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Schwabmünchen

23.02.2021

Organspende: Mutter des herzkranken Daniel aus Schwabmünchen startet Petition

Diana Dietrich hat eine Online-Petition ins Leben gerufen. Ihr Ziel: Eine Volksabstimmung über die Organspende. Ihr drei Jahre alter Sohn Daniel wartet seit mehr als 800 Tagen im Uniklinikum Großhadern auf ein Spenderherz.
Bild: Diana Dietrich

Plus Der kleine Daniel wartet seit 820 Tagen auf ein Spenderherz. Seine Mutter möchte, dass die Deutschen in einer Volksabstimmung über das Thema Organspende abstimmen können.

Diana Dietrich aus Schwabmünchen, die Mutter des kleinen Daniel, der seit mehr als 800 Tagen im Krankenhaus auf ein Spenderherz wartet, hat eine Online-Petition für die Widerspruchsregelung bei der Organspende ins Leben gerufen. Ihr Ziel: Eine bundesweite Volksabstimmung über das Thema. Solche Abstimmungen gibt es in Deutschland in dieser Form eigentlich nicht.

"Abstimmung21" will Bürgern mehr Mitspracherecht ermöglichen

Ermöglichen soll sie unter anderem die gemeinnützige Petitionsplattform change.org, die zusammen mit anderen Organisationen das Projekt "Abstimmung21" ins Leben gerufen hat und sich dafür einsetzt, dass die Bürger mehr Mitspracherecht in der Politik bekommen. Abstimmung21 ist mittlerweile ein eigener Verein. "Gemeinsam mit anderen Initiativen organisieren wir im Jahr 2021 die erste bundesweite Volksabstimmung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Die Menschen werden zur Bundestagswahl 2021 über vier gesellschaftlich relevante Themen abstimmen können: Klimawende 1,5 Grad, Bundesweite Volksabstimmung sowie zwei Themen, die über Petitionsplattformen ermittelt werden", so der Plan des Vorhabens von Abstimmung21. Eines dieser beiden Themen könnte die Widerspruchsregelung bei der Organspende sein. Denn über die beiden Petitionen mit den meisten Unterschriften sollen schließlich die Bürger abstimmen. Momentan ist Diana mit gut 24.000 Unterschriften (Stand Montagnachmittag) auf Platz eins. "Mit genügend Unterschriften haben wir die Möglichkeit, im September an Deutschlands erster bundesweiter Volksabstimmung teilzunehmen. Ich hoffe, die Politik hält sich an ihr Wort", so die Mutter des schwer kranken Daniels.

Die Idee der Petition kam ursprünglich aus der Organspende-Whatsapp-Gruppe, der Diana angehört. Zusammen mit Dennis Günther-Gemeinhardt setzt sie sich in der Petiton für die Widerspruchslösung ein. Günther-Gemeinhardt ist 41 Jahre alt, kommt aus Hamburg und ist seit 13 Jahren herztransplantiert. Bereits mit 20 hatte er Herzinfarkte und das Organ war stark geschwächt. "Hätte ich acht Jahre später nicht das Glück gehabt, dass mein Spender einen Organspendeausweis hatte, wäre ich heute nicht mehr am Leben! Wir brauchen in Deutschland einen Bewusstseinswandel", sagt er.

Das ist die Widerspruchsregelung

Die Widerspruchsregelung sieht vor, dass sich jeder Mensch einmal im Leben mit dem Thema Organspende befassen muss. Möchte er seine Organe nach seinem Tod nicht spenden, muss er aktiv widersprechen, zum Beispiel in einem Organspendeausweis. Man kann sich auch nur bereit erklären, ein Organ zu spenden. Wer zu Lebzeiten nicht widerspricht, ist im Falle eines Hirntodes automatisch Organspender. Gibt es keine Erklärung, werden aber auch noch die Angehörigen befragt und können einer Organentnahme widersprechen, indem sie überzeugend darlegen, dass der Verstorbene gegen eine Spende war. Erst im vergangenen Jahr entschied sich die Politik aber gegen diese Regelung, deshalb gilt nach wie vor die alte - die Entscheidungslösung.

Diese Regelung gilt aktuell in Deutschland

Die Entnahme von Organen und Geweben nach dem Tod ist nur zulässig, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten zugestimmt hat. "Das führt dazu, dass seit Jahren ein Mangel an Spenderorganen in Deutschland herrscht, da man sich zu Lebzeiten nicht unbedingt mit dem Thema Organspende auseinandersetzen muss", argumentieren Diana Dietrich und Dennis Günther Gemeinhardt im Petitionsschreiben.

2017 stellten nur 797 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe zur Verfügung. Erstmals seit 2010 war die Zahl der Organspender im Jahr 2018 wieder auf 955 Menschen gestiegen. Aber auch das reicht lange nicht aus, um den knapp 10.000 schwer kranken Menschen auf der Organ-Warteliste das Leben zu retten. In Deutschland wartet man durchschnittlich sieben bis zehn Jahre auf eine Nierentransplantation. "Damit liegen wir im europäischen Vergleich auf einem der hintersten Plätze. In Spanien wartet man nur ein Jahr, weil dort das Widerspruchsrecht gilt", sagen die beiden.

Die Widerspruchsregelung gilt bereits in vielen Ländern Europas. Deutschland bekommt Organe über den Verbund von Eurotransplant zugewiesen. Dort sind acht Länder vereint und alle haben die Widerspruchsregelung - außer Deutschland. Wenn wir nicht bei Eurotransplant wären, würde es bei uns noch katastrophaler aussehen. Deutschland profitiert von der Widerspruchsregelung der anderen Länder.

"Jeden Tag sterben Menschen in Deutschland, weil sie nicht rechtzeitig ein lebensrettendes Spenderorgan bekommen. Aus diesem Grund fordern wir die Widerspruchsregelung in der Organspende! Helft mit, Leben zu retten: Bitte unterschreibt diese Petition und teilt sie auf Euren Social Media Accounts", fordert Diana Dietrich die Menschen auf. Wer das Vorhaben unterstützen möchte, kann hier unterschreiben: http://change.org/Organspende-A21

Daniel, der an einer vergrößerten Herzkammer leidet, geht es derzeit nicht so gut, wie Diana Dietrich am Telefon erzählt. Er hängt an einem künstlichen Herz. Der Schlauch der Maschine ragt in seinen Brustkorb und dort haben sich Keime gebildet. Daniel hat Fieber und muss Antibiotika schlucken. Seit weit mehr als zwei Jahren warten die beiden im Krankenhaus in Großhadern auf ein Spenderherz für Daniel. "Unsere Kräfte sind am Ende. Aber man muss einfach weitermachen", sagt Diana, die sich seit Langem unermüdlich für das Thema Organspende einsetzt.

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