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Bobingen

19.01.2020

Warten auf Wolfgang

Mal philosophisch, mal hintersinnig. So läßt Stefan Waghubinger das Publikum in der Bobiger Singoldhalle an seinen Erkenntnissen zum Alltag teilhaben.
Foto: Elmar Knöchel

Stefan Waghubinger stellt in der Bobinger Singoldhalle Betrachtungen über sich selbst, seine Beziehung und Gott und die Welt an.

Die Veranstaltungsreihe „Wein und Kabarett“ steht in Bobingen mittlerweile als Synonym für beste Unterhaltung. Diesmal war Stefan Waghubinger aus Österreich zu Gast. Sein alpenländischer Zungenschlag lässt alles, was er sagt, immer eine Spur charmanter klingen, als es vielleicht wirklich gemeint ist. Er ist eher ein Mann der leiseren Töne. Auf krachende Pointen und lautstarke Lachanfälle wartet man bei seinen Betrachtungen meist vergeblich. Sein Witz ist eher hintersinnig und entsteht oft durch sein geschicktes Spiel mit der Sprache.

Anlass seiner Selbstanalyse, die er an diesem Abend anstellt, ist die Trennung von seiner Frau. Er sitzt auf dem Dachboden seiner Eltern und wartet auf seinen Kumpel Wolfgang, der ihm seine Möbel bringen soll. Während er dort auf dem Dachboden sitzt, erzählt er, was ihm gerade so durch den Kopf geht: „Da hat man mal einen Grund traurig zu sein, wenn eine Beziehung zerbricht und dann ist man es gar nicht.“ Der Anlass für das Ende seiner Beziehung sei gewesen, dass seine Frau bei der Sparkasse einen Maler kennengelernt habe. „Bei der Sparkasse gibt es jetzt statt Zinsen immer so Ausstellungen“, erklärt Waghubinger.

Im Laufe des Abends breitet mehr und mehr Einzelheiten aus seinem Leben und seiner Kindheit vor dem Publikum aus. Manchmal entspinnt sich ein regelrechter Dialog mit den Zuhörern. Wenn er zwischendurch fragt, ob jemand den Wolfgang schon gesehen hätte, bekommt er direkt Antwort aus dem Saal. Das zieht sich durch den ganzen Abend. Die Menschen brauchen zwar etwas Zeit, um sich auf Waghubingers feinsinnigen Humor einzustellen. Sie sind dann aber umso mehr bei der Sache. Schließlich spricht Waghubinger nicht über Abgehobenes, sondern über Begebenheiten aus dem Alltag. Er zeigt sich als guter Beobachter und analysiert treffend das Gefühlsleben eines Menschen in verschiedenen Situationen. „Eigentlich weiß ich immer genau, was passieren wird. Dann kommt es anders.“ Immer wieder streift er Themen wie Psychoanalyse, menschliche Verhaltensweisen und Religion. Zu den Glaubensrichtungen und deren Streitigkeiten bemerkt er lakonisch: „Die Religionen könnten viel von Gott lernen.“

Natürlich nimmt er sich selbst nicht aus, wenn es um menschliche Schwächen geht. „Ich möchte nicht schlecht von meiner Frau reden. Aber wer sollte es sonst tun?“ Immer wieder kommt er auf das traurige Ende seiner Beziehung zurück, nur um sich dann wieder und wieder in den Tiefen seiner Erinnerungen zu verlieren. Dabei erzählt er von der furchtbaren Pilzsuppe seiner Mutter, die er immer hatte essen müssen. Von der ihm nie mehr schlecht werden konnte, weil ihm bereits vor dem Essen beim Gedanken daran übel war. Und auch sonst noch Einiges aus seiner Kindheit. Gleichzeitig spricht er den Zuhörern mit seinen Randbemerkungen immer wieder aus der Seele: „Ich würde gerne mehr Lesen. Aber man hat halt so wenig Zeit. Manchmal überlege ich mir wirklich, den Fernseher auszuschalten.“

Man kann bei genauerem Zuhören nicht nur viel über das Innenleben Waghubingers erfahren, sondern es wird einem oft auch ein Spiegel der eigenen Verhaltensweisen vorgehalten. „Wer liest schon die Zutatenliste auf der Speisekarte im Restaurant. Außer man ist Allergiker. Oder will einer werden.“ Manchmal kommt er fast philosophisch daher. Doch es ist eine amüsante Alltagsphilosophie. Niemals wird er verletzend. Und sein Vortrag kommt ohne Politiker-Bashing oder Belehrungen zu aktuellen Entwicklungen aus. Das ist schon ungewöhnlich in der Kabarettwelt.

Nach zweieinhalb Stunden hat er das Publikum hinter sich. Elke Griff aus Bobingen kommentiert den Abend so: „Er war teilweise richtig philosophisch. Aber es gab auch viel zu lachen. Stefan Waghubinger produziert keine Schenkelklopfer, dafür ist er sehr hintersinnig.“

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