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Porträt

29.01.2019

Dieser Klosterlechfelder hat über 220 Kirchen verschönert

Heinz Haberland zeigt eines seiner Werke, die sein Haus schmücken. Hier die "Harmonie in rosè".
Bild: Hieronymus Schneider

Plus Der 79-jährige Heinz Haberland ist auch im Ruhestand noch aktiv und kreativ. Was er alles zur Gestaltung des Ortsbildes von Klosterlechfeld beigetragen hat.

Steht ein Betrachter des typischen Klosterlechfelder Ensembles vor der Wallfahrtskirche am Franziskanerplatz und blickt reihum auf die umgebenden Gebäude, so wird er überall Spuren seiner Arbeit entdecken. Der Malermeister und Farbdesigner Heinz Haberland hat jahrzehntelang Häuserfassaden seiner Heimatgemeinde restauriert und neu gestaltet.

Als vor 17 Jahren die Außenwände der Kirche renoviert wurden, hat Haberland alte Farbschichten durch Sandstrahlen entfernt. „Dabei kamen die alten Ritzungen zum Vorschein, die vor etwa 400 Jahren in den noch nassen Putz geschnitten wurden. Ich habe diese glatten Flächen nachgemalt und so ist heute der Urzustand in neuem Anstrich zu sehen“, erklärte Heinz Haberland sichtlich stolz vor dem Tor der Sakristei. Drei Jahre zuvor hat er die Gastwirtschaft „Grüner Baum“ und vor zehn Jahren die Fassade des Rathauses in der Farbe rosé mit dem Gemeindewappen gestaltet. „Für diesen Farbentwurf musste ich erst den Gemeinderat überzeugen. Ich erinnere mich gut an manch heftige Reaktion darauf, dass die Wände nicht weiß werden sollten“, sagt Haberland amüsiert.

Viel Liebe zum Detail

Jenseits der Schwabmünchner Straße steht das Haus mit der Anschrift Franziskanerplatz 10, in dem heute das Caféle ein beliebter Treffpunkt ist. Dieses historische Gebäude beherbergte früher einen Lebensmittelladen. Mit großem Aufwand und viel Liebe zum Detail restaurierte Haberland hier Fensterbänke und Erker mit Stuck und malte Blindfenster in die Fassade. Weitere Werke des Farbdesigners können an der Zahnarztpraxis in der Bayernstraße und an der Schule bewundert werden, wo sein „Lebensweg“ den Eingang umrankt.

Heinz Haberland vor dem Portal der Rotunde der Klosterlechfelder Wallfahrtskirche, deren Außenputz er im Originalzustand restauriert hat.
Bild: Hieronymus Schneider

Heinz Haberland kam als Fünfjähriger von Langengeisling bei Erding nach Klosterlechfeld, weil sein Vater als Offizier am Standort Lechfeld tätig war. Da der Vater die hebräische Sprache beherrschte, unterrichtete er nach Kriegsende mehr als 8000 jüdische Menschen, die vorübergehend in der Kaserne untergebracht wurden. Heinz Haberland besuchte die Volksschule in Klosterlechfeld, die anfangs im Gebäude der ehemaligen Gastwirtschaft „Klösterl“ und später im jetzigen Rathaus untergebracht war. Nach der Lehre als Dekorateur und Maler lernte er an der Werkkunstschule in Augsburg bei Professor Wirnharter die freie Malerei und legte 1966 die Meisterprüfung ab.

Aufträge aus der ganzen Welt

Jahrzehntelang arbeitete er als selbstständiger Maler in seinem Geschäft in der Klosterlechfelder Beethovenstraße. Doch ohne Arbeit ist der inzwischen 79-Jährige auch acht Jahre nach der Geschäftsaufgabe nicht. Als freiberuflicher Farbdesigner widmete er sich ein Jahr lang der Kirchenmalerei im Refektorium in Ottobeuren und hat immer wieder Aufträge für Illusionsmalereien und Ausschmückungen bis zu Vergoldungen in Villen reicher Leute vom Allgäu über Wangen bis nach Mallorca. „Ich habe über 220 Kirchen mit Malereien verschönert, größtenteils an den Außenwänden“, sagt Heinz Haberland.

Im Februar wird er in seinem Haus eine Vernissage für einen begrenzten Besucherkreis abhalten. Die Räume seines Hauses zieren viele Farbkompositionen auf Stuck und Leinwand wie die „Harmonie in rosé“. Heinz Haberland sagt: „Mein Lieblingsthema ist der Jugendstil wegen seiner Farbharmonie.“ Aber auch eine Gitarre hat einen festen Platz im Wohnzimmer, denn Haberland war lange Zeit Gitarrist einer Jazz- und Swing-Band, die rhythmische Kirchenmusik machte. Heute musiziert er nur noch für sich selbst, denn nach dem plötzlichen Tod seiner Frau im August vergangenen Jahres lebt er alleine. Seine vier Kinder sind aber nicht allzu weit weg wohnhaft.

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