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Königsbrunn

28.04.2020

Neue Regeln in Königsbrunner Wohnviertel: Ehepaar zieht weg

Suzanne Ebner und Ludwig Hofmann (links) wollten ihr Haus verkaufen und im Garten einen Bungalow bauen. Weil das nun nicht mehr geht, ziehen sie weg, ebenso wie Wolfgang Leis und Claudia Pfannerer.
Bild: Adrian Bauer

Plus Der Stadtrat hat Nachverdichtungen im Königsbrunner Wohnviertel am Eichenplatz erlaubt. Die Regeln durchkreuzen die Pläne von Suzanne Ebner und Ludwig Hofmann.

Der Königsbrunner Stadtrat hat im Januar die Neufassung des Bebauungsplans 2 beschlossen. Ziel der Übung: In den Siedlergrundstücken im Umfeld des Eichenplatzes wollte man eine maßvolle Nachverdichtung ermöglichen und einen festen rechtlichen Rahmen, sodass man nicht ständig über Ausnahmen sprechen muss. Das Ehepaar Suzanne Ebner und Ludwig Hofmann gehört zu den Hausbesitzern, die gerne nachverdichtet hätten. Trotzdem ist die Entscheidung des Rates für sie eine komplette Katastrophe wegen der sie nun die Stadt verlassen.

Königsbrunner Paar wollte sein Haus verkaufen

Eigentlich hatte das Paar sich die Zukunft schön ausgemalt. Ihr bisheriges Wohnhaus an der Buchenstraße wollten Suzanne Ebner und Ludwig Hofmann verkaufen und mit dem Geld einen altersgerechten Bungalow im hinteren Teil des 963 Quadratmeter großen Grundstücks errichten. Von den Finanzen her hätte es gepasst, sagt Suzanne Ebner: „Wir hatten ein Angebot von einem Bauträger für unser Haus. Nach Abzug der Kosten für den Bungalow wären sogar noch 5000 Euro übrig geblieben.“

Erste Kontakte mit dem Bauamt stimmten die Familie ebenfalls positiv, sodass sie schon einmal einen Teich auf dem Grundstück zuschütten ließ, wo später einmal das neue Haus stehen sollte. Eine zweite Einfahrt aufs Grundstück gibt es seit Langem. Das bestehende Haus, Suzanne Ebners Elternhaus, wurde zwar bereits 1962 gebaut, doch die Familie hat es bestens in Schuss gehalten und über die Jahre viel Geld investiert. Die Familie sah also keinen Grund, warum es mit der Umsetzung ihrer Pläne nicht klappen sollte.

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Baustreifen wurde immer kleiner

Wolfgang Leis hat als Stadtrat die Planungen verfolgt. Dazu sind er und seine Frau Claudia Pfannerer Nachbarn und Freunde von Familie Ebner/Hofmann und somit auch in deren Wünsche eingeweiht. Die ersten Entwürfe für die Neufassung des Bebauungsplans sahen auch gut aus, befindet Leis: „Herr Lohmann, unser Stadtplaner, hatte einen schönen breiten Baustreifen vorgesehen.“ Doch im Lauf der Besprechungen wurde dieser Streifen immer kleiner.

Geeinigt hat sich der Stadtrat letztlich – bei vier Gegenstimmen – auf einen 25 Meter breiten Streifen auf den Grundstücken, in denen neue, zweigeschossige Häuser errichtet werden dürfen. Eingeschlossen ist die Möglichkeit, Grundstücke zu teilen und Doppelhäuser zu bauen. Ausdrücklich ausgeschlossen wurden Reihenhäuser, Gebäude mit mehr als drei Stockwerken und der Bau eines zweiten Hauses im hinteren Teil des Grundstücks. Man habe sich entschieden, extrem lange Zufahrten und kleinere Gärten zu vermeiden. Durch die Entscheidungen soll der Charakter des Gebiets als „Villenviertel“ mit viel Grün erhalten bleiben.

Die Entscheidung war eine kalte Dusche für Suzanne Ebner und Ludwig Hofmann und hat ihre Zukunftsplanung völlig über den Haufen geworfen. Sie waren 2004 nach Königsbrunn gezogen, weil Suzanne Ebners Mutter Pflege brauchte und sind gerne geblieben: „Wir haben hier eine tolle Nachbarschaft, es hat uns immer gefallen.“ Doch nun haben sie sich ihren Wunsch nach einer altersgerechten Wohnung in Untermeitingen erfüllt und ziehen im nächsten Jahr um.

Kein Verständnis für Entscheidung des Stadtrats

Verständnis für die Entscheidung des Stadtrates haben sie nicht. Die Errichtung eines Doppelhauses kommt für das Paar nicht infrage: Während der Bauzeit hätten sie keine Wohnung und keinen Platz, um ihre Habe einzulagern. Das Argument vom Siedlungscharakter zieht für Suzanne Ebner nicht: In benachbarten Straßen entstünden teils Doppel- und Mehrfamilienhäuser, die auch nicht ins Viertel passen würden. Rechtlich gesehen lägen die aber in einem anderen Bebauungsplan oder in einem Bereich ohne Vorgaben, ergänzt Wolfgang Leis.

Doch auch für ihn war die Entscheidung ein Einschnitt: „Wir hatten vorher schon überlegt, uns noch einmal zu verändern. Aber das hatte zunächst keine Priorität.“ Dass die Freunde gezwungenermaßen die Stadt verlassen, änderte das. Nun geht auch Familie Leis/Pfannerer nach 18 Jahren aus Königsbrunn weg und lässt sich im Allgäu nieder. „Für uns wurde hier etwas angepriesen, aber nicht gehalten“, sagt Leis. Er habe von mehreren Familien gehört, deren Kinder nun wegziehen müssten, weil geplante Bauvorhaben nicht umgesetzt werden können.

Suzanne Ebner und Ludwig Hofmann suchen nun noch Käufer für ihr bestehendes Haus. Wegen der Corona-Krise sind derzeit keine Besichtigungen möglich. Zweifel, dass sie die Immobilie zu einem guten Preis verkaufen können, haben sie nicht. „Für uns wird das ein Neuanfang. Das Gute in Untermeitingen ist, dass im Umfeld unserer Wohnung alle neu einziehen“, sagt Suzanne Ebner.

Daher sind sie guten Mutes, dort wieder eine so gute Nachbarschaft zu finden, wie sie sie in Königsbrunn schon hatten.

Lesen Sie auch den Kommentar von Adrian Bauer: Wie würden Sie entscheiden?

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