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Königsbrunn

30.06.2020

Maskenstreit in Königsbrunn ist kein Einzelfall

In einem Königsbrunner Supermarkt eskalierte ein Streit um die Maskenpflicht. Doch das ist kein Einzelfall.
Bild: Marcus Merk (Symbolbild)

Plus Nach dem Streit in einem Königsbrunner Supermarkt: Mit welchen ähnlichen Vorfällen es die Polizei in den vergangenen Corona-Monaten schon zu tun hatte.

Wann muss die Schutzmaske aufgesetzt werden und wer muss sie tragen? Diese Fragen hatten sich im Fall von Daniel Baltres zu einem Streit hochgeschaukelt, der am Ende die Polizei auf den Plan rief. Der Mann wollte in einem Königsbrunner Supermarkt einkaufen – allerdings ohne Maske. Das hat einen Grund: Als Schwerbehinderter mit einer chronischen Lungenkrankheit ist er von der Maskenpflicht befreit. Ein klärendes Attest legte der 39-Jährige schließlich den verständigten Polizisten vor. Die hatten es in der Vergangenheit auch mit anderen Streitfällen zu tun. Eine Bilanz der vergangenen sechs Monate mit Corona.

Polizei: Maskenstreit in Königsbrunner Supermarkt ist kein Einzelfall

Im Bereich der Inspektion Bobingen wollte ein Kunde in einer Bäckerei keine Nase-Mund-Maske aufsetzen. Seine Weigerung brachte ihm schließlich eine Anzeige ein – sie ist mit 150 Euro verbunden. In einem anderen Fall musste die Polizei in einem Café eingreifen: Dort hatten sich Kunden an einem Tisch nicht an die Abstandsregeln gehalten. Eine Mitarbeiterin wies sie daraufhin. Als die Männer nach der wiederholten Aufforderung nicht reagierten, griff die Frau zum Telefon. Auch die Schwabmünchner Polizei wurde schon einmal zu einer Bäckerei gerufen, nachdem eine Kundin uneinsichtig war. Ähnliche Fälle gab es nach Auskunft der Polizei in einer Arztpraxis und an einem Imbissstand. Dort hatte der Verkäufer keine Maske auf. Dafür arbeitete er im Freien und hatte einen Spukschutz aufgebaut. Trotzdem gefiel das Kunden nicht. Sie verständigten die Polizei. Um seine Kunden zu beruhigen, zog der Verkäufer schließlich eine Maske auf – obwohl er eigentlich nicht dazu verpflichtet ist.

Daniel Baltres, der in Königsbrunn in einem Supermarkt einkaufen wollte und Ärger bekam, beharrte dagegen auf seinem Recht. Das bekam er auch von der Supermarktkette. Sie betonte, dass Kunden auch ohne Maske einkaufen könnten, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen von der Pflicht befreit seien. Das entsprechende Attest hatte Baltres allerdings erst der Polizei vorgelegt und nicht der Filialleiterin, die ihm gedroht hatte, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen. Nachdem sich der Streit hochgeschaukelt hatte, bot sie Baltres eine Maske an. Der erklärte, dass er sich zur Wehr setzen würde, wenn die Frau ihm abermals im Gesicht berühren sollte.

Seinen Schwerbehindertenausweis hat Daniel Baltres immer bei sich. Er ist von der Maskenpflicht befreit. Trotzdem bekam er Ärger in einem Supermarkt in Königsbrunn.
Bild: Baltres

Eine Zeugin sieht den Königsbrunner Maskenstreit anders

Baltres macht der Vorfall im Nachhinein zu schaffen. Er fühlt sich angefeindet. Eine Gruppe habe ihn umzingelt und er sei öffentlich gedemütigt worden. Sandra Lang aus Kleinaitingen widerspricht. Sie hatte den Streit in dem Supermarkt in Königsbrunn miterlebt und schildert ihn so: „Herr Baltres wurde in keinster Weise diskriminiert. Nach dem Hinweis, er müsse eine Maske tragen und seiner Aussage, er sei befreit, wegen einer chronischen Lungenerkrankung, wurde er darauf hingewiesen, dass er darüber ein Attest haben müsste, antwortete er nur äußerst arrogant: Vielleicht habe ich das ja.“ Vorgelegt habe er es aber nicht. Er sei auch nicht von der Filialleiterin und Kunden umzingelt und gedemütigt worden.

Streitigkeiten wegen der Maskenpflicht oder Abstandsregeln sind nach Auskunft der Polizeiinspektionen in Bobingen und Schwabmünchen übrigens nicht an der Tagesordnung. Wenn doch, „dann sind wir bemüht, Einsicht zu gewinnen“, erklärt der Bobinger Dienststellenleiter Artur Dachs. Gewerbetreibende hätten die Regeln von Anfang an sehr konsequent umgesetzt und ihre Kunden darauf aufmerksam gemacht. Das hat jüngst auch ein Mitarbeiter von Starbucks in den USA: Er verweigerte einer Kundin die Bedienung, weil sie keine Maske trug. Der 24-Jährige wurde rüde beschimpft. Die Vorfall wurde bekannt und kursierte im Internet, wo eine Spendenkampagne für den jungen Barista gestartet wurde – mittlerweile sind über 80.000 Euro Trinkgeld zusammengekommen.

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