln zu dürfen. Zunächst hatte sie das alte Postgebäude im Auge, später Firmenhallen oder andere Bauten im Gewerbegebiet Ost. Ihre Anträge scheiterten jedes Mal. Die Begründung der Stadt ist ebenso wiederkehrend, wie die Form der Anträge: Solch eine Nutzung lasse der Bebauungsplan fürs Gewerbegebiet Ost nicht zu. Das gelte für jede Religionsgemeinschaft, egal welchen Glaubens.

Gewerbegebiet nur für Gewerbe

Darin wiederholte sich der Bauausschuss auch diesmal. „Das Gewerbegebiet ist fürs Gewerbe da“, betonte Zweiter Bürgermeister Klaus Förster (CSU). Es gebe hier eine Leitlinie, die für alle gelte, ergänzte Christian Burkhard (SPD). Herwig Leiter (CSU) erläuterte: Man habe oft in vielen Einzelfällen darüber diskutiert, wie das Gewerbegebiet in seinem Charakter zu bewahren sei – nicht nur beim Thema Betriebsleiterwohnungen. Diese Leitplanung dürfe die Stadt nicht durch Schaffung eines Präzedenzfalls gefährden. Waltraut Wellenhofer (Freie Wähler) erklärte, warum nicht alles überall möglich sei: Die Stadtplanung und die Entwicklung Bobingens beruhe auf der Schaffung von getrennten Bereichen für Gewerbe, Lebensqualität samt Kultur und anderen Sparten. Die IGMG sollte sich eine andere Möglichkeit suchen. Auch Thomas Hauser (CSU) ergänzte: Aktivitäten einer religiösen Gemeinschaft „passen nicht zum Charakter des Gewerbegebietes“.

Das alles konnte Marco Di Santo (Grüne) nicht nachvollziehen. Daher fragte er: Worin drücke sich der Charakter des Gewerbegebietes denn aus? Gerade in diesem Bereich der Hans-Sachs-Straße, östlich der Gutenbergstraße, gebe es doch schon viele bewohnte Gebäude, hier würde sich wenig ändern. Er war der Einzige, der dem Antrag auf Nutzungsänderung zustimmte – bei zehn Gegenstimmen.

IGMG und Ditib

Nicht zu verwechseln ist die IGMG mit der muslimischen Gemeinde Ditip in Bobingen, die im Industriegebiet West gerade eine architektonisch auffallende und repräsentative Moschee bezogen hat. Insgesamt zählt ihre Gemeinde nach eigenen Angaben 600 Familien mit zusammen knapp 2000 Menschen aus den Räumen Bobingen und Schwabmünchen als Mitglieder.

Sie hatte sich zuletzt für viele Jahre in einem früheren Gasthof eine Moschee eingerichtet und ebenfalls lange Zeit für einen Neubau gekämpft. Ein geplantes Minarett führte vor weit über 20 Jahren sogar zum Rechtsstreit. Im Gegensatz zu ihrem neuen, architektonisch sehr modernen Neubau wurde es nie errichtet.

Bis der Neubau stand, war zwei Jahrzehnte lang Pause für dieses Thema. Gleichzeitig begann die Ditip-Gemeinde eine offene Verständigungspolitik gegenüber deutschen Vereinen, Kirchen und Behörden. Ihre Mitglieder haben sich mehrfach öffentlich als integrierter Bestandteil des Lebens in der Stadt gezeigt, öffneten eigene Veranstaltungen auch anderen Interessenten. Gleich bei den ersten Anschlägen terroristischer Islamisten hatte sich ihre Muslimgemeinde in Bobingen mit Erklärungen gegen politische Gewalt und Terror ausgesprochen – und wiederholte das. Beobachtungen verschiedener Verfassungsschutzämter in Deutschland haben der IGMG bescheinigt, zwar politische Ziele zu verfolgen, aber dabei ebenfalls Gewalt zu verurteilen.

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09.06.2018

wenn wir in Ankara und Istanbul im Gegenzug für jede Moschee hier eine Kirche bauen dürfen (edit/mod)

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