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Ehingen/Klosterlechfeld

13.02.2020

Fasching: Warum traditionelle Umzüge ohne Wagen scheitern

Zu Grabe getragen werden muss der Faschingsumzug in Klosterlechfeld nicht, denn heuer findet er wieder statt.
Bild: Susanne Raffler (Archiv)

Plus Was in Ehingen seit Jahren funktioniert, hat 2019 in Klosterlechfeld nicht geklappt: ein Faschingsumzug ohne große Wagen. Was sind die Gründe dafür?

Es ist schon merkwürdig: In Klosterlechfeld wollte man 2019 einen „Nostalgie-Umzug“ nur mit Fußgruppen machen. Doch es gab zu wenig Anmeldungen, sodass der Gaudiwurm ausfiel. In Ehingen im nördlichen Landkreis gibt es das schon seit elf Jahren – und es funktioniert.

Dass 2019 in Klosterlechfeld der Faschingsumzug ausfiel, war eine Zäsur. Seit 1911 gibt es in der Lechfeld-Gemeinde die Faschingsgesellschaft Lecharia. Und außer in den Kriegsjahren oder wenn ein Orkan durch die Region wehte wurde immer ein Umzug in Klosterlechfeld veranstaltet.

Faschingsumzug ohne Wagen in Klosterlechfeld 2019 gescheitert

Im vergangenen Jahr wollten die Verantwortlichen bei der Lecharia mal was Neues ausprobieren und einen traditionellen Umzug ohne die von vielen gescholtenen großen Faschingswagen auf die Beine stellen. Eigentlich eine schöne Idee, statt lauter Musik in einem „Nostalgiezug“ auf Kapellen und Fußgruppen zu setzen. Doch die Rechnung ging nicht auf: „Die Teilnehmerzahl war einfach zu gering, so dass wir den Umzug absagen mussten. Wir hätten das gerne gemacht, aber es war leider nicht möglich“, sagt Lecharia-Präsident Ali Brecheisen: „Viele Menschen schimpfen über die großen Wagen, auf denen oft laute Musik gespielt wird. Aber ganz offenbar geht es nicht ohne sie. Das Thema traditioneller Umzug hat sich in Klosterlechfeld jedenfalls erst mal erledigt.“

Fasching: Warum traditionelle Umzüge ohne Wagen scheitern

Der Lecharia-Präsident weiß auch nicht, warum sich nur so wenige Fußgruppen zusammenfanden: „Vielleicht liegt es ja am Termin: Am Dienstag ist es für viele nicht so einfach, frei zu bekommen.“

Viele Anmeldungen für "normalen" Faschingsumzug in Klosterlechfeld

Nach der Absage 2019 gibt es heuer wieder einen „normalen“ Umzug. Insgesamt 30 Faschingswagen und Fußgruppen haben sich für den Gaudiwurm 2020 bislang angemeldet, der am Dienstag, 25. Februar, ab 14.11 Uhr durch Klosterlechfeld zieht. Fußgruppen und Wägen werden getrennt – es sei denn, eine Fußgruppe will ausdrücklich zwischen den Wägen marschieren. „In der Regel wollen die Fußgruppen das aber nicht, weil es auf den Faschingswagen schon mal lauter zugeht“, sagt der Lecharia-Präsident. Auch der eine oder andere Besucher hat sich in den letzten Jahren über die Lautstärke bei den Wägen beklagt.

Seit dreieinhalb Monten laufen die Vorbereitungen auf den Umzug für Ali Brecheisen: Absprachen mit den Teilnehmern, Sicherheitsdienst, Rettungspersonal – gibt einiges zu organisieren. Trotzdem freut sich der Lecharia-Präsident auf den Umzug: „Wir sind vor allem froh, dass heuer was zusammengeht. Wenn es einmal los geht, ist der Stress schnell vergessen.“ Es habe auch trotz der Absage im vergangenen Jahr nie zur Debatte gestanden, den Umzug in Klosterlechfeld sterben zu lassen. Was die Besucherzahl angeht wagt er keine Schätzung, aber: „Wenn alle die kommen, die gejammert haben, dass es 2019 keinen Umzug gegeben hat, dann sind wir schon zufrieden.“

Fasching: Weshalb der Umzug ohne Wägen in Ehingen funktioniert

Etwas weiter nördlich scheint das Konzept zu funktionieren. Sowohl im Gersthofer Stadtteil Rettenbergen (Sonntag, 23. Februar, ab 14.14 Uhr) als auch in Ehingen hat das Konzept, hauptsächlich mit Fußgruppen einen Umzug zu veranstalten, funktioniert. In Ehingen gab es über Jahre hinweg im benachbarten Nordendorf einen größeren Gaudiwurm mit Wägen. Als das dann aufgegeben wurde, hat man sich in Ehingen entschlossen, es mit einem kleineren Umzug zu probieren. Zielgruppe sind vor allem Familien. „Wir machen das jetzt seit elf Jahren und haben immer um die 20 Gruppen dabei. Wir wollen vor allem den Kindern was bieten und haben uns deshalb entschlossen, auf die lauten und auch nicht ganz ungefährlichen großen Wägen zu verzichten“, sagt Michael Ostermeier, Vorsitzender der Theaterfreunde Ehingen, die gemeinsam mit dem Sportverein und der Feuerwehr den Umzug organisieren.

Auch hier startet der Umzug am Dienstag (15.15 Uhr), und da liegt natürlich die Frage auf der Hand: Warum funktioniert ein Fußgruppen-Umzug in Ehingen und in Klosterlechfeld nicht. Michael Ostermeier: „Sicherlich spielt es auch eine Rolle, dass es in unmittelbarer Nähe keinen Umzug mehr gibt und dass wir uns auf Kinder beziehungsweise Familien konzentrieren. Wir haben eine sehr gut funktionierende Dorfgemeinschaft und die Gruppen, die mitlaufen, sind meist dieselben und kommen größtenteils aus dem Ort oder der näheren Umgebung.“

Lesen Sie auch den Kommentar unseres Autors: Jeder Jeck ist anders

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