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Lagerlechfeld

02.12.2019

Geheimnis um Fahne nach über 70 Jahren gelüftet

Die Fahne der Feuerwehr Lagerlechfeld ist nach 95 Jahren wieder zurück. Die handbestickte Fahne ist in einem sehr guten Zustand.
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Die Fahne der Feuerwehr Lagerlechfeld ist nach 95 Jahren wieder zurück. Die handbestickte Fahne ist in einem sehr guten Zustand.

Plus Ein US-Soldat hatte nach dem Krieg das Wahrzeichen aus Lagerlechfeld mitgenommen. Jetzt bringen es Angehörige aus den USA zurück und erfüllen einen letzten Wunsch des Veteranen.

Die Wachsoldaten der Lechfeldkaserne staunten nicht schlecht, als plötzlich eine ältere Dame in Begleitung eines jüngeren Mannes eine Flagge vor dem Fußgängertor an der Landsberger Straße ausrollte. Margaret O’Connor und ihr Sohn Adam Delpozzo hatten sich aus den USA auf den Weg gemacht, um den letzten Wunsch eines US-Kriegsveteranen zu erfüllen: Ihr Vater Richard V. Sausa wollte, dass das Wahrzeichen der früheren Feuerwehr von Lagerlechfeld wieder zurückkehrt.

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Richard V. Sausa hatte die Fahne bei der Besichtigung der Schäden nach der Bombardierung des Flugplatzes durch die Amerikaner in den Straßen von Lagerlechfeld gefunden und mitgenommen. Nach Kriegsende habe er immer wieder gesagt, dass die Fahne nach seinem Tod zurück an ihren Ursprungsort solle, schrieb die Familie Sausa in einem Brief. 2005 starb Richard V. Sausa im Alter von 91 Jahren.

Sehr gut erhalten

Die handgestickte Fahne ist circa 1,70 auf 1,70 Meter groß und befindet sich in einem sehr guten Zustand. Auf ihr zu sehen sind auf beiden Seiten in kräftigen Farben verschiedene Motive mit Feuerwehrbezug. Aufgestickt ist die Jahresangabe 1923-1925.

Geheimnis um Fahne nach über 70 Jahren gelüftet

Oberstleutnant Christian Leypoldt, Kasernenkommandant der Lechfeld-Kaserne, nahm sich der Fahne an und wollte Rätsel lösen. „Wir haben die Fahne dann eingehend untersucht und festgestellt, dass sie zur Feuerwehr Lagerlechfeld Mitte der 1920er Jahre gehört haben könnte“, berichtete er.

Feuerwehr wurde 1936 aufgelöst

Leypoldt begann seine Recherche bei der ortsansässigen militärgeschichtlichen Sammlung, beim Landratsamt und den Nachbargemeinden. Hans Pade aus Graben entdeckte im Protokollbuch der Feuerwehr Graben Informationen. Danach ergab sich folgendes Bild: Es gab eine „Freiwillige Feuerwehr Lager Lechfeld“, die 1923 gegründet und 1936 im Rahmen der Gleichschaltung, dem Prozess der Vereinheitlichung des gesamten gesellschaftlichen und politischen Lebens, wieder aufgelöst wurde. Große Teile der Helfer wechselten 1936 offenbar in die Feuerwehr der Nachbargemeinde Graben. Diese übernahm wohl 1925 anlässlich der Fahnenweihe des jetzt zurückgekehrten Stücks die Patenschaft für die noch junge Feuerwehr Lagerlechfeld und stiftete ein Erinnerungsband für die Fahne. Die beiden Feuerwehren waren eng verbunden, diverse Einsätze und Veranstaltungen wurden gemeinsam bestritten.

Rückkehr war ein großer Wunsch

Oberstleutnant Christian Leypoldt tauschte sich mit der Familie Sausa und O’Connor per E-Mail aus. Margaret O’Connor berichtete, dass ihr Vater vom Krieg in Deutschland sehr wenig erzählt habe. Die Fahne habe er dagegen häufig erwähnt. „Deshalb sei es ihr und ihren Schwestern Maureen Sausa und Michelle Sausa-Gatta sehr wichtig gewesen, dem Wunsch des Vaters zu entsprechen und die Fahne zurückzubringen“, sagt Leypoldt. Die Tochter des Kriegsveteranen ist sehr beeindruckt von Deutschland und den Menschen und wünscht sich. „Wenn es mir möglich ist, möchte ich noch einmal hierher reisen und dann den Schwarzwald besuchen.“

Wie geht es jetzt mit der Fahne weiter? „Es scheint, dass die Feuerwehr Graben am ehesten dem Rechtsnachfolger der Freiwilligen Feuerwehr Lagerlechfeld entspricht“, sagt der Kasernenkommandant Leypoldt. „Eine Übergabe des Banners an die Gemeinde Graben erscheint vor diesem Hintergrund die sinnvollste Option.“ Am 9. Dezember soll die Fahne der Kommune übergeben werden.

Lesen Sie hierzu auch unsere Glosse: Sammeln aus Leidenschaft




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