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Königsbrunn

07.10.2019

Stets in Vaters Fußstapfen

Wie der Vater so die Söhne: (von links) Michael und Elias Königsberger sowie Claus und Josef Schüßler. Elias Königsberger hat seine Ausbildung zum Maler und Lackierer im selben Betrieb wie sein Vater Michael angetreten. Sein Lehrmeister ist Claus Schüßler. Vater Michael lernte 1984 noch bei Josef Schüßler.
Bild: Claudia Deeney

Der 16-jährige Elias Königsberger erlernt nicht nur den gleichen Beruf wie sein Vater Michael, er macht seine Lehre auch im selben Betrieb. Was der damalige Lehrherr noch über seinen früheren Lehrling weiß.

Wie der Vater, so der Sohn. Das kann ein sehr guter Weg sein, den Elias Königsberger auf diese Weise eingeschlagen hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Berufsanfängern wusste der 16-Jährige aus Oberottmarshausen schon früh ziemlich genau, welchen Weg er einschlagen möchte und auch, was auf ihn zukommen wird. Es geht sozusagen um Familientradition und gute Erfahrungen.

Zwei Meistertitel sollen es werden

Für ihn stand fest, dass er nach dem Abschluss der Mittleren Reife eine Ausbildung zum Maler und Lackierer machen will. „Ich habe sowohl ein Praktikum in meinem jetzigen Lehrbetrieb gemacht als auch in einem Elektrounternehmen, und für mich war klar, ich werde Maler und Lackierer“, sagt Elias Königsberger.

Nicht nur, dass sein Berufswunsch feststand, er hat auch schon seinen weiteren Werdegang nach der Ausbildungszeit von drei Jahren im Visier. Seinen Meister möchte er machen und anschließend auch noch zusätzlich den Gerüstbaumeister. Eventuell steht auch noch die Berufsoberschule auf dem Programm.

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Einsatz in Monaco

Jede Menge Pläne also, und obwohl der Lehrling gerade erst angefangen hat, kennt er sich sehr gut aus im Metier. Was sicher auch daran liegt, dass sein Vater Michael 1984 genau denselben Beruf in genau demselben Betrieb angefangen hat zu lernen. Heute ist Michael Königsberger mit einem eigenen Betrieb in Oberottmarshausen selbstständig.

Seine Motivation damals, bei Josef Schüßler in Königsbrunn Maler und Lackierer zu lernen, war freilich eine ganz andere als bei seinem Sohn, erinnert er sich: „Meine Freunde haben dort zum Teil schon gelernt, und da fand ich, es wäre doch eine gute Idee, ebenfalls in dem Betrieb in Königsbrunn meine Ausbildung zu beginnen“, sagt er und lacht.

Rückblickend erinnert er sich, dass er nach seiner Ausbildung zusammen mit anderen Kollegen rund drei Monate in Monaco im Einsatz war. Ein Privatkunde aus dem Raum Augsburg hat dort seinerzeit eine Villa errichtet und den Betrieb Schüßler für die Malerarbeiten engagiert. „Das war eine tolle Zeit, so was erlebt man eher selten, ich war da gerade um die 18 Jahre alt“, so Königsberger Senior.

Der Lehrling wurde selbst Unternehmer

Wobei der wirkliche Senior im Gespräch mit unserer Zeitung Josef Schüßler ist. 1972 hat der heute 83-Jährige seine Firma von Augsburg nach Königsbrunn in die Blumenallee verlegt, und obwohl er zahlreiche junge Männer ausgebildet hat, kann er sich recht gut an Michael Königsberger als Lehrling erinnern, wie er augenzwinkernd verrät: „Der Michael war ein sehr guter Lehrling, aber ich war ein bisschen erstaunt über seine Abschlussprüfung, die war gut, hätte aber eigentlich ein bisschen besser sein können.“

Schüßler senior hatte damals auch einen Verdacht, warum sein Auszubildender schwächelte, wie er sagt: „Ich glaube, er hatte Liebeskummer.“

Bis dessen Sohn Elias seinen Abschluss in der Tasche hat, wird es noch eine ganze Weile dauern, aber Claus Schüßler kann als Lehrmeister eins jetzt schon sagen: „Ich bin sehr froh, dass er bei mir seine Ausbildung macht, er ist sehr engagiert und keiner, der pünktlich zu Feierabend den Pinsel wegwirft.“

Das hat nicht nur familiäre und persönliche Hintergründe, denn natürlich kennen sich Michael Königsberger und Claus Schüßler schon sehr lange, sondern Letztgenannter hat auch ganz andere Erklärungen, wie er darlegt: „Es ist schwer, gute Auszubildende zu finden, ins Handwerk wollen viele junge Menschen heute nicht mehr, schon gar nicht mit Realschulabschluss.“

Dabei habe das Handwerk eine sehr gute Auslastung und auch Zukunft. Und natürlich sei es nicht damit getan, einfach Wände anzumalen, wie Michael Königsberger verdeutlicht: „Farbenlehre, Werkstoffkunde, Gestaltung, Techniken, Kalkulationen und auch Kundengespräche sind nur ein paar Bereiche, die heute zur rund drei Jahre langen Ausbildung dazugehören.“

Unternehmer wie Claus Schüßler, der den Betrieb von seinem Vater Josef 2004 übernommen hat, unterscheiden zwischen Privatkunden und Bauunternehmen. Gerade bei Ersteren ist der Umgang mit dem jeweiligen Auftraggeber ein sensibles Thema, den die Berufsschulen heute auch entsprechend aufgreifen. „Man muss Kunden fachlich gut beraten und auch mal sanft etwas ausreden können“, so Schüßler junior.

Wie denn genau so eine Ausbildung in seinem Betrieb aussieht, wollen wir gerne wissen, und er antwortet: „Elias kommt vom ersten Tag an einfach mit und lernt so von Anfang an praktisch alles, was anfällt – ganz nach dem Prinzip Learning by doing.“

Und was gefällt dem Junior an seiner Ausbildung bis jetzt? „Ich sehe, was ich geschaffen habe, vor mir, das finde ich gut“, so Elias und er versichert glaubhaft: „Dass ich den gleichen Beruf wie mein Vater ergreifen will, ist meine ganz freie Entscheidung, er hat mir da nicht reingeredet.“

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