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Fischach

06.11.2017

Zeugen des Glaubens und Symbole des Dankes

Dieses Wegkreuz aus Stein befindet sich am Rand des Streuobstwegs Langenneufnach.
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Dieses Wegkreuz aus Stein befindet sich am Rand des Streuobstwegs Langenneufnach.
Bild: Rupprecht

Wegkreuze begleiten an Feldern und Straßen und mahnen zur inneren Einkehr. In den Stauden gibt es viele Beispiele.

Wer in Langenneufnach an der Abzweigung zur Habertsweiler Straße den Streuobstweg entlangwandert, stößt schon nach kurzer Zeit auf ein steinernes Wegkreuz. Es lädt die Wanderer zum Ausruhen, Innehalten und Verweilen ein.

Diese Wegkreuze, auch Flur- oder Feldkreuze genannt, sind typisch für den ländlichen Raum, auch für die Stauden. Sie stehen oft am Wegesrand, bilden Rastpunkte für Menschen zur inneren Einkehr, zum Nachdenken oder stillen Gebet. Sie zeugen aber auch von Heimatverbundenheit und Tradition. Und so manches Kreuz hat seine ganze eigene Geschichte.

Viele Benutzer des Streuobstwegs haben das Steinkreuz ins Herz geschlossen. Ihnen gefällt dort vor allem die meditative Atmosphäre. Gerne legen sie hier, nicht nur wegen der schönen hügeligen Landschaft, einen Moment der Besinnung ein, wie die Wanderin, die mit ihrem Enkel den Rundkurs eingeschlagen hat.

Kreuze erinnern auch an Gewalttaten

Nicht alle Wegkreuze sind stille Verkünder des Glaubens. Es gibt auch Kreuze, die an Schicksalsschläge, Katastrophen, schwere Unwetter, Notlagen oder Gewalttaten erinnern. Andere – die wenigsten allerdings – sind mit Inschriften oder Texttafeln versehen, warum das Kreuz aufgestellt wurde.

Eine Gemeinsamkeit weisen allerdings alle Wegkreuze auf: die lange Tradition. Die ältesten stammen aus dem späten Mittelalter. Sie waren steinerne, meist aus einem Block gehauene Sühnekreuze. Aufgestellt wurden sie jedoch nicht von den Angehörigen eines Opfers, sondern vom Täter oder dessen Familie. Pestkreuze erinnern an Epidemien des Schwarzen Tods oder den Ort eines Pestfriedhofs, Galgenkreuze an den Weg zu Hinrichtungsstätten. Nicht selten knüpfen sich an die Kreuze auch Sagen und Legenden oder düstere Geschichten. Den frühesten Beleg für ein Wegkreuz in unserem Gebiet liefert eine Karte der Gemarkung Scherstetten aus dem Jahr 1543, so der frühere Kreisheimatpfleger Walter Pötzl in seinem Buch „Kreuze, Bildstöcke und Feldkapellen“.

Unterschiedlichste Inschriften und Ausfertigungen

In den Stauden sind viele Wegkreuze Ausdruck des Glaubens und der Frömmigkeit. Davon zeugen Tafeln mit Aufschriften wie „Im Kreuz allein ist Heil“ oder „Gott lebt“. Verbunden sind die Kreuze darüber hinaus oft mit der Anrufung Gottes, wie dem Hinweis „Gott segne unsere Fluren“ oder „Gott schütze Bayern“. Zuweilen finden an ihnen Andachten oder Bittgänge statt. So breit gefächert die Inschriften und die Standorte sind, so verschieden sind die Ausfertigungen. Mal aus Eichenholz, die meisten dann wieder aus Eisen oder Stein, mit oder ohne Sockel. Manche sind filigran oder mächtig mit reich verziertem Kreuzdach, andere gepflegt oder verwittert und mit Flechten überzogen. Kreuze ohne Christuskorpus am Querbalken sind selten. Die Figuren bestehen zum größten Teil aus Bronze oder Eisenguss, aus Gips oder Blech. Letztere sind in unserem Landkreis rar. Eine Seltenheit ist auch das Eisenkreuz in einer Wiese beim Schweizerhof in der Nähe von Walkertshofen. In der reichen Verzierung geht der Christuskorpus fast unter. In einer Nische des üppigen Steinsockels befindet sich zudem eine Madonna mit Kind.

Besondere Geschichten erzählen die sogenannten „Votivkreuze“. Sie kommen aufgrund eines Versprechens oder eines Gelübdes zur Aufstellung. Der Spender dankte damit für die Heilung einer schweren Krankheit, eine Rettung aus Lebensgefahr oder fürs gesunde Zurückkommen aus dem Weltkrieg.

Immer wieder finden sich Menschen, die sich um diese Wegkreuze kümmern. Als Beispiel dafür steht das Kreuz des Obst- und Gartenbauvereins Langenneufnach an der Kreuzung Weber-/Rothaner Straße. Engagierte Bürger renovierten es vor einigen Jahren.

Wie wichtig Menschen in der heutigen schnelllebigen Zeit noch das Aufstellen von Kreuzen ist, zeigen die vielen kleinen Symbole am Straßenrand. Auch diese Marterl sind stille Zeichen. Sie und die oft dort angebrachten Blumen erinnern an traurige Ereignisse, an tödliche Unfälle – so wie ein Marterl an der Verbindungsstraße von Fischach nach Willmatshofen.

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