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Schwabmünchen

05.12.2019

Klingt langweilig, ist aber cool: Das Ehrenamt

Bei der Jugendübung der Freiwilligen Feuerwehr Untermeitingen proben die jungen Ehrenamtlichen die Handgriffe, die in einem echten Einsatz Leben retten. Neben dem Spaß an der Tätigkeit spielt auch die Freundschaft zwischen den Mitgliedern eine wichtige Rolle. 
Bild: Daniela Witt

Viele Vereine haben große Nachwuchsprobleme. Dabei macht ehrenamtliche Arbeit wie die bei der Feuerwehr Untermeitingen auch Jugendlichen Spaß.

Jetzt muss es schnell gehen und es darf kein Fehler passieren: Die Jugendlichen von der Feuerwehr haben den Unfallwagen mit dem verletzten Beifahrer erreicht. Sofort bekommt der Verunglückte am Hals eine Stütze angelegt, und eine Spezialtrage wird zur Rettung in Stellung gebracht. Da eine Verletzung der Wirbelsäule nicht auszuschließen ist, müssen sich die Retter genau abstimmen, um das Unfallopfer gleichzeitig anzuheben und vorsichtig auf die Trage zu legen. Für einen Moment verdecken mehrere Rücken mit der Aufschrift „Feuerwehr Untermeitingen“ die Sicht, dann geben sie den Blick auf einen lächelnden Patienten frei: Die Übung hat einwandfrei funktioniert.

So spannend kann es in einem Verein zugehen, der vom ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder lebt. Ehrenamt – das klingt für viele nach unbezahlter Arbeit in der Freizeit. Nach langweiligen Tätigkeiten auf dem Sportplatz, im Tierheim oder in der Kirche, die eben irgendjemand tun muss und die meist an Rentnern hängen bleiben. Weit gefehlt!

Viele Vereine klagen über Nachwuchsmangel bei den Ehrenämtern

Trotzdem klagen viele Vereine über Nachwuchsmangel. Da ist aktives Werben um junge Mitglieder gefragt; die Freiwillige Feuerwehr Untermeitingen ist dabei erfolgreich.

„Die Nachwuchsarbeit ist uns sehr wichtig“, berichtet Jugendfeuerwehrwart Manuel Fischer. „Ich bin selbst von klein auf im Ehrenamt tätig gewesen, und es ist mir eine große Herzensangelegenheit, die örtliche Feuerwehr und vor allem auch die Jugendfeuerwehr zu unterstützen.“ Als Gründe für Nachwuchsprobleme in vielen Bereichen sehe er, dass die Jugendlichen heute eine deutlich größere Bandbreite an Angeboten für ihre Freizeitgestaltung haben. Auch fühlten sie sich nach einem Umzug nicht mehr zu den ortsansässigen Vereinen hingezogen oder würden deren Freizeitangebote gar nicht kennen. Fischer rät, darauf zu reagieren: „Aktive Werbung kann bei Nachwuchssorgen helfen, man muss die Jugendlichen vor allem persönlich ansprechen.“

Auf anderem Wege kam Levi Reibl zur Freiwilligen Feuerwehr Untermeitingen: Der 18-Jährige war sechs Jahre lang in der Jugendfeuerwehr aktiv und wechselte mit der Volljährigkeit zur Erwachsenenwehr. „Ich wollte schon immer zur Feuerwehr und bin als Jugendlicher einfach zum Feuerwehrhaus hingegangen, habe nachgefragt und ratzfatz war ich in der Jugend“, berichtet er. Er hat sich nie Gedanken über ein spezielles Ehrenamt gemacht, habe damals nur seinen Traum vom Feuerwehrmann verwirklichen wollen und es bis heute nicht bereut.

Bei dem 16-jährigen Uwe Krabel war es ein Freund, der ihn vor einem Jahr zu einer Jugendfeuerwehrübung mitnahm. Er sei von der Gemeinschaft sofort begeistert gewesen und finde es toll, Menschen helfen zu können. „Leider fühlen sich einige Jugendliche zu cool, um freiwillig und ohne Bezahlung ein Ehrenamt auszuüben“, bedauert Krabel.

Die Freiwillige Feuerwehr Untermeitingen macht auch Teambuilding

Viele Teenager tauschen sich heutzutage lieber online mit anderen aus oder spielen, statt sich in der Gemeinschaft sozial zu engagieren. Das gefällt Jugendwart Fischer nicht: „Gerade die Gemeinschaft ist mir sehr wichtig.“ Und die steht bei der Untermeitinger Feuerwehr klar im Fokus. Zwar gibt es jeden Dienstag Jugendfeuerwehrübungen mit Theorie- und Praxisteil, bei denen die Teenager unter anderem lernen, Erste Hilfe zu leisten und Brände zu bekämpfen. Aber es gibt auch viele Teambuilding-Maßnahmen. Die fördern den internen Zusammenhalt und stärken das gegenseitige Vertrauen, das bei einem Einsatz unabdinglich ist. Das geschieht zum Beispiel beim Rafting, Stand-up-Paddling, Zelten oder Klettern. Dann gibt es noch regelmäßige Jugendabende mit Grillen und Kickerspielen. Das gefällt Sanuel Weiß besonders gut. „Diese Truppe und die Gemeinschaft sind einfach super, die ganzen Aktionen und Übungen schweißen uns zusammen. Hier habe ich auch neue Freunde gefunden“, sagt der 17-Jährige.

Die 15-jährige Stephanie Witt fasst zusammen: „Wir sind eine bunt gemischte Gruppe. Trotz der Unterschiede verstehen wir uns sehr gut und können uns aufeinander verlassen.“ Sie hofft, dass sich in Zukunft noch mehr Jugendliche dazu entschließen, sich für das Gemeinwohl zu engagieren – egal ob bei der Feuerwehr oder bei anderen ehrenamtlichen Organisationen. Es sei immer eine Bereicherung, mit und für Menschen oder Tiere zu arbeiten, sagt Stephanie und stellt klar: „Ehrenamt ist keine Arbeit, die nicht bezahlt wird, sondern Arbeit, die nicht mit Geld aufgewogen werden kann.“

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