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Untermeitingen

01.05.2019

Muskelkraft beim Maibaumfest

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Untermeitingen bekommt nach drei Jahren einen neuen Maibaum. Die Feuerwehr stellte ihn ohne Kran auf.
Bild: Daniel Weber

Jede Gemeinde begeht den Maianfang auf ihre Weise. In Untermeitingen  stellen die Feuerwehrmänner den neuen Maibaum auf – ohne Kran und technisches Gerät.

Der knapp 29 Meter lange Stamm zeigt im 45-Grad-Winkel in die Wolken. Der metallene Hahn auf der Spitze schwankt auf und ab, während er sich Zentimeter für Zentimeter immer weiter in die Luft erhebt. Unter den neugierigen Augen der Feiernden müht sich am Fuß der hölzernen Säule eine Gruppe Feuerwehrleute an den beiden Hebeln eines großen Seilzugs ab, begleitet und angefeuert von der Musikkapelle. Die Böllerschützen sind bereits in Stellung. Gleich hat Untermeitingen einen neuen Maibaum.

Wie genau der Maibeginn gefeiert wird, ist in den Gemeinden unterschiedlich. Einen neuen Maibaum gibt es auch nicht überall: In Untermeitingen beispielsweise werde nur alle drei Jahre das weithin sichtbare Symbol ausgetauscht, berichtet Bürgermeister Simon Schropp. Er entschuldigt sich in seiner Rede auf dem Maibaumplatz dafür, nicht alle Helfer aufzuzählen – es seien einfach zu viele. Bevor die Spitze des Baumes nun für die nächsten drei Jahre über den Häusern thront, gab es viel zu tun. Nach dem Fällen eines geeigneten Baumes schälen freiwillige Helfer dem Stamm, befreien ihn also von seiner Rinde. Dann wird verziert: In Untermeitingen heißt das, dass Heribert Konrad zum Schnitzwerkzeug greift, während mehrere Vereine die großen Kränze vorbereiten und die eigens angefertigten Schilder bemalen, die weitere Helfer später am Stamm befestigen. Doch ein Maibaum ist stets in Gefahr, solange er noch nicht senkrecht steht: Die Jugend der umliegenden Gemeinden beobachtet die Vorbereitungen mit Argusaugen und wartet nur auf einen Moment der Unaufmerksamkeit, um den Maibaum zu entführen.

Die Untermeitinger Jugend bewachte den Maibaum und feierte dabei

Untermeitingen bleibt diese Peinlichkeit und das folgende Auslösen mit reichlich Bier und Brotzeiten für die Entführer erspart: Die Jugendabteilung der Feuerwehr, die Tischtennis-Jugend und andere junge Untermeitinger lassen den Maibaum keine Sekunde aus den Augen, bis er fertig geschmückt ist. Untermeitingens Jugendpfleger Manuel Fischer organisiert die Wache über das Jugendhaus. In der Halle können die jungen Aufpasser nicht nur die Arbeiten am Baum beobachten, sondern auch ausgelassen feiern: Eine alkoholfreie Cocktailbar, eine Lichtanlage, Musik und eine Leinwand zum Filmeschauen machen die zwei Tage zum Event, außerdem gibt es eine Maibaum-Tischtennismeisterschaft. Ausruhen können sich die Feiernden auf 40 Feldbetten direkt vor Ort. Das Ganze sei ein anstrengendes, aber sehr cooles Wochenende gewesen, so Fischer, und eine Teambuilding-Maßnahme für die jungen Leute. „Obwohl die Feuerwehrjugend wegen zwei größerer Einsätze ausrücken musste, waren immer genügend Leute beim Baum“, berichtet der Jugendpfleger. Das sei auch nötig gewesen: Mehrmals kundschaften Unbekannte die Umgebung aus.

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Mit einem Seilzug brachten die Feuerwehrleute den Untermeitinger Maibaum in die Senkrechte.
Bild: Daniel Weber

1977 wird nach langer Pause erstmals wieder ein Maibaum aufgestellt, sagt Bürgermeister Schropp. Seitdem sei der Gemeinde noch kein Exemplar abhandengekommen. Dass bei den Vorbereitungen so viele Vereine und Privatpersonen beteiligt sind, gefällt Schropp besonders, das stärke den Zusammenhalt einer Gemeinde.

Die Feier findet dieses Jahr zum ersten Mal direkt unter dem Maibaum statt und nicht im Pfarrheim und sei deswegen attraktiver, erklärt Schropp – vor allem für Familien. Das bestätigen die vielen Kinder, die abwechselnd ausgelassen spielen und gebannt beobachten, wie sich der Stamm langsam aufrichtet.

Den Maibaum mit eigener Kraft aufzustellen hat Symbolcharakter

Zu Beginn der Feierlichkeiten rollt ein Fahrzeug mit dem Maibaum langsam die Fuggerstraße entlang in Richtung Maibaumplatz, angeführt von Vereinen, Fahnenträgern und Musikkapelle. Am Ziel angekommen unterhalten die Musikkapelle und mehrere Kindertanzgruppen die Zuschauer. Während diese essen, trinken und sich amüsieren, müssen andere arbeiten: Die Feuerwehr stellt den Maibaum auf – mit bloßer Muskelkraft. Kommandant Jürgen Pech hat fast 30 Männer und Frauen im Einsatz, die den Gefahrenbereich absichern und den Stamm stabil halten, während sie die rund zwei Tonnen schwere Last mit dem Seilzug in die Senkrechte bringen. Manche Gemeinden benutzten einen Kran, um den langen Stamm sicher aufzustellen, erklärt Pech. Wie um seine Worte zu bestätigen, fährt ein Kranwagen am frisch aufgestellten Maibaum vorbei, der andernorts seine Arbeit erledigt hat. In Untermeitingen habe man bewusst auf dieses Hilfsmittel verzichtet, sagt Pech. Das Aufstellen aus eigener Kraft habe schließlich einen Symbolcharakter.

Alles sei gut gelaufen, berichtet der Kommandant, als die stählerne Sicherung den Maibaum fest umschließt. Er und seine Kollegen waren gut vorbereitet: Weil der Einsatz am Maibaum nur alle drei Jahre anfällt und deshalb keine Routine ist, hätten sie schon am Vortag mit dem Seilzug geübt. Nach getaner Arbeit mischen sich auch die Einsatzkräfte unter die Feiernden.

Was mit dem alten Maibaum geschehen ist, verrät der Bürgermeister: Teile wurden als Schwedenfeuer auf dem Christkindlesmarkt verschürt, den Rest verkaufte der Bauhof als Brennholz.

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