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Bobingen

12.02.2021

Visagistin aus Bobingen erhält den "Wedding Award Germany"

Make-up-Artistin Tanja Naumann stylt Bräute für ihren großen Tag. Seit knapp zwei Jahren leitet sie ihr eigenes Studio in Bobingen. Nun wurde die 33-Jährige mit dem Wedding Award Germany ausgezeichnet.
Bild: Amani & Chris - Fotografie mit Gefühl

Plus Tanja Naumann ist Make-up-Artistin und hat schon 300 Bräute am Hochzeitstag gestylt. Nun wurde die 33-Jährige ausgezeichnet. Was sie an ihrem Beruf schätzt.

Am Hochzeitstag muss alles sitzen – vom Kleid über die Frisur bis zum Make-Up. Wie das geht, weiß Tanja Naumann aus Bobingen. Als ausgebildete Visagistin hat sie schon 300 Bräuten zum perfekten Aussehen verholfen. Dafür wurde sie jetzt mit dem "Wedding Award Germany" ausgezeichnet.

Als eine von 500 Teilnehmerinnen hatte sich die 33-Jährige beworben, trat in der Kategorie Brautstyling an und überzeugte die Jury. "Ich habe richtig gejubelt", sagt Naumann. Den Wettbewerb auf Anhieb zu gewinnen macht die Bobingerin stolz. "Ich bin selbstkritisch, was meine Arbeit angeht", sagt sie. Die Auszeichnung bestärke sie, weiter ihren Weg zu gehen.

Acht Wochen vor der Hochzeit probt Naumann das Styling mit den Bräuten

Der begann vor zehn Jahren, als sie ihre Ausbildung zur Visagistin beendete. Kurz danach stylte sie die erste Braut und blieb dabei. Seitdem arbeitet Naumann als Make-up Artistin, Visagistin und Hairstylistin, gibt Schminkkurse, stylt Kundinnen für Foto-Shootings und Opernbesuche. Vor knapp zwei Jahren eröffnete sie ihr eigenes Studio in Bobingen.

Immer häufiger werde sie auch für Filmaufnahmen gebucht, sagt Naumann. Denn sie beherrsche das sogenannte HD-Schminken. Dabei werden möglichst dünne Schichten aufgetragen, damit die Schminke bei hochauflösenden Nahaufnahmen nicht ins Auge sticht.

Doch ihre Leidenschaft und Haupteinnahmequelle ist das Brautstyling. Rund 300 Bräute hat Naumann schon gestylt. Sechs bis acht Wochen vor der Hochzeit kommen die Kundinnen zu ihr. Dann wird gesteckt, gedreht, gepinselt und gepudert, bis Make-Up und Haare sitzen. Naumanns Stärke: Locker wirkende Frisuren, die trotzdem halten. "Eine Kunst, die ich mir über die Jahre erarbeitet habe", sagt die 33-Jährige. Ihr Trick: In die Vorbereitung der Haare steckt sie mehr Zeit als ins eigentlichen Stecken.

Noch saß kein Bräutigam für ein Styling im Studio in Bobingen

Bis zu drei Stunden dauern Beratung und Styling. Dabei hat Naumann nicht nur Frisur und Make-Up im Blick. "Ich lasse mir das Kleid zeigen, spreche mit Kundinnen über Konzept und Farben der Hochzeit", sagt die 33-Jährige. Auch das Ambiente spiele eine Rolle - ein Schloss verlange andere Ideen als ein alter Gutshof. "Alles muss stimmig sein", sagt Naumann.

Seit zehn Jahren stylt die Bobingerin Tanja Naumann Bräute. Für ihr können wurde sie jetzt mit dem Wedding Award Germany ausgezeichnet.
Bild: Amani & Chris - Fotografie mit Gefühl

Nicht immer ist sie mit den Bräuten einer Meinung. Schwierig seien Kundinnen, die sich nicht entscheiden können. Anspruchsvoll hingegen Frauen über 40, die wissen, was sie wollen und das auch von ihrer Stylistin erwarten. „Ich versuche, meinem Stil treu zu bleiben", sagt Naumann. Dabei setzt sie auf Natürlichkeit statt Glitzer und dickem Lidstrich.

Einen Bräutigam hatte Naumann übrigens noch nie im Studio sitzen. Die Männer würden sich eher am Tag der Hochzeit ein Haarstyling gönnen. Dann zaubere sie auch die ein oder andere Narbe weg oder gestalte die Kinn-Wangenpartie kantiger.

Bei ihrer Hochzeit kümmerte sich Tanja Naumann selbst um das Make-Up

Doch auch bei den Frauen geht es nicht nur um Äußerlichkeiten. Oft würden sich persönliche Gespräche entwickeln, in denen Unsicherheiten zutage treten. "Jede Frau, die zu mir kommt, bringt etwas mit, das sie belastet - sichtbar oder unsichtbar", sagt Naumann. Ihre Arbeit erfordere Fingerspitzengefühl. Schon die Art der Begrüßung, die Haltung oder der Kleidungsstil verrate viel.

Sechs bis acht Wochen vor der Hochzeit kommen die Bräute zum Probetermin in Tanja Naumanns Studio nach Bobingen.
Bild: Miriam Sebald

Immer wieder höre sie den Satz: Das habe ich noch nie jemandem erzählt - für die Stylistin ein Zeichen, dass ihr die Frauen vertrauen. "Es freut mich, wenn sie sich durch das Styling mit anderen Augen sehen können", sagt Naumann. Manchmal gehe es schlicht darum, den Frauen den Druck vor der Hochzeit zu nehmen.

Die Bobingerin weiß, wie es sich anfühlt. 2016 trat sie selbst vor den Traualtar. Um das Make-Up kümmerte sie sich selbst, die Frisur übernahm eine Kollegin. "Dafür hatte ich keine Nerven", erinnert sich Naumann mit einem Lachen.

Damit das Styling am Hochzeitstag sitzt, dokumentiert die Bobingerin jedes Haarprodukt, das sie beim Probetermin verwendet und jede Narbe, die es zu verdecken gilt. Meist schminkt sie die Bräute dann direkt vor Ort, dafür reiste sie auch schon an den Gardasee.

Naumann konnte ihre eigene Schönheit jahrelang nicht erkennen

"Ich schminke andere schon viel länger und lieber als mich selbst", sagt Naumann. Für die ersten Tupfer und Pinselstriche mussten ihre Freundinnen herhalten. Damit war bei der damals 13-Jährigen die Begeisterung fürs Schminken und die Wandelbarkeit von Gesichtern geweckt. Dabei konnte sie die Schönheit, die sie in anderen sah, bei sich selbst lange nicht erkennen.

"Es gab Zeiten, in denen mein Selbstwertgefühl ganz unten war", sagt Naumann. Sechs Jahre habe sie unter schwerer Akne gelitten. Die perfekten Gesichter, die ihr aus den Modemagazinen entgegenstrahlten, suggerierten ein Schönheitsideal, dem sie nicht entsprach. "Als Jugendliche habe ich geglaubt, dass die Models wirklich so aussehen", erinnert sich Naumann.

Die Arbeit als Visagistin hat ihren Blick verändert. Ein Schlüsselerlebnis: Nachdem sie eine Bekannte - alleinerziehend, fahle Haut, Augenringe - schminkte, fing die Frau an zu weinen. "Sie hat sich lange nicht mehr so gesehen", sagt Naumann. Das habe sie nicht mehr losgelassen und begeistert sie bis heute an ihrem Beruf.

Der erste Corona-Lockdown hat die Brautstylistin hart getroffen

Das Corona-Jahr bezeichnet die Bobingerin als "absoluten Wahnsinn". Der erste Lockdown traf Naumann hart. Von einem Tag auf den anderen stand sie ohne Arbeit da, Hochzeiten wurden verschoben, Aufträge brachen weg. "Es war heftig, ich hatte Existenzängste und wusste nicht, wie ich Geld verdienen sollte", sagt die 33-Jährige.

Erst die Lockerungen im Sommer ließen sie aufatmen. Immer mehr Frauen buchten Termine, weil sie spontan im kleinen Kreis heirateten. Naumann war froh um jede Kundin, nahm alle Aufträge an und war am Ende völlig überlastet. "Kaum zu glauben, aber es war mein stärkstes Jahr", sagt die Stylistin.

Sorgen um die Zukunft macht sie sich nicht, denn die Warteliste ist lang. Für dieses Jahr ist Naumann ausgebucht. Bräute, die nächstes Jahr heiraten und sich von der Bobingerin stylen lassen wollen, müssen sich bis September gedulden. Erst dann erfahren sie, ob es mit dem perfekten Styling zur Hochzeit klappt.

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