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Königsbrunn

17.10.2019

Stehen hier bald Ampeln statt des Kreisverkehrs?

Ampel statt Kreisverkehr? Ein Gutachter brachte einen Umbau der Kreuzung Bürgermeister-Wohlfarth-Straße/Römerallee ins Spiel.
Bild: Adrian Bauer

Ein Planer macht den Stadträten wenig Hoffnungen auf einfache Lösungen für eine Reduzierung des Verkehrs im Zentrum. Was für tragfähige Konzepte noch fehlt.

Der Umbau der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße, die Pläne für den Aufbau eines neuen, attraktiveren Stadtzentrums, die geplanten neuen Wohngebiete, die Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 bis zum ZOB – die bestimmenden Großprojekte der nächsten Jahre haben eines gemeinsam: Sie beeinflussen den Verkehrsfluss in der Stadt ganz entscheidend. Deshalb muss sich der Stadtrat auch Gedanken über ein neues Verkehrskonzept machen. Am Dienstagabend wurde in der Sitzung ein erstes Gutachten vorgestellt, das bei vielen Räten nicht gut ankam.

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Timotheus Wischniowski vom Augsburger Ingenieurbüro Schlothauer und Wauer hatte anhand der Ergebnisse der Verkehrszählung 2018 und weiterer Daten der Stadt ausgerechnet, wie sich der Verkehr in der Innenstadt bis 2030 entwickeln dürfte. Sein Ergebnis: Wenn man erreichen möchte, dass weniger Autos durch die Bürgermeister-Wohlfarth-Straße rollen, muss man etwas tun: „Die geplante Temporeduzierung von 30 auf 20 Stundenkilometer in einem Abschnitt des Zentrums wird keinen Einfluss auf die Zahl der Autos im Zentrum haben“, sagte Wischniowski.

Natürliche Steigerung und Aufwertung des Zentrums ziehen mehr Verkehr an

Grundsätzlich rechnet der Planer damit, dass sich bis 2030 die Zahl der Autos in der Innenstadt um sechs Prozent erhöht und zehn Prozent mehr Autos über die Umgehungsstraßen rollen. Dabei seien die Auswirkungen des Tram-Anschlusses bereits berücksichtigt. Die neuen Baugebiete am Stadtrand und geplante Wohnbebauung in der Innenstadt, sowie das neu gestaltete Zentrum ziehen zusätzliche Autofahrer an. Reduzieren ließe sich die Menge an Autos nur bedingt. „Verkehrsteilnehmer weichen nur aus, wenn sie dadurch Zeit sparen“, sagte Wischniowski.

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Ein Patentrezept hatte er dafür nicht im Gepäck. Auf Basis der Daten, die ihm vorlagen, konnte er den Räten nur empfehlen, die Rathausstraße nicht wieder für den Verkehr zu öffnen: „Das würde nur noch mehr Autos anziehen.“ Beim gegenwärtigen Stand der Planungen sei die einzige Möglichkeit, den Verkehr zu reduzieren, der Umbau der beiden Kreisverkehre im Norden und Süden zu Ampelkreuzungen. Durch Schaltungen könne man den Weg in die Innenstadt weniger attraktiv machen.

Königsbrunner Räte müssen entscheiden, wie autofreundlich sie sein wollen

Vertreter mehrerer Fraktionen kritisierten die aus ihrer Sicht wenig erhellenden Aussagen des Gutachtens. „Jetzt sind wir so schlau wie vorher“, sagte Verkehrsreferent Jürgen Raab (Freie Wähler). Auch Alwin Jung (Grüne) wollte wissen, ob damit wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden. Das Gutachten habe für Königsbrunn den Mehrwert, dass man nun einen berechneten Ausblick auf die Verkehrsentwicklung der nächsten Jahre habe, sagte Wischniowski. Den Grund für die eher überschaubaren Lösungsansätze lieferte er auch noch mit: Für tiefer gehende Lösungsansätze braucht es politische Entscheidungen. Wenn die Stadträte sich entschließen würden, dass man deutlich weniger Autos auf den Straßen haben wolle, könne man dafür Konzepte liefern, genauso wie für den Ausbau der bestehenden Straßen, sagte der Verkehrsplaner. Ersteres mache gerade bei Projekten in Tübingen, auf der anderen Seite sei man in München am Ausbau diverser Knotenpunkte beteiligt.

Den Vorteil, belastbare Zahlen zu haben, strich Bürgermeister Franz Feigl heraus. Nun brauche man Entscheidungen, wie es weitergehen soll. Ein weiteres Gutachten zum Öffentlichen Nahverkehr ist bereits in Auftrag gegeben. Christian Toth (FDP/BF) bezeichnete das Gutachten als werthaltig: „Es gibt uns einige Hausaufgaben mit.“ Es zeige, dass man Geld in die Hand nehmen müsse, um den Verkehr zu steuern. Daher sei es sinnvoll, das Geld zunächst in solche Projekte zu investieren, statt ins Zentrum. In jedem Fall solle das Gutachten ins Stadtentwicklungskonzept einfließen. Peter Sommer (BbK) sagte, das Gutachten bringe keine Patentlösungen, sondern Orientierung. „Wir müssen jetzt überlegen, was wir wollen und dem Planer dann umfangreiche Fragen liefern, damit er sie beantworten kann.“ Ludwig Fröhlich (Freie Wähler) regte an, eine Verbindung von der Ausfahrt Königsbrunn Nord nach Bobingen wieder ins Auge zu fassen. Damit ließe sich viel Verkehr umlenken.

Werner Lohmann, der Leiter des Technischen Bauamts, unterstrich, dass das Gutachten gezeigt habe, dass es prinzipiell möglich sei, die Zahl der Autofahrer, die durch das Zentrum hindurchfahren, reduzierbar sei. Damit sei zumindest bestätigt, dass man mit den bisherigen Planungen richtig liege.

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