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Bobingen

26.12.2019

Karl Rosengart hat ein ungewöhnliches Hobby

Recht klein ist die Piper, von der aus Karl Rosengart seine Luftbilder aufnimmt.
2 Bilder
Recht klein ist die Piper, von der aus Karl Rosengart seine Luftbilder aufnimmt.
Bild: Ingeborg Anderson

Karl Rosengart geht in die Luft und betreibt Heimatforschung aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Mehr über den Bobinger und sein ungewöhnliches Hobby.

Zwei bis drei Mal im Jahr geht Karl Rosengart in die Luft. Dann sitzt er in einem kleinen Piper Flugzeug Baujahr 1954 hinter dem Piloten und fotografiert. Vor mehr als 30 Jahren entdeckte der Bobinger diese Form der Heimatforschung für sich und dokumentiert so die Veränderungen der Singoldstadt aus luftiger Höhe. Derzeit sind seine Luftbilder in einer Ausstellung im Rathaus zu sehen.

Die Liebe zum Fliegen liegt bei Karl Rosengart in der Familie – sein Vater, der im Krieg bei der Luftwaffe war, steckte ihn an. Daher kennt er sich auch mit den Typen und technischen Daten der verschiedenen Maschinen bestens aus.

So verwundert es nicht, dass er den Kontakt zur „Sportfluggruppe Lechfeld“ fand und mit Pilot Erich Peter seinen ersten Flug unternahm. Der führte - noch ohne Kamera - über den Ammersee und zur Zugspitze. Das machte Spaß und die Welt aus der Vogelperspektive fand Rosengart faszinierend. „Warum nicht auch mal über Bobingen fliegen?“, fragte er sich bald darauf. Und das brachte ihn schließlich auf die Idee, regelmäßig aufzusteigen und die Entwicklung von Bobingen fotografisch festzuhalten. „Das erste Foto habe ich 1999 gemacht und zwar vom Krankenhaus und der Kapelle St. Wolfgang und Wendelin“, erinnert sich der Hobbyfotograf, der im bürgerlichen Leben als Verwaltungsbeamter im Augsburger Stadtarchiv beschäftigt war.

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Seit 2008 fotografiert Rosengart mit einer Digitalkamera

Bis ins Jahr 2008 fotografierte er analog auf Dia-Film, dann wechselte er zu einer Digitalkamera. Und es sieht so aus, als ob seine Tätigkeit im Stadtarchiv auch auf sein Privatleben abgefärbt hat, nämlich in der Leidenschaft etwas zu dokumentieren und leicht wieder abrufbar zu archivieren. Zunächst tat er das nur für sich selbst, aber bald begann er dem Bobinger Stadtarchiv und der Redaktion unserer Zeitung jedes Jahr eine CD mit den aktuellen Veränderungen zu übergeben.

Es ist ihm ein Bedürfnis, auf diese Weise einen Beitrag für seine Heimatstadt zu leisten. Er steht darüber hinaus mit örtlichen Heimatforschern wie Xaver Holzhauser, Georg Fritz oder Lorenz Schreiber in Kontakt. Denn möglicherweise entdeckt er aus der Luft Bodenauffälligkeiten, die auf eine Bebauung in vergangenen Jahrhunderten schließen lassen.

Der Bobinger bereitet seine Flüge über Bobingen akribisch vor

Aber damit, einfach ins Flugzeug zu steigen und zu fotografieren, ist es nicht getan. „Wichtig ist es, die Flüge akribisch vorzubereiten. Einmal um unnötiges Kreisen und Fluglärm zu vermeiden und zum Anderen um optimale Wetterbedingungen und das richtige Licht zu haben“, erklärt Karl Rosengart. Frühjahr und Herbst sind die geeignetsten Jahreszeiten. Extreme Föhnlage ist auch gut. Fotografiert wird dann ab einer gesetzlich vorgeschriebenen Mindesthöhe von 1000 Fuß (etwas über 300 Meter). Und das Ziel und die Anflugrichtung müssen exakt feststehen. Außerdem hält Rosengart, immer wenn er durch Bobingen geht, die Augen offen: Wo sind neue Baukräne, was tut sich auf den Straßen, wo sind Erdarbeiten? Wenn sich daraus etwas Interessantes ergibt, wird es als Ziel auf einer Stadtkarte eingezeichnet, von der er und der Pilot beim Flug je ein Exemplar vor sich haben.

Inzwischen kennt er seine Motive und deren Eigenheiten genau: „Sehr schwierig ist es, die Kirche in Waldberg zu finden und zu fotografieren, weil sie mit ihrem niedrigen Kirchturm von oben kaum auszumachen ist.“ Ein Ziel optimal zu fotografieren oder zu vermeiden, dass der Flügel der Piper im Bild ist, ist gelegentlich eine akrobatische Herausforderung für den Fotografen. Besonders wenn er dann das Fenster öffnet und sich weit hinauslehnt. „Aber bisher gab es keine brenzligen Situationen, es sind ja alles erfahrene Piloten“, erklärt er.

Obwohl er die Welt von oben sehr genießt, will Karl Rosengart selbst nicht fliegen lernen. Er erkundet sie lieber oft und gerne zusammen mit seiner Frau Mechthild im Wohnwagen, auf Radtouren oder beim Bergsteigen. In seiner Jugend fuhr er mit Begeisterung Rallyes.

Seine sehenswerte „Liebeserklärung aus der Luft“ im ersten und zweiten Stock des Rathauses ist dort noch bis April 2020 zu sehen.

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