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Königsbrunn

03.08.2014

„Talente“ machen den Rollstuhl mobiler

Mit seinem Elektro-Rollstuhl kann Halil Özcan das neue Fahrzeug nutzen, das vom Fritz-Felsenstein-Haus dem Carsharing-Verein Königsbrunner Autoteiler zur Verfügung gestellt wird. Das Pilotprojekt haben organisiert (hinten von links) Achim Friedrich vom MehrGenerationenHaus, Gregor Beck vom Felsenstein-Haus, Jürgen Müller (Autoteiler) und Ulrich Galas (Zeitbörse).
Bild: Schmid

Für ein bundesweit einmaliges Angebot kooperiert das Felsenstein-Haus mit Autoteiler und Zeitbörse

Königsbrunn Wenn bisher ein Rollstuhlfahrer von Königsbrunn nach Augsburg will und dazu ein speziell ausgestattetes Taxi bucht, dann kostet ihn diese Fahrt rund 100 Euro. Künftig muss er oder sie für eine solche Fahrt nur noch etwa 15 Euro aufwenden. „Das heißt, die Monatspauschale für Mobilität, die 100 oder 200 Euro beträgt, reicht jetzt für viel mehr Fahrten“, erläutert Gregor Beck, „ein großer Gewinn an Lebensqualität“. Dafür hat der Geschäftsführer des Fritz-Felsenstein-Hauses (FFH) eine Kooperation eingefädelt, die bundesweit einmalig ist – und nutzt „Talente“ besonderer Art.

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Das Königsbrunner Förderzentrum für schwer- und mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche hat einen Kombi vom Typ Peugeot Expert TP angeschafft und den 36000 Euro teuren Achtsitzer für weitere 9000 Euro zum Rollstuhl-Transporter umbauen lassen. 70 Prozent davon trägt die Aktion Mensch, den Rest finanziert das Felsenstein-Haus aus Spenden.

Dieses Auto soll aber nicht nur den vom FFH Betreuten nützen, sondern möglichst vielen Rollstuhlfahrern in der Region. Deshalb stellt das FFH es dem Carsharing-Verein Königsbrunner Autoteiler zur Verfügung (siehe Infokasten).

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Dafür reicht es, wenn der Rollstuhlfahrer Mitglied der Autoteiler ist. Der Fahrer muss nicht zwingend Vereinsmitglied sein, allerdings muss er vorab eine Einweisung für den Wagen erhalten. Der ist auf dem Parkplatz an der Römerallee stationiert und kann dort nach Buchung im Internet abgeholt werden.

Damit auch Rollstuhlfahrer den Wagen nutzen können, die keinen Fahrer zur Verfügung haben, kommen nun „Talente“ ins Spiel. Das ist die Einheit, mit der die Mitglieder der Zeitbörse Königsbrunn ihre Leistungen untereinander abrechnen. Der Verein, der sein Angebot als „zeitgemäße Nachbarschaftshilfe“ bezeichnet, hat in Königsbrunn rund 200 rührige Mitglieder.

Er hat unter anderem einen Fahrdienst für Königsbrunner Senioren auf die Beine gestellt. Der kam so gut an, dass man im Mai bei 60 Nutzern einen Aufnahmestopp beschloss. Die 30 Fahrer, die sich einbringen, schaffen es zeitlich einfach nicht mehr, berichtet Ulrich Galas, 2. Vorsitzender der Zeitbörse, der sich hier besonders engagiert.

Der Seniorenfahrdienst ist bereit, Rollstuhlfahrer, die in Königsbrunn wohnen, mit dem Peugeot zu chauffieren.

Die „Talente“, die dafür fällig sind, können die Behinderten in der Regel nicht aufbringen. Die spendiert das Felsenstein-Haus aus seinem Budget, das ihm der Autoteiler-Verein (ebenfalls Mitglied der Zeitbörse) für die Nutzung des Peugeots gutschreibt. Das Ganze war nicht zuletzt deshalb so gut einzufädeln, weil der Königsbrunner Jürgen Müller Vorsitzender von Autoteiler und Zeitbörse zugleich ist.

„Wir wollen damit den Behindertentaxis keine Konkurrenz machen“, betont Müller, er sieht das Projekt als einen Weg, Rollstuhlfahrern zu vertretbaren Kosten mehr Mobilität zu ermöglichen.

Für ihn weist diese Kooperation über den Bereich Rollstuhlfahrer hinaus. „Auch Senioren, die auf Grundsicherung angewiesen sind, haben ein begrenztes Budget für Fahrten“, weiß er. Der Seniorenfahrdienst bietet auch ihnen, wie jetzt den Rollstuhlfahrern, „mehr Mobilität und damit mehr Selbstständigkeit“.

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