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Landkreis Augsburg

16.08.2018

Dieses Schwert kann jetzt jeder „anfassen“

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3 Bilder
Gisela Mahnkopf und Thomas Germscheid zeigen das Schwert aus dem Jahr 1500 vor Christus, das im Online-Museum Omfala des Arbeitskreises für Vor- und Frühgeschichte im Landkreis Augsburg aufbearbeitet wird.
Bild: Archivfoto: Andreas Lode

Die Waffe aus der Mittelbronzezeit wurde im Landkreis gefunden. Im Online-Museum Omfala kommen ihm Besucher nun so nah, wie das sonst nicht möglich wäre.

Es scheint fast so, als würde man im nächsten Moment den Schaft des 3500 Jahre alten Schwertes selbst in der Hand halten – und doch ist es „nur“ virtuelle Realität: Im Online-Museum Omfala für Archäologie des Arbeitskreises für Vor- und Frühgeschichte im Landkreis Augsburg sind jetzt bedeutende Fundstücke dreidimensional aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Aus Kostengründen und Platzmangel kommt für den Arbeitskreis ein „echtes“ Museum nicht infrage. Aber: „Wir haben bereits über 50000 Seitenaufrufe in unserem neuen Online-Museum zu verzeichnen“ sagt die zuständige Kreisheimatpflegerin Gisela Mahnkopf. Besonders gefallen den Besuchern dabei die Seiten mit den interaktiven Inhalten. „Wir sind damit auf dem richtigen Weg, den wir nun weiter ausbauen wollen“, so Gisela Mahnkopf.

Doch das ist alleine gar nicht so einfach. Nur dank einiger Spenden konnte der Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte nun besagtes Schwert unter der Leitung von Professor Joerg Maxzin im 3-D-Labor der Technischen Hochschule Deggendorf einscannen lassen. Der Kontakt zwischen Arbeitskreis und der Fachhochschule Deggendorf besteht schon einige Jahre und es wurde bereits die während einer Ausgrabung in Langweid geborgene Merowinger Schale in 3D gemeinsam verwirklicht. Die grün patinierte Schale ist wohl eine Grabbeigabe etwa aus dem sechsten oder siebten Jahrhundert nach Christus. Sie ist ebenfalls auf eindrucksvolle Art im Online-Museum zu sehen.

Auch das Schwert aus der Mittelbronzezeit hat eine spannende Geschichte. Der Inhaber eines Baggerunternehmens im nördlichen Landkreis hat es im Aushub eines Wohngebiets gefunden und Gisela Mahnkopf übergeben. Die Waffe mit ihrem achtkantig geformten Griff hat feine Verzierungen am Griff, am Griffheft und am Knauf, die deutlich erkennbar sind. Und doch ist das Schwert archäologisch gesehen nicht von vollem Wert. Lag es einmal im Lager eines Händlers oder war es eine Weihegabe in einem Fluss? Das war im Aushub des Wohngebiets freilich nicht mehr erkennbar.

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Umso wertvoller ist es nun wieder durch den professionellen 3-D-Scan geworden. Das Labor in Deggendorf legt mit seinem Leistungsspektrum und seiner technischen Ausstattungden Fokusin der Forschung auf 3-D-Digitalisierungsverfahren im Umgang mit dreidimensionalem Kulturerbe. Neben der 3-D-Technologie in der Denkmalpflege umfasst die Forschung auch digitale Darstellungstechniken für Museen. „Seit Langem ist die Digitalisierung auch beim Kulturerbe angekommen. Analog zur Industrie erleben wir gerade eine Denkmalpflege 4.0“, schwärmt Joerg Maxzin von den neuen Möglichkeiten.

Ein Profiscanner war am Werk

Die Studierenden Nina Pötschke und Thomas Forstner übernahmen den Scan. Kreisheimatpflegerin Gisela Mahnkopf hat das wertvolle Fundstück selbst im Labor in Deggendorf übergeben. „Jedes Objekt hat seine ganz eigene Herausforderung. Beim Schwert ist es vor allem die lang gestreckte Form mit den schmalen Kanten der Klinge“, diagnostizierte Nina Pötschke mit geschultem Blick. Auf einer Ablagefläche wurde das Schwert positioniert und die Beleuchtung im Raum entsprechend angepasst. Der Scanvorgang konnte beginnen. Begeistert bemerkte Thomas Forstner: „Ich bin stolz darauf, durch meine Arbeit hier an der Kultur und Geschichte teilzuhaben.“

Die Technische Hochschule Deggendorf verfügt über einen 3-D-Profiscanner der neuesten Generation, der innerhalb kurzer Zeit maximale Genauigkeit liefert, so präzise, dass das Gerät sogar im All auf der Internationalen Raumstation ISS zum Einsatz kommt. Während Nina Pötschke den Handscanner, der von der Form her irgendwie an ein Bügeleisen erinnert, über das Schwert führt, baut sich auf den Monitoren des Labors eine Punktewolke auf. Für solch ein kompliziertes Objekt sind mehrere Scan-Vorgänge aus den unterschiedlichsten Perspektiven erforderlich.

Es dauert einige Tage, bis mit einschlägiger Software am Computer die verschiedenen Punktewolken des Schwertes aus Millionen von Einzelpunkten in Übereinstimmung gebracht werden. Auch die Oberfläche sollte detailgenau abgebildet werden. Joerg Maxzin unterstützt das Projekt Omfala: „Ich finde es gut, dass so bedeutende Fundstücke nicht einfach in irgendeinem Depot landen, sondern wenigstens virtuell der Öffentlichkeit präsentiert werden können.“ Kreisheimatpflegerin Gisela Mahnkopf: „Archäologie ist die Wissenschaft von den sichtbaren Überresten alter Kulturen. Wir wollen uns für die Bewahrung und Erforschung unseres historischen Kulturerbes einsetzen und hoffen auf eine höhere Wertschätzung von archäologischen Funden und Befunden in der Gesellschaft.“  Das 3500 Jahre alte Schwert aus der Bronzezeit findet man im Online-Museum Omfala unter omfala.de/bronzezeit/vollgriffschwert

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